Fuerte de Samaipata
archäologische Stätte in Bolivien
From Wikipedia, the free encyclopedia
El Fuerte de Samaipata (spanisch für „Festung von Samaipata“) ist eine präkolumbische archäologische Stätte in Bolivien. Die Anlage umfasst einen großflächig bearbeiteten Sandsteinfelsen, der zeremoniell genutzt wurde, sowie einen südlich anschließenden Verwaltungs‑ und Wohnbereich. Es sind Bauspuren der Chané, der Inka und der spanischen Kolonialzeit erhalten. Seit 1998 ist die Stätte als Weltkulturerbe der UNESCO geschützt.[1]
| Fuerte de Samaipata | |
|---|---|
| UNESCO-Welterbe | |
| Blick auf den Sandsteinfelsen bei El Fuerte | |
| Vertragsstaat(en): | |
| Typ: | Kultur |
| Kriterien: | (ii)(iii) |
| Referenz-Nr.: | 883 |
| UNESCO-Region: | Lateinamerika und Karibik |
| Geschichte der Einschreibung | |
| Einschreibung: | 1998 (Sitzung 22) |
Lage
El Fuerte de Samaipata liegt auf einem Berggipfel in etwa 1.890 bis 1.925 Metern Höhe über dem Meeresspiegel in den östlichen Ausläufern der Cordillera Oriental der Anden.[2.1] Die Anlage befindet sich nahe der Kleinstadt Samaipata im Municipio Samaipata der Provinz Florida im bolivianischen Departamento Santa Cruz, rund 120 Kilometer südwestlich von Santa Cruz de la Sierra.
Aufbau


Die Anlage umfasst etwa 40 Hektar und gliedert sich in zwei Hauptbereiche: den nördlichen Zeremonialbereich mit dem massiven Sandsteinfelsen und den südlich angrenzenden Verwaltungs- und Wohnbereich.[3.1]
Der zentrale Sandsteinfelsen misst etwa 240 Meter in der Länge und 80 Meter in der Breite und gilt als eines der größten monolithisch gestalteten Felsreliefs der präkolumbischen Welt.[2.2][1] Die Oberfläche ist mit zahlreichen Vertiefungen, Kanälen, trapezförmigen Nischen und geometrischen Muster bearbeitet. Hinzu kommen Tierdarstellungen, unter anderem von Raubkatzen und Schlangen.[4] Darunter befinden sich auch zwei lange, parallele Kanäle mit begleitenden Zickzackrinnen, die genau in Ost-West-Richtung verlaufen und lokal als El Dorso de la Serpiente („Rücken der Schlange“) bekannt sind.[1] Am höchsten Punkt des Felsens befindet sich der sogenannte Coro de los Sacerdotes, ein kreisförmiges, mit Sitznischen versehenes Felsheiligtum.[1]
Das südliche Plateau weist Siedlungsreste auf, die von etwa 300 n. Chr. bis in die Kolonialzeit reichen.[1] Am südlichen Rand der Anlage liegt zudem ein tiefes, schachtartiges Loch (El Hueco), dessen Entstehung und Bedeutung unklar ist.
