Wikiwand AI

Gartengeißblatt

Art der Gattung Heckenkirschen (Lonicera) From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Gartengeißblatt (Lonicera caprifolium), auch Geißblatt, Echtes Geißblatt, Wohlriechendes Geißblatt oder Jelängerjelieber genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae).

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Gartengeißblatt

Früchte

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Gattung: Heckenkirschen (Lonicera)
Art: Gartengeißblatt
Wissenschaftlicher Name
Lonicera caprifolium
L.
Schließen

Beschreibung

Illustration aus dem Jahr 1885
Blüten

Vegetative Merkmale

Das Gartengeißblatt ist eine rechtswindende, sommergrüne, verholzende Kletterpflanze (Liane), die Wuchshöhen von 2 Metern erreichen kann. Findet sie eine Kletterhilfe wie kleine Bäume, Sträucher, Pfeiler, Tore, Zäune usw., so kann sie Höhen von 6 bis zu 10 Metern und eine Breite von bis zu 3 Metern erreichen. Die hohlen Zweige besitzen eine anfangs abstehend behaarte, später verkahlende, weißlich bereifte Rinde.

Von den gegenständig angeordneten Laubblättern weisen die oberen keinen Stiel auf und sind paarweise am Zweig zusammengewachsen. Die grünen, einfachen Blattspreiten sind bei einer Länge von 4 bis 8, selten bis zu 10 Zentimetern eiförmig bis verkehrt-eiförmig.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Jeder Blütenkopf kann bis zu zwölf Blüten enthalten. Die Hochblätter sind paarweise verwachsen. Die zwittrigen, fünfzähligen, trompetenförmigen Blüten sind gelblich bis weiß und oft rötlich überlaufen.

Nach dem Aufplatzen der länglichen roten Röhren werden die fünf cremigweißen Staubgefäße und der Griffel freigegeben. Der Pollen ist gelb.

Ab dem Spätsommer erscheinen die bei Reife rötlichen, etwa erbsengroßen, schwach giftigen Beeren.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[1]

Ökologie

Die kurzlebigen, nektarreichen Gartengeißblattblüten verströmen von Mai bis Juli in den Abendstunden einen starken, wohlriechenden Geruch und locken damit Nachtfalter und Schwärmer an. Am Folgetag erschlafft die gerade erst geöffnete Blüte wieder. Die Früchte bleiben dagegen lange hängen und werden von Drosselartigen verzehrt und verbreitet.

Vorkommen

Ursprünglich kommt Lonicera caprifolium in Norwegen, Schweden, Polen, Spanien, Italien, Österreich, Ungarn, Tschechien, im früheren Jugoslawien, Rumänien sowie Albanien vor.[2] Auch in Vorderasien in der Türkei und im Kaukasusraum hat das Gartengeißblatt ursprüngliche Vorkommen.[3]

Dagegen ist das Gartengeißblatt in fast allen weiteren Teilen Europas, im Kaukasusraum und in Kleinasien sowie in den südamerikanischen Anden ein Neophyt. Auch ist das Gartengeißblatt eine beliebte Zierpflanze in Parks und Gärten. Man findet das Gartengeißblatt in Mitteleuropa wild oder verwildert in lichten Wäldern, Hecken oder auf Heideböden vor. Es gedeiht am besten auf kalkhaltigen Böden. Der Wurzelbereich benötigt schattige, kühle und feuchte Standorte, um vor Austrocknung geschützt zu sein. Das Gartengeißblatt blüht nur an genügend hellen (sonnigen oder halbschattigen) Standorten. Es ist eine Charakterart des Verbands Berberidion, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Ordnung Quercetalia pubescentis vor.[1] Oben: Die ökologischen Zeigerwerte sind:[4] Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (Subozeanisch bis subkontinental).[5]

Giftige oder pharmazeutische Inhaltsstoffe

Verwendung

Einige anspruchslose Züchtungen des Gartengeißblatts können durch Kopfstecklinge vermehrt werden. Gelegentlich kommt es zur Einschnürung und Überwallung und es entstehen gewendelte Holzstöcke.

Frühere Medizin

Die getrockneten Blüten des Gartengeißblatts hatten den Ruf, schweiß- und harntreibend zu wirken, werden aber längst nicht mehr genutzt, da eine Überdosierung Vergiftungssymptome wie Erbrechen hervorruft.[6] In der früheren keltischen und chinesischen Kräuterheilkunde wurde auch ein Absud aus Gartengeißblattblüten gegen „Leberbeschwerden“ und Atemwegsinfektionen eingesetzt.

Sprachliche Herkunft, Trivialnamen und volkstümliche Namen

Der Alternativname „Wohlriechendes Geißblatt“ weist auf den intensiven, angenehmen Blütenduft des Gartengeißblatts hin, die alternative Bezeichnung „Jelängerjelieber“ wohl auf die langen windenden Sprossachsen, oder aber auf die lange Blütezeit bis hin zum Oktober, falls Wärme und Wassermenge optimal sind.

Für das Gartengeißblatt, kurz auch nur Geißblatt oder botanisch, wegen der Gattungstaxonomie, auch caprifolium – womit auch andere, zur Gattung der Heckenkirschen gehörende Arten einbezogen werden,[7] bestanden zuhauf auch weitere deutschsprachige Trivialnamen: Bärentappe (Elsaß bei Mülhausen), Geisblatt, Geis(s)hasle[8] (Schweiz), Gilgenkonfort, Je-länger-je-besser (Aachen), Je-länger-je-lieber (Bremen, Henneberg), Nachtengalla (Coburg), Nachtsfaden (Siebenbürgen), Specklelgen (Siebenbürgen), Waldmeister und groß Winden.[9]

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks