Gabriele Lorenzer
deutsche Fotografin und Kinderbuchautorin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Gabriele Lorenzer (* 23. Oktober 1937 in Leipzig; † 2017)[1] war eine deutsche Fotografin und Kinderbuchautorin.
Leben und Wirken
Gabriele Lorenzer, in Leipzig geboren und in Sachsen und im Schwarzwald aufgewachsen, wurde an der Lette-Schule in Berlin zur Fotografin ausgebildet.[2] Von 1960 bis 1961 arbeitete sie im Atelier von Josef Müller-Brockmann in Zürich und lernte die Schweizer Grafik kennen. In Zürich entstand 1960 auch ihre Fotoserie Warten, die Menschen im Wartesaal des Zürcher Hauptbahnhofs zeigt.[3] Nach ihrem Umzug und der Einrichtung eines Ateliers in Frankfurt am Main arbeitete Lorenzer zunächst für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Frankfurt und für das ZDF in Mainz.
Otto Maier Verlag
Ende der 1960er Jahre fotografierte Gabriele Lorenzer 36 Objekte aus der Natur (Tomate, Apfel, Banane, Birne, Orange, Schmetterling, Käfer etc.) auf knallbunten Untergründen – ein Zusammenspiel von Umwelt und Pop Art. 1968 bot sie dem Otto Maier Verlag (seit 1992 Ravensburger) ihre erste fotografische Arbeit für Kinder an, die 1969 als Junior Memory[4] erschien und wegen ihrer künstlerischen Qualität für Aufsehen und einen großen Verkaufserfolg sorgte.
Nach ihrem Erfolg mit dem Memory-Spiel für Kinder arbeitete Lorenzer in den Jahren 1970 bis 1985 als Fotografin und Buchautorin für den Otto-Maier-Verlag. In dieser Zeit entstanden weitere Spiele wie das Mengen-Domino, Kofferpacken, Weinen, Wüten, Lachen oder Junior Domino. Zwischen 1974 und 1985 entstanden für den Verlag auch die Fotobilderbücher für Kinder im Vorschulalter: Drei Äpfel und Eingepackt – ausgepackt (1974), ein Jahr später das Buch Emma sowie Das Efeu-Haus (1978), Etwas – Nichts (1980), Das Tuch von Mama (1983) und weitere zwei Jahre später Obst & Gemüse (1985). Mechthild Curtius schrieb 1974 über Lorenzers Fotobilderbücher: „(…) sie sind wortlose Literatur. Es ist ihr gelungen, was sie beabsichtigte: Mit Fotos Geschichten erzählen.“[5]
Öko-Test
Von 1985 bis 1992 engagierte sich Gabriele Lorenzer am Aufbau des Öko-Test-Magazins, für das Christof Gassner seinerzeit die gestalterische Verantwortung trug. Lorenzer inszenierte und fotografierte sieben Jahre lang zu jedem Test des Magazins ein Bild, das als Kontrast und Gegenwelt zu den trockenen Testergebnissen stehen sollte. Mit ihren inszenierten Stillleben schuf sie eine eigene, unverwechselbare Bildsprache. Ihre Fotografien wurden zu Erzählungen aus dem Alltag, zu Märchen und Grotesken, zu Geschichten von Erinnerungen und Träumen.[6]
Porträt- und Landschaftsaufnahmen
Neben dem genannten fotografischen Werk für den Otto Maier Verlag und das Öko-Test-Magazin schuf Gabriele Lorenzer Porträtaufnahmen – etwa von der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich – sowie Aufnahmen aus den Schweizer Alpen, aus Irland, aus dem peruanischen Urwald und aus der Gascogne.
In Südfrankreich, in ihrem Haus nahe Cézan, verbrachte Lorenzer zurückgezogen ihre letzten Lebensjahre.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Junior-Memory. Otto-Maier-Verlag, Ravensburg 1969
- Mit Günther Vogt: Kunst + Bau in Frankfurt am Main. Presse- und Informationsamt, Frankfurt am Main 1970
- Drei Äpfel. Otto Maier Verlag, Ravensburg 1972, ISBN 3-473-30230-9
- Eingepackt – ausgepackt. Otto Maier Verlag, Ravensburg 1974
- Emma. Otto Maier Verlag, Ravensburg 1975, ISBN 3-473-30128-0
- Dümpel. Bilder eines Katers. Hanser Verlag, München 1976, ISBN 978-3-446-12184-3
- Etwas – Nichts. Otto Maier Verlag, Ravensburg 1978
- Das Efeu-Haus. Otto Maier Verlag, Ravensburg 1978, ISBN 3-473-30400-X
- Das Tuch von Mama. Otto Maier Verlag, Ravensburg 1983, ISBN 3-473-30163-9
- Obst & Gemüse. Otto Maier Verlag, Ravensburg 1985, ISBN 3-473-30098-5
- In Kreisen zu denken. In: High Quality, Heft 19/1991, Zeitschrift über das Gestalten, das Drucken und das Gedruckte, ISSN 0177-2945, S. 12–17
- Menschen, Tiere, Phantasien. Umschau Braus Verlag, Heidelberg 1999, ISBN 3-8295-6825-8
Ausstellungen (Auswahl)
- 2023: Wortlose Literatur. Institut für Neue Technische Form (INTeF), Darmstadt[7]