Geschichte
Die ältesten sicher datierten Nutzungsphasen setzen in der Mojocoyas‑Periode um 300 n. Chr. ein, als vorinkaische Chané‑Gruppen den Fels zu einem Ritual- und Siedlungszentrum ausformten.[1][5] Auf Basis archäologischer Befunde wird ein mehrphasiges Belegungsschema mit einer vorinkaischen Phase, zwei Inka‑Phasen (Inka I und Inka II, getrennt durch eine Invasion der Chiriguanos) und einer kolonialzeitlichen Phase unterschieden.[4] Im 14. Jahrhundert wurde das Gebiet von den Inka in ihr Reich einbezogen. Sie richteten in Samaipata ein provinzielles Verwaltungs‑ und Kultzentrum an der Ostgrenze des Tawantinsuyu mit zentralem Platz, monumentalen öffentlichen Gebäuden und Terrassierungen der Hänge ein.[1][5] Nach der spanischen Eroberung wurde sie zunächst weiter besiedelt, jedoch wiederholt von Chiriguano-Guaraní aus dem Chaco angegriffen. Im 17. Jahrhundert verlagerten die Spanier ihre Siedlung ins nahegelegene Valle de la Purificación, wo die heutige Stadt Samaipata entstand.[1]
Nachdem die Hügelanlage in der Kolonialzeit überwuchert und weitgehend in Vergessenheit geraten war, wurde sie ab dem späten 18. und 19. Jahrhundert von Forschern wie Thaddäus Haenke und Alcide d’Orbigny beschrieben. Im frühen 20. Jahrhundert folgten Untersuchungen unter anderem durch Erland Nordenskiöld, Leo Pucher und Hermann Trimborn.[4] 1951 erklärte die bolivianische Regierung das Areal zum Nationalmonument.[1] Seit den 1970er Jahren und insbesondere im Rahmen des Proyecto de Investigaciones Arqueológicas de Samaipata (PIAS) ab 1992 wurden systematische Ausgrabungen auf einer Fläche von etwa 30 bis 40 Hektar durchgeführt.[4]
Bedeutung
Der Zweck der Anlage war lange Zeit unbekannt. Die ersten spanischen Entdecker und späteren Forscher deuteten die exponierte Lage auf einem Gipfel als Festungsanlage, woraus sich die bis heute gebräuchliche, irreführende Bezeichnung El Fuerte („die Festung“) ableitet.[6] Später wurde unter anderem vermutet, die Kanäle hätten zum Waschen von Gold gedient.
Neuere Grabungen und Interpretationen sehen in Samaipata vor allem ein religiös‑zeremonielles Zentrum mit angeschlossenem Verwaltungs‑ und Wohnbereich, das in Inka‑Zeit als regionales Macht‑ und Kultzentrum an der Ostgrenze des Reiches diente.[1][3]
El Fuerte de Samaipata gilt mit seinem großflächig bearbeiteten Felsmassiv als beispielloses Zeugnis präkolumbischer Traditionen und Kulte auf dem amerikanischen Kontinent. Die Einschreibung als Welterbestätte erfolgte nach Kriterium (ii), weil der Felsen mit seinen Skulpturen das zentrale zeremonielle Element einer Siedlung bildet, die den Höhepunkt dieser Form vorspanischer religiöser und politischer Zentren verkörpert, und nach Kriterium (iii), weil Samaipata mit seinen monumentalen Felsplastiken ein herausragendes Zeugnis hochentwickelter religiöser Traditionen in dieser Andenregion darstellt.[1]
Erhaltung

Die weiche Sandsteinoberfläche leidet unter intensiver Erosion durch Regen, Wind und Temperaturschwankungen sowie durch frühere Besuchertritte.[4] Das Kernareal des archäologischen Geländes von rund 20 Hektar wurde 1951 per Dekret zum Nationalmonument erklärt. 1997 kamen etwa 260 Hektar als umgebende Schutzzone hinzu, die heute als öko‑archäologischer Park unter kommunaler Verwaltung und in Koordination mit nationalen Denkmalschutzbehörden gemanagt wird. Seit den 1990er Jahren werden schrittweise Konservierungs‑ und Managementmaßnahmen umgesetzt, darunter die Anlage von Besucherwegen, die Beschränkung des direkten Betretens der Felsoberfläche und großmaßstäbige 3-D-Laserscans zur detaillierten Zustandserfassung und Langzeitüberwachung.[2.1][1] Wegen der besonderen Fragilität der Sandsteinoberfläche wurden die Besucherwege als erhöhte Passerelle um den Fels herum angelegt, um direkte Trittbelastung auf den Skulpturen zu vermeiden.[4]
Literatur
- Mariusz Ziółkowski: El Fuerte de Samaipata in the light of current research. In: Architectus. Nr. 2(62), 2020, ISSN 1429-7507, S. 11–18, doi:10.37190/arc200203 (englisch, wroc.pl [PDF; abgerufen am 1. März 2026]).
Weblinks
- Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
- Bilder und Beschreibung
