Ganymed und der Adler
Marmorskulptur von Bertel Thorvaldsen
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Ganymed und der Adler oder Ganymed mit Jupiters Adler (Ganymedes med Jupiters ørn), auf Deutsch auch Ganymed, den Adler des Zeus tränkend genannt, ist eine Skulptur des dänischen Künstlers Bertel Thorvaldsen. Es gibt mehrere Exemplare; das berühmteste ist im Thorvaldsen-Museum in Kopenhagen ausgestellt. Weitere Marmorexemplare befinden sich im Museum der bildenden Künste in Leipzig[1], im Chrysler Museum of Art in Norfolk (Virginia) in den USA[2], in der Heim Gallery in London[3], in den Kennedy Galleries in New York[4], im Killruddery House in Bray in Irland[5], im Minneapolis Institute of Art in den USA[6] und in der Pinakothek Tosio-Martinengo in Brescia in Italien[7]. Das Thorvaldsen-Museum besitzt auch zwei Gipsexemplare. Sein Marmorexemplar wurde von 1815 an in Italien angefertigt[8], 1833 auf der dänischen Korvette Galathea von Livorno nach Kopenhagen gebracht und nach dem Tod des Künstlers 1844 dem Museum überlassen.
| Ganymed und der Adler |
|---|
| Bertel Thorvaldsen, etwa 1817 |
| Skulptur aus Marmor, 99,3 cm × 118,3 cm |
| Thorvaldsen-Museum; Kopenhagen |
Ikonographie
In der griechischen Mythologie war Ganymed ein trojanischer Prinz, der der schönste aller Sterblichen war. Zeus, dem in der römischen Mythologie Jupiter entspricht, verliebte sich in ihn und entführte ihn mit Hilfe eines Adlers, der manchmal als Zeus selbst identifiziert wurde, in den Olymp. Ganymed lebte dann in ewiger Jugend als Mundschenk der Götter.
Der Kunsthistoriker Fritz Baumgart schreibt[9], dass sich die Skulptur durch „schaurige Schönheit“ auszeichne und in ihrer Formperfektion unübertroffen sei. Ganymed kniet mit seiner glatten Haut und seinem vertrauensvollen Blick vor dem Adler, dessen Gefieder sorgfältig ausgearbeitet ist. Thorvaldsen hat für diese Skulptur weder das Motiv der gewaltsamen Entführung des Jungen noch die des gutaussehenden Jünglings als Mundschenk gewählt. Stattdessen wird dargestellt, wie im Adler die Macht des Göttervaters und die Wildheit des Raubtiers vereint sind, die wiederum von Schönheit und Liebe besiegt werden. In der Kunst wird die Beziehung von Zeus und Ganymed üblicherweise als erotisch dargestellt.
„Mit seiner Plastik gab Thorvaldsen der Legende ewiger Jugend und Schönheit in der maßvollen Formung und der klaren Umrissgestaltung der Figuren sowie in der meisterhaften Materialbehandlung vollendeten Ausdruck.“
Geschichte
Thorvaldsen war ein Vertreter des Klassizismus und wurde von seinen Zeitgenossen als bedeutendster Bildhauer neben Antonio Canova angesehen. Er hielt sich von 1797 bis 1838 in Rom auf, wo er eine zentrale Figur für die skandinavischen und die deutschen Künstler[11] war, die in einem stetigen Strom als Bildungsreisende anreisten, um die antike römische Kultur zu studieren.
Thorvaldsen schuf insgesamt fünf verschiedene Skulpturen und zwei Reliefs von Ganymed[8]. Die erste Marmorversion von Ganymed und der Adler wurde von dem britischen Adligen George Leveson-Gower, 1. Duke of Sutherland, in Auftrag gegeben, der im Frühjahr 1817 Rom besuchte. Während seines Aufenthalts in Rom ließ er von Thorvaldsen auch eine Büste von sich selbst anfertigen. Sein Auftrag für Ganymed und der Adler erfolgte vermutlich auf der Basis einer Skizze, entweder in Form einer Zeichnung oder eines kleinen oder möglicherweise 1:1-Modells aus Ton oder Gips. Die Skulptur selbst wurde erst 1829 vollendet. Ein Schreiben vom 4. Januar 1830 bestätigt, dass die Skulptur sicher in London angekommen ist[8]. 1966 wurde Leveson-Gowers Version dem Minneapolis Institute of Art von der Morse Foundation präsentiert.
Die Geschichte der anderen Versionen der Skulptur ist weniger gut dokumentiert. Laut Thorvaldsen hat er 1824 auch eine zweite Version produziert[8]. Diese Skulptur könnte identisch mit einer Marmorversion sein, die 1833 an Bord der Korvette Galathea nach Kopenhagen geschickt wurde. Eine weitere Version der Skulptur, möglicherweise das ursprüngliche Gipsmodell, befand sich ebenfalls an Bord des Schiffes. Nach Thorvaldsens Tod wurden diese Skulpturen in die Sammlung des Thorvaldsen-Museums aufgenommen. Eine weitere Marmorversion gehörte Mitte des 19. Jahrhunderts der Bankiersfamilie Hottinguer in Paris[8].
Thorvaldsen stellte Ganymed in zwei weiteren Skulpturen als Mundschenk dar: in der Skulptur Ganymedes skænker i skålen (dänisch), (Ganymed füllt die Schale) (1816)[12] und in der Skulptur Ganymedes rækker skålen (dänisch), (Ganymed reicht die Schale) (Gipsversion um 1805[13], Marmorversion 1820er Jahre[14]). Beide sind im Thorvaldsen-Museum ausgestellt.
Bildergalerie
- Marmorskulptur, 1864 als Schenkung in den Besitz des Museums der bildenden Künste in Leipzig gelangt[11]
- Die Skulptur Ganymed füllt die Schale aus dem Jahr 1816. Thorvaldsen-Museum.
- Die Skulptur Ganymed reicht die Schale aus den 1820er Jahren. Thorvaldsen-Museum.