GVB 260
von Lohner und Simmering-Graz-Pauker gebaute Straßenbahntype für die Straßenbahn Graz
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Die Serie GVB 260 (Grazer Verkehrsbetriebe Reihe 260) ist eine von Lohner und Simmering-Graz-Pauker gebaute Straßenbahntype für die Straßenbahn Graz. Es handelt sich hierbei um zweiteilige Gelenktriebwagen, die ab den 1960er Jahren im Grazer Straßenbahnnetz unterwegs waren und um 2013 ausgemustert wurden. Die Fahrzeuge sind ein Lizenzbau von DÜWAG-Gelenkwagen.[1][2]
| GVB 260 | |
|---|---|
Triebwagen 278 als Linie 3 am Dietrichsteinplatz. | |
| Nummerierung: | 261–283 |
| Anzahl: | 23 |
| Hersteller: | Lohner-Werke, Simmering-Graz-Pauker |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Länge: | 19,35 m |
| Breite: | 2,24 m |
| Leermasse: | 24,1 Tonnen |
| Höchstgeschwindigkeit: | 60 km/h |
| Stromübertragung: | Oberleitung |
| Sitzplätze: | 40 |
| Stehplätze: | 75 |
Geschichte
Anfang der 1960er Jahre stellten die Straßenbahnwagen der Reihe 200 das Rückgrat der Straßenbahn Graz dar. Da diese Garnituren, bestehend aus Triebwagen und Beiwagen, längst nicht mehr zeitgemäß waren und 1963 alle vor dem Ersten Weltkrieg beschafften Fahrzeuge auf behördlichem Auftrag abgestellt werden mussten, wurden 1961 bei Lohner und SGP neue Straßenbahnwagen in Auftrag gegeben.[3.1]
Ab 1963 wurden insgesamt 23 Triebwagen ausgeliefert, davon stammen die Wagen mit den Nummern 261–265 von Lohner aus Wien und die Wagen mit den Nummern 266–273 von Simmering-Graz-Pauker. Am 29. März 1963 wurden die ersten vier Fahrzeuge präsentiert und hatten ihren Ersteinsatz auf der Linie 4.[3.1][4][5] Von 1965 bis 1966 wurden weitere zehn Triebwagen von Simmering-Graz-Pauker ausgeliefert. Dadurch konnten eine Reihe von Altwagen abgestellt werden.[3.2]
Durch die Reihe 260 sind Einrichtungsfahrzeuge bei der Straßenbahn Graz etabliert worden, wodurch alle stumpfen Endstellen durch Wendeschleifen ersetzt werden mussten. Dies erforderte – da auch der Umbau von anderen Garnituren zu schaffnerlosen Züge diese praktisch zu Einrichtungsfahrzeugen machte – bei der Linie 6 1969 eine Streckenkürzung, da die Kuppelendstelle nicht mehr nutzbar war.[3.3]
Im September 1969 wurde mit dem Triebwagen 283 der erste Wagen der Reihe 260 schaffnerlos im Einmannbetrieb geführt. Bis 1975 wurde die gesamte Baureihe umgebaut.[3.3]
Umbau zur Reihe 580

Anfang der 1990er Jahre begann die Abstellung von 8-achsigen Gelenktriebwagen der Reihe 550, welche aus Wuppertal übernommenen wurden. Einer dieser Triebwagen, 552, verunfallte im November 1993, woraufhin in der eigenen Straßenbahn-Werkstätte dessen Mittelteil in den Wagen 273 eingebaut wurde.[3.4] Dabei wurden auch Motoren und Drehgestelle übernommen und mit einer neuen Steuerung (Mikroprozessorsteuerung) ausgestattet.[6] So konnte trotz der Ausmusterung der „Wuppertaler“ die benötigte Kapazität durch Verlängerung der 6-achsigen Triebwagen kurzfristig hergestellt werden. Drei weitere Triebwagen, 266, 270 und 276 – darunter zwei bei einem Frontalzusammenstoß verunfallte Triebwagen – folgten. Die Umbauten wurden 1997 bis 1998 in Betrieb genommen und im Fuhrpark als Reihe 580 mit den Betriebsnummern 581–584 aufgenommen.[7][8]

