Fuldabrücke bei Malsfeld

Eisenbahnbrücke der ehemaligen Bahnstrecke Leinefelde-Treysa („Kanonenbahn“) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Fuldabrücke bei Malsfeld (auch Malsfelder Fuldabrücke) ist eine Eisenbahnbrücke der ehemaligen Bahnstrecke Leinefelde-Treysa („Kanonenbahn“). Sie überspannt die Fulda bei Malsfeld im hessischen Schwalm-Eder-Kreis und liegt etwa 3 km südlich der Stadt Melsungen.

Schnelle Fakten
Fuldabrücke bei Malsfeld
Fuldabrücke bei Malsfeld
Fuldabrücke bei Malsfeld
Fuldabrücke bei Malsfeld (2005)
Nutzung Bahnstrecke Leinefelde–Treysa
Querung von Fulda
Lage
Koordinaten 51° 5′ 56″ N,  32′ 8″ O
Fuldabrücke bei Malsfeld (Hessen)
Fuldabrücke bei Malsfeld (Hessen)
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Die Brücke wurde von 1876 bis 1879 im Zuge des Baus der strategischen „Kanonenbahn“ Berlin-Metz erbaut. Sie zählt durch ihre ursprüngliche Fischbauträgerkonstruktion, die ebenso in dem gesprengten Friedaviadukt, dem Lengenfelder Viadukt und dem Efze-Viadukt genutzt wurde, zu den spannendsten Kunstbauwerken. Ursprünglich wurde die Malsfelder Fuldabrücke mithilfe breiter Stützpfeiler auf bis zu 3 Gleise ausgelegt, welche zusätzlich schräg mit einem Winkel von etwa 54 Grad zur Fulda angelegt wurden, während die Brücke selbst geradlinig verläuft.[1]

Geschichte

Fuldabrücke bei Malsfeld aus Zeitschrift des Bauwesens 1880

Mit dem Bau wurde wahrscheinlich im Jahr 1876 begonnen. Wegen der Nähe zum Bahnhof Malsfeld wurde ein dreigleisiger Pfeilerunterbau errichtet, dabei wurde der eiserne Oberbau vorerst eingleisig ausgeführt. Eine massive Steinbrücke wurde aus Kostengründen verworfen.[2]

Während der Errichtung des Viaduktes stürzte am 10. Oktober 1877 der Flusspfeiler ein, angenommen wurde eine Unterspülung/Auskolkung oder auch ungleichmäßiger Baugrund als Ursache. Dies verzögerte den Bauprozess erheblich. Der Strompfeiler wurde mit einem neuen Fundament versehen, dafür wurde das alte Fundament gesprengt. Dabei kam es zu einem Unfall mit Schwerverletzten und einem Toten. Trotzdem konnte die Brücke rechtzeitig zur Streckeneröffnung am 15. Mai 1879 fertiggestellt werden. Die Baukosten beliefen sich insgesamt auf 398.446 Mark.[1.1]

Während des Ersten Weltkriegs wurde 1914, wie an vielen anderen Bauwerken der „Kanonenbahn“, eine Brückenwache stationiert.[1.2] Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Strecke vor allem in den letzten Kriegsjahren dauerhaft als Umleitungsstrecke genutzt, was die Eisenbahnbrücke stark belastete.[1.3]

Eisenbahnunfall auf der Fuldabrücke bei Malsfeld 1945

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke am 24. März 1945 durch mehrere entgleiste Waggons beschädigt, welche von einem Zug abrissen und mit zunehmender Geschwindigkeit in Richtung Malsfeld rollten. Der Versuch, dies durch Umstellen mehrerer Weichen in Richtung Spangenberg zu verhindern, scheiterte. Dabei rasten die 16 Waggons mit mehr als 100 km/h durch den Bahnhof Malsfeld, wodurch an der letzten Weiche vor der Fuldabrücke die ersten Waggons entgleisten. Ein Waggon stellte sich quer und riss sodann zwei Überbauten der Brücke mit sich und die nachfolgenden Waggons in die Fulda. Es brach ein mehrere Tage dauerndes Feuer aus, das sogar den Sandstein des Strompfeilers teilweise verfärbte und abplatzen ließ. Noch im selben Jahr wurden die Überreste der Trägerkonstruktion beseitigt. Die Reste der stehen gebliebenen Brücke wurden 1948 demontiert und am 25. August 1948 wurde ein neues Überbauteil eingeschoben.[1.4]

Konstruktion

Das Viadukt hat eine Gesamtlänge von 114 m und eine Höhe von etwa 29 m über dem Flussbett der Fulda. Es hat insgesamt vier Öffnungen von je 29,08 m Spannweite und überspannt die Fulda, eine Straße und einen Feldweg, primär mit den beiden Endöffnungen.[1.5] Der für den Bau benötigte Buntsandstein stammt aus der Umgebung (z. B. Sommerberg).[1.6] Von den drei gemauerten Pfeilern befinden sich zwei auf Land und einer im Fluss; sie waren für dreigleisigen Betrieb ausgelegt. Die Pfeiler sind etwa 21 m hoch und die obere Breite beträgt 2,5 m. Die Widerlager wurden als gewölbte Kastenpfeiler konstruiert und wie die Landpfeiler auf gutem Baugrund errichtet.

Der ursprünglich eiserne Überbau bestand aus vier Fischbauchträgern und wurde nur für ein Gleis ausgeführt. Die Träger bestanden aus Schmiedeeisen, Gusseisen und Gussstahl. Nach dem Einbruch des Strompfeilers während der Bauphase mussten Kosten gespart werden, weshalb man nicht die ursprünglich geplanten weiteren Überbauten für ein weiteres, zweites Ausziehgleis errichtete, auch weil man befürchtete, die Brücke könnte der zusätzlichen Belastung eines weiteren Überbaus nicht Stand halten. Im Frühjahr 1928 wurden parallel zu den Fischbauchträgern neue Wannenträger eingebaut, die aufgrund ihrer höheren Tragfähigkeit die Funktion des Hauptgleises übernahmen. Die Fischbauchträgerkonstruktion blieb erhalten, wurde zwar auch verstärkt, konnte jedoch die Belastungen der schwerer gewordenen Züge schlechter tragen und wurde zum Auszieh- und Rangiergleis degradiert.[1.7] Bei dem Unfall auf der Eisenbahnbrücke am 24. März 1945 stürzten ein Fischbauchträger und ein Wannenträger in die Fulda. Der Wannenträger wurde Ende August 1948 ersetzt. Die restliche Fischbauchträgerkonstruktion hatte keine Funktion mehr und wurde anschließend demontiert.[1.4]

Heutiger Zustand

Nach der Einstellung des Personenverkehrs am 25. Mai 1974 und des Güterverkehrs am 1. April 1988 wurden 2003 bis 2005 auch die restlichen Gleise entfernt.[1.8] Da die Brücke ein technisches Baudenkmal ist, bleibt sie weiterhin bestehen. Eine Überquerung der Eisenbahnbrücke ist jedoch nicht möglich.

Einzelnachweise

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