Galette des Rois

Variante des Dreikönigskuchens From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Galette des Rois (frz. Aussprache: /ga.lɛt de ʁwa/) ist die unter anderem in Frankreich, Belgien und Luxemburg sowie dem Saarland verbreitete Variante des Dreikönigskuchens.[1]

Galette des Rois
Hausgemachte Galette des Rois

Eine Galette bezeichnet im Französischen einen runden und flachen Kuchen[2], ein roi (altfranzösisch roy, daher das Adjektiv royal) ist auf Deutsch ein König.[3]

Der Kuchen wird meist am 6. Januar, dem Dreikönigstag, zur Erinnerung an die Heiligen drei Könige serviert.[4]

Ursprung, Brauch

Die Geschichte der Galette des Rois geht auf zwei Ursprünge zurück: zunächst auf die römische Saturnwoche,[5] ein 7-tägiges Fest,[6] bei dem üblicherweise die Kinder mit Kuchen beschenkt wurden.[7] Der Termin fiel mit der Zeit der Lehnsabgaben zusammen, und der Kuchen erhielt daher den Namen „Königskuchen“.[8]

Der zweite Ursprung geht auf das Konkordat von 1801 zurück, in dem Napoleon Bonaparte die die römisch-katholische Kirche für das Volk anerkannte, nicht aber als Staatsreligion.[7] Kirchlich war das zu jener Zeit festgelegte Datum für das Epiphaniasfest (Erscheinungsfest, Heilige Drei Könige) der 6. Januar.[9] Das Epiphaniasfest gedenkt des Besuchs der „Heiligen Drei Könige“ Caspar, Melchior und Balthasar,[8] die gemäß dem Matthäus-Evangelium gekommen waren, um dem Jesuskind die Geschenke Myrrhe, Weihrauch und Gold zu bringen.[5] Ihren Weg zur Krippe in Betlehem fanden die Heiligen Drei Könige der Erzählung nach, indem sie dem Stern folgten, der ihnen den Weg wies.

Diesem Doppelursprung ist die heutige Tradition zu verdanken, eine Königstags-Galette untereinander zu teilen. Es ist Brauch, dazu in der Galette eine dicke Bohne (frz. fève) oder, wie seit einigen Jahrzehnten üblich, eine kleine (Porzellan-)Figur (frz. figurine) oder ein Geldstück einzubacken.[4] Wer in seinem Kuchenstück die Figur (die Bohne, das Geldstück) findet, wird mit einer Pappkrone gekrönt und ist König bzw. Königin für einen Tag.[4] Er darf sich seine Königin bzw. ihren König aussuchen, die bzw. der sich ebenfalls eine Krone aufsetzen darf.

Vorgehensweisen

In Familien

Das jüngste Kind oder die jüngste Person (Symbol für Unschuld) sitzt mit verbundenen Augen (Symbol für Unparteilichkeit) unter dem Esstisch im Beisein der Familie (Symbol für Gemeinschaft) und nennt den Namen der Person, die als nächstes ein Stück Kuchen erhält (Symbol für Gleichheit). So wird sichergestellt, dass der Erhalt der Figur und die damit verbundene Krönung für den Tag dem Zufall überlassen bleibt.[10]

Zudem feiern einige Familien so, dass sie alle rufen: „Le roi boit!“ („Der König trinkt!“), wenn der König sein Glas zum Mund führt.[11] Dieser Brauch wird vor allem in Familien mit kleinen Kindern und in Kindergärten gepflegt.

In einigen Familien legt man das „Armenstück“ oder das „Liebe-Gott-Stück“ beiseite, um es unvorhergesehenen Besuchern zu geben. Ursprünglich war es für an die Tür klopfende Bettler (Arme) gedacht.[4]

An der Arbeitsstelle

Der Tradition, mit dem Kuchen Galette des Rois am Arbeitsplatz zu feiern, stimmen über 90 % der Mitarbeiter zu (Stand: 2024). In mehr als drei von vier Betrieben wird tatsächlich gefeiert. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Entweder wird das Ereignis auf einen Tag gelegt oder Mitarbeiter bringen reihum den Kuchen (selbstgemacht oder gekauft) oder der König des Tages mit der Figur bringt den nächsten Kuchen. Dauer und Häufigkeit des Kuchenessens variiert von Firma zu Firma und kann sich bis in den März hinein ziehen.[12][13]

Sorten der Galette des Rois

Regionsabhängig gibt es grundsätzlich zwei Arten des Kuchens Galette des Rois: aus Blätterteig (galette feuilletée) oder aus Hefeteig (brioche).

Brioche

Im Süden Frankreichs wird der Königskuchen aus Brioche-Teig,[4] einem Hefeteig mit hohem Fettanteil, hergestellt, entweder als brioche nature, in Form eines großen Rades mit Zuckerstreuseln oder, besonders in der Provence, gefüllt mit kandierten Früchten.[4] Diese südfranzösische Variante, bekannt als couronne des rois („Königskranz“) oder gâteau des rois („Königskuchen“), hat große Ähnlichkeit mit der katalanischen Tortell des Reis und dem spanischen Roscón de Reyes.[5]

Galette feuilletée

Die Galette aus Blätterteig ist vor allem in der nördlichen Hälfte Frankreichs verbreitet. Die runde Form des flachen Kuchens symbolisiert die Sonne,[5] die goldene Farbe das Licht, der blättrige Teig das Buch der Weisheit und das Figürchen die Weisheit.[8]

Es gibt verschiedene Varianten, vor allem die „trockene“ Galette sèche, aus Blätterteig nur mit Zucker, und die Galette à la frangipane, aus Blätterteig mit der Mandelcreme frangipane (angeblich benannt im 16. Jahrhundert nach dem aus Rom stammenden Marchese Muzio Frangipani).[Anm. 1] Besonders für Allergiker (Mandelallergie) sind Galettes mit anderer Füllung immer häufiger erhältlich, z. B. mit Apfelmusfüllung.

Fève

Anstelle getrockneter Bohnen werden seit einigen Jahrzehnten die unterschiedlichsten Porzellanfigürchen in die Galette eingebacken. Die erste Porzellanfigur für einen derartigen Kuchen wurde im Jahr 1875 in Deutschland hergestellt.[14] Die Sammler solcher Figuren werden fabophiles genannt.[4] (Vgl. auch die französischsprachige Wikipedia unter Fabophilie.)

Verkaufszahlen

Ca. 60 Millionen des Kuchens werden (bei 64,8 Millionen Einwohnern, Stand: 2024[15]) jährlich im Handel verkauft, was 15 % des Jahresumsatzes bei Handwerksbäckern entspricht, die nicht die einzigen Hersteller sind.[14] Im Discounter (z. B. Carrefour, Stand: 2026) muss man pro Kuchen mit 3,50 bis 10 Euro rechnen.[16] Beim Handwerksbäcker (z. B. Pourdebon) geht die Preisspanne zum gleichen Zeitpunkt von 20 bis 45 Euro pro Kuchen.[17]

Trivia

Im Elysée-Palast schneidet der Präsident jährlich die Galette des Rois vor laufenden Kameras an. Der Kuchen misst um die 1,20 m (Durchmesser) und ist für ca. 150 Personen, erhält aber keine Figur, da ein Präsident auch nicht symbolisch zum König gekrönt werden darf.[4]

Commons: Galette des Rois – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Anmerkungen

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