Schienenschleifwagen 262
Ab Herbst 1997 bis ins Frühjahr 1999 wurde Triebwagen 262 zum Arbeitswagen bzw. Schienenschleifwagen umgebaut und ab April 1999 eingesetzt.[3.5] Mit einem Schleifstein wurden die Schienen mit diesem Triebwagen geschliffen, bis im Juli 2013 das Fahrzeug am Remisengelände in der Steyrergasse durch eine Batterie Feuer fing. Die Schäden des Brandes waren zu hoch, weshalb das Fahrzeug nicht mehr eingesetzt werden konnte. Im Herbst 2018 wurde die Garnitur verschrottet.[9][10][11][12][13]
Ausmusterung
Mit Inbetriebnahme der ersten Cityrunner wurde angefangen, die Straßenbahnen der Reihe 260 schrittweise auszumustern.[14] Mit zunehmender Einflottung der Variobahn konnte gänzlich auf die Reihe 260 verzichtet werden. Am 5. Juli 2013, kurz nach 19 Uhr, beendete der letzte Plankurs mit einem Fahrzeug der Reihe 260 mit Triebwagen 279 die Ära dieser Straßenbahnfahrzeuge auf der Linie 4.[15]
Technik
Die Triebwagen der Serie 260 sind insgesamt ca. 19 m lang und wiegen leer ca. 24 t. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 60 km/h. Eine Garnitur, die aus zwei Wagenkästen bestand, bot 40 Sitzplätze sowie 75 Stehplätze.[16] Aufgrund der Tatzlagermotoren hatten die Fahrzeuge einen einzigartigen Fahrsound. Diese Motoren waren zu je 2 Stück in Drehgestell 1 und 3 untergebracht und jeder leistete 55 kW. Das mittlere Drehgestell war – wie bei allen DUEWAG-Gelenkwagen – ein Laufdrehgestell.[17]
Verbleib

Graz
Der einzige in Graz verbliebene Straßenbahnwagen der Reihe 260 ist Triebwagen 267. Dieser wurde am 5. Juli 2015 im Rahmen einer großen Feier an das Tramway Museum Graz übergeben.[18] Er wird regelmäßig für Sonderfahrten eingesetzt. In der Vorweihnachtszeit ist er außerdem mit Lichterketten geschmückt als „Adventbim“ durch die Grazer Innenstadt unterwegs.

Brăila
Im Jahr 2016 wurden einige abgestellte Straßenbahnfahrzeuge der Reihe 260 und 580 nach Brăila verkauft. Am Abend des 17. Mai 2016 wurden TW 263 und TW 268 nach einem kurzen Zwischenhalt bei der Firma Felbermayr in die Stadt in Rumänien transportiert. Es folgten die Triebwagen 265, 271, 278, 279 sowie 582, 583 und 584.[19][20] Die Garnituren verrichten in den darauffolgenden Jahren ihren Dienst bei der Straßenbahn Brăila. Stand August 2021 ist nur noch ein Triebwagen der Serie 260 im Einsatz, nämlich TW 268 mit den Triebwagen 582 und 583.[21]
Galerie
- Triebwagen 276 in der ersten Lackvariante mit „Zierspitz“ an der Front (1971).
- Versuchslackierung in blau-orange aus dem Jahr 1971
- Triebwagen 268 in der zweiten Lackvariante als Linie 3 beim Hauptbahnhof (1977).
- TW 284 mit Übergangslackierung (1990).
- TW 264 mit der finalen GVB-Lackierung (1999).
- Heckansicht
- Triebwagen 263 wurde 2016 (legal) mit einem Graffiti versehen.[22]
- Triebwagen 267 als Adventbim in der Steyrergasse.
