GC Rieber
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GC Rieber ist ein privat geführtes norwegisches Unternehmen, das als Eigentümer über eine Auswahl von Kerngeschäften agiert. Die Geschäftsbereiche konzentrieren sich zuletzt vor allem auf Industrie, Schifffahrt und Immobilien.
| GC Rieber AS | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1879 |
| Sitz | Bergen, Norwegen |
| Website | www.gcrieber.com/ |


GC Rieber wurde 1879 von Gottlieb Christian Rieber (1854–1947) in Schrødergården bei Bergen für den Handel mit Häuten und Fellen gegründet.[1] Später wurde das Unternehmen über vier Generationen hinweg sowohl durch organisches Wachstum als auch durch den Kauf und Verkauf von Unternehmen weiterentwickelt. Der Hauptsitz befindet sich im Stadtteil Solheimsviken von Bergen.[2]
Geschichte
Gottlieb Christian Rieber verbrachte seine frühe Kindheit im südlich von Stuttgart gelegenen Ebingen. Unter dramatischen Umständen gelangte er nach Norwegen. Die Eltern wollten mit ihren sieben Kindern auf dem Auswandererschiff „De Zee Ploeg“ nach Amerika auswandern. In einem schweren Sturm geriet das Schiff vom Kurs ab und sank im Herbst 1817 vor Herdla bei Bergen. Die Überlebenden wurden nach Bergen gebracht. Gottlieb Christian Vater war bei der Havarie ums Leben gekommen, kurz darauf starb auch seine Mutter. Gottlieb Christian und seine Geschwister wurden gerettet und bei Gastfamilien untergebracht.[3][1]
Im Jahr 1879, im Alter von 25 Jahren, gründete Gottlieb Christian Rieber in Schrødergården bei Bergen eine Lederhandlung. Das Unternehmen begann mit dem Großhandel von Häuten und Pelzfellen. 1888 wurde eine Niederlassung in Trondheim eröffnet, später auch in Oslo, Stavanger, Tromsø und Ålesund. Die Geschäftstätigkeit wurde auf eine Gerberei ausgeweitet, später kam eine Schuhproduktion und der Einzelhandel dazu.[1]
Im Jahr 1890 handelte man bereits auf dem Seeweg entlang der norwegischen Küste als auch über die Nordsee. Das Geschäft florierte, und G.C. Rieber & Co. A/S eröffnete Niederlassungen in Trondheim und Stavanger. Im Jahr 1900 gründete sein Bruder, Johan Jacob Rieber, die „Norske Saltkompagni A/S“, die viele Jahre später von der Firma GC Rieber übernommen wird. Das Unternehmen GC Rieber expandierte und weitete seine Geschäftstätigkeit vom reinen Handel auf den Direkteinkauf aus. Rieber eröffnete für den Einkauf von Häuten und Fellen zwischen 1911 und 1924 mehrere Einkaufsbüros in Kristiania, Ålesund, Tromsø und in Finnland.[1]
Die Ausweitung der Geschäftstätigkeit begann mit der dem Lederhandel verwandten Schuhproduktion durch die Übernahme im Jahr 1914 der Dale Klogfabrik „AS Jarl“ in Sunnfjord und den Einstieg in den Einzelhandel. Ähnliche Investitionen prägten das Geschäftsmodell auch in späteren Jahren. Dank ihrer guten Kapitallage konnte GC Rieber in der schwierigen Wirtschaftslage der 1930er Jahre, neben der Übernahme weiterer Schuhfabriken, das erste ihrer Arktisschiffe erwerben, die „Fortuna“.[1]
Im Jahr 2009 wurde das Lederverarbeitungswerk in Laksevåg geschlossen und das Ledergeschäft von Selskpapet schrittweise zurückgefahren. 2016 zog sich GC Rieber vollständig aus dem Ledergeschäft zurück – der Geschäftsbereich, mit dem das Unternehmen gegründet wurde.[1]
2010 übernahm GC Rieber „Compact“, einen renommierten Hersteller von Notfallausrüstung und Nahrungsmitteln für maritime Notfälle, mit Niederlassungen in Søfteland bei Bergen und in Haryana, Indien. 2014 kam ein Unternehmen in Kapstadt, Südafrika hinzu.[1]
Häute und Pelze

