Gefängnistagebuch

Tagebuch, das während des Aufenthaltes in einem Gefängnis entsteht From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Gefängnistagebuch (auch Gefangenentagebuch) ist ein Tagebuch, das während des Aufenthaltes in einem Gefängnis entstanden ist. Es liefert Aufschlüsse über die Insassen und die Bedingungen, unter denen sie inhaftiert sind. Autoren können neben den Gefangenen selbst auch Aufseher sein, die über die Gefangenen schreiben.[1] Gefängnistagebücher zählen im weiteren Sinne zur Gefangenenliteratur bzw. Gefängnisliteratur.

Geschichte

Berühmte literarische Werke sind das Gefängnistagebuch von Luise Rinser mit heimlich in der Zelle eines nationalsozialistischen Frauengefängnisses gemachten Aufzeichnungen oder das Gefängnistagebuch von Hồ Chí Minh, das auf Chinesisch verfasste Gedichte enthält, die er während seiner Gefangenschaft im China unter Chiang Kai-shek verfasst hat.[2]

In einer Besprechung der Aufzeichnungen aus dem Gefängnis von Can Dündar werden Gefängnistagebücher als ein Literaturgenre definiert, „auf das man gerne verzichten könnte - wenngleich sie meist Dinge in unvergleichlicher Schärfe und Klarsichtigkeit verhandeln. Traurig, dass dieses Genre weiter Zuwachs erfährt.“[3]

Aus dem Polizeigewahrsam in Istanbul schreibt Deniz Yücel im Februar 2017: »Dieser Ort […] hat keine Erinnerung. Alle, die ich hier kennengelernt habe – kurdische Aktivisten, Makler, Katasterbeamte, festgenommene Richter und Polizisten, Gangster – alle haben mir gesagt: ›Du musst das aufschreiben, Deniz Abi.‹ Ich habe gesagt: ›Logisch, mach ich. Ist schließlich mein Job. Wir sind ja nicht zum Spaß hier.‹«[4][5]

Die Zeit der Gefangenschaft wurde auf vielfältige Weise literarisch verarbeitet. Zu deren Zeugnissen zählen unter anderem Nelson Mandelas Briefe von der Gefängnisinsel Robben Island mit ihrer poetischen Kraft und Schönheit, Alexander Solschenizyns Archipel Gulag, der ein vernichtendes Zeugnis über Stalins Zwangsarbeitslager ausstellt, und Jeffrey Archers Gefängnistagebücher (A Prison Diary), die einen emotionalen Einblick in die harte, seelenzerstörende Existenz der Männer im Belmarsh-Gefängnis geben.[6]

Der Unternehmer und Oligarch Michail Chodorkowski veröffentlichte 2014 Meine Mitgefangenen (russisch Тюремные люди) über die russische Justiz.[7]

Auswahl von Gefängnistagebüchern

Die Auswahl ist alphabetisch nach Autoren bzw. Herausgebern sortiert.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

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