Gottlieb Christian Rieber begann früh eine Lehre bei seinem Vater. Auf einer Fortbildungsreise ins Ausland hatte er Gelegenheit, norwegisches Kalbsleder zu exportieren, 1879 machte er sich im Lederhandel selbständig.[4] Im Jahr 1936 begann G.C. Rieber & Co. A/S probeweise mit der Pelzverarbeitung,[3] ursprünglich in Tromsø. Das Unternehmen verarbeitete zahlreiche Fellarten und entwickelte neue Methoden zum Bleichen und Gerben.[5.1] Außerdem gelang es, Meerwasser zu destillieren, um die Wasserversorgung für die Produktion sicherzustellen.[5.2] Während der Kriegsjahre des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) war die Nachfrage nach den Produkten hoch, und bis 1948 hatte sich das Unternehmen zu einem bedeutenden Betrieb mit einer etablierten Pelzverarbeitungsanlage entwickelt, jetzt in Laksevågneset bei Bergen.[1][6]
G. C. Rieber & Co. A/S war weltweit führend in der Verarbeitung und dem Vertrieb von Robbenfellen.[7] Sie betrieb zudem die Robbenjagd mit dem Betrieb von Fangschiffen im Eismeer, darunter die MK „Polarbjørn“,[8] sowie im Bereich mariner Öle, Futtermittelprodukte und Makrelenfilets.[9] Als die Jagd auf Robben von Aktivisten verurteilt wurde und die Berichterstattung in den Medien – insbesondere in den USA – negativ ausfiel, sah sich das Unternehmen Widerstand gegenüber. Trotz wissenschaftlicher Überwachung der Robbenjagd schlossen die USA ihre Märkte für den Import norwegischer Robbenfelle. Russland schlug vor, die Jagd zu übernehmen, während Rieber die Pelzverarbeitung durchführen sollte, doch wurde das Unternehmen dennoch stark von der Kontroverse getroffen.[10][5.3][5.4]
- Häute- und Fell-Lager
- (1890)
- (1911)

Schuhproduktion
Im Jahr 1934 begann das Unternehmen mit der Schuhproduktion, zwei weitere Schuhfabriken kamen in der Zeit dazu.[1] 1968 übernahm GC Rieber das Lederwarenunternehmen „Behrens & Kahrs“ mit einem zugehörenden umfangreichen Immobilienportfolio.[1] Die Schuhindustrie war für GC Rieber seit Beginn von großer Bedeutung. 1981 war die ausländische Konkurrenz jedoch so groß geworden, dass die Schuhproduktion eingestellt werden musste. 1991 zog man sich mit dem Verkauf der Schuhläden ganz aus der Schuhbranche zurück.[1] Rieber-Schuhe beendete seine Produktion mit einer großen Lieferung an die Sowjetunion. Der Geschäftsführer Per Martens vertrat die Pelzbranche während der EFTA-Verhandlungen, bei denen sich Dänemark Zollvorteile sicherte, die Norwegen und Schweden nicht erhielten. Dies führte zum Zusammenbruch der norwegischen und großer Teile der schwedischen Pelzkonfektionsindustrie. Auch Exportzölle trafen die Pelz- und Schuhbranche hart, insbesondere die kleineren Unternehmen.[5.5]
Fleisch und Fisch
Da die Lage auf dem Ledermarkt immer schwieriger geworden war, entschloss man sich in den 1970er Jahren, in der Wertschöpfungskette aufzusteigen. Das Unternehmen wurde Miteigentümer mehrerer Schlachthöfe und gründete 1983 Rieber Meat und Rieber Frys. Im Jahr 1985 übernahm GC Rieber die Bergen Fiskeriindustri. Zum Kauf gehörte das „weltweit größte Kühlhaus“ in Bontelabo (Hafen von Bergen).[1]
1995 übernahm GC Rieber die Mehrheit der Anteile an Alnæs Marine Oils, später umbenannt in GC Rieber VivoMega, einem Fischölproduzenten in Kristiansund. GC Rieber VivoMega verlagerte seinen Schwerpunkt von traditionellen Omega-3-Ölen hin zu mehr nachgefragten Omega-3-Konzentraten (verwendet für Nahrungsergänzungsmittel). Es entstand eine hochmoderne Konzentratefabrik.[1]
Salz
Im Jahr 1984 kaufte GC Rieber die Norske Saltkompagni auf, den Vorläufer der späteren GC Rieber Salt. Das Unternehmen war 1900 vom Bruder des Firmenseniors, Gottlieb Christian Rieber, gegründet worden. Der hinter der Übernahme stehende Gedanke war, dass der Besitz von Kais, Kränen und Silos zunehmend wesentlich für den Markterfolg sein würde. 2017 expandierte GC Rieber Salt in der nordischen Region. Zusätzlich zum Terminal in Dänemark (2006) weitete das Unternehmen seine Aktivitäten auf Island und die Färöer-Inseln aus.[1]
Immobilien

Ab 1975 mussten mehrere Betriebe stillgelegt werden und die Anlagen blieben ungenutzt. 1980 firmierte „Behrens & Kahrs“ in „GC Rieber Eiendom“ um und übernahm die Verwaltung, Modernisierung und den Ersatz des Gebäudebestands. In den 1990er Jahren investierte GC Rieber stark in Immobilien, unter anderem durch den Erwerb ehemaliger Bergener Werftgelände in Solheimsviken und auf Marineholmen. Im Jahr 2020 wurde GC Rieber Fortuna als eigenständiger Geschäftsbereich gegründet; dies erfolgte durch die Übertragung des gesamten Anlageportfolios der GC Rieber AS an das neu gegründete Unternehmen.[1]
Reederei
Zur 1930 erworbenen „Fortuna“ kamen in den folgenden Jahren weitere Arktisschiffe hinzu und GC Rieber entwickelte sich zur größten Arktis-Schifffahrtsgesellschaft Norwegens. Während des Zweiten Weltkriegs stand ein Großteil der Firmenflotte im Dienst der Alliierten.[1]
1952 war ein allgemein tragisches Jahr für die Arktisindustrie, als fünf Schiffe mit insgesamt 79 Mann Besatzung im West-Schelfeis versanken. Darunter befand sich G. C. Riebers Schiff „Ringsel“ mit 14 Mann an Bord. Die Besatzungen aller fünf Schiffe blieben verschollen.[1] Die das Eismeer tauglichen Schiffe nahmen 1957 an den ersten wissenschaftlichen Expeditionen in die Antarktis nach dem Krieg teil.[1]
In den 1970er und 1980er Jahren wurde in mehrere eisgängige Expeditionsschiffe investiert. Das Unternehmen investierte außerdem in Schiffe für die aufstrebende Offshore-Industrie. Sowohl seismische als auch Offshore-Anlagen sind inzwischen wichtige Firmenschwerpunkte.[1] 1981 sank die „Arctic Explorer“ vor Neufundland, Kanada. Fünf Besatzungsmitglieder der GC Rieber und acht Angestellte der ehemaligen Firma „Geophysical Services Inc.“ kamen bei dem Untergang ums Leben.[1]
2022 begann die GC Rieber Shipping mit dem Projekt „Windkeeper“, Schiffe, die im Bereich der Offshore-Windenergie zum Einsatz kommen sollen. Nach Aussage des Unternehmens bedeutet die Windkeeper-Flotte eine Strategieänderung, die auf eine geringere Abhängigkeit von der Ölindustrie und eine stärkere Ausrichtung auf erneuerbare Energien abzielt.[1]
Mitte 2025 gibt GC Rieber Pläne bekannt, über ihre Tochtergesellschaften GC Rieber Shipping und GC Rieber Minerals, mit finanzieller Unterstützung der norwegischen Regierung. ein vollelektrisches, batteriebetriebenes Kurzstreckenschiff in Auftrag zu geben. Dies soll zusammen mit Franzefoss Minerals, einem anderen norwegischen Unternehmen, geschehen. Die Initiative ist Teil der umfassenderen Bemühungen Norwegens um einen emissionsfreien Seeverkehr. „Dieses Projekt ist eine wichtige Voraussetzung für uns, um emissionsarme Transporte von Salzen und Mineralien zu ermöglichen“, erklärte Per Gunnar Syrdalen, Chief Commercial Officer bei GC Rieber Minerals.[11]
Soziales Engagement, Stiftungen
- Im Jahr 1916 gründete GC Rieber für seine Angestellten einen Pensionsfonds, vermutlich der erste private Pensionsfonds des Landes.[1]
- Emma Rieber und GC Rieber errichteten 1929 die erste der Firmenstiftungen, dem Jahr des 50. Firmenjubiläums. Wie es in der Satzung heißt, soll sie „zum Wohle Bergens beitragen“.[1]
- 1954 gründete die GC Rieber Stiftung „Helgeseter“, ein Heim für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Helgeseter war das erste seiner Art in Norwegen.[1]
- 1996 In Zusammenarbeit mit dem "Nansen Cente wird das GC Rieber Climate Institute gegründet.[1] Aufgabe ist die Erforschung klimatischer Prozesse, insbesondere in den sich schnell erwärmenden hohen Breitengraden (Arktis).[12] 2015 erhielt Christian Rieber (89), Vorsitzender der GC Rieber Stiftung, von der Universität Bergen den Christie-Preis für sein langjähriges Engagement in der Klima- und Gesundheitsforschung.[13]
- 2019 gründete die GC Rieber Stiftung „Helgetun“, eine kleine Gemeinschaft, die erste ihrer Art in Norwegen, die ein aktives Altern ermöglichen soll.[1]
- Im Jahr 2020 wurde das Projekt „The Ship“ abgeschlossen. „The Ship“ ist ein von GC Rieber Eiendom errichtetes Gebäude aus Massivholz, ein Ergebnis ihres Engagements in der Entwicklung nachhaltiger Gebäude und Gebiete.[1]
