Geilinger AG
Schweizer Unternehmen mit Sitz in Winterthur
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Die Geilinger AG ist ein Schweizer Unternehmen mit Sitz in Winterthur. Das im Jahr 1845 gegründete Unternehmen ist im Metall- und Fassadenbau tätig. 1982 erarbeiteten 860 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Umsatz von gegen 220 Millionen Franken.[1.1]
| Geilinger AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1845 |
| Sitz | Winterthur |
| Leitung | Alessandro Chidichimo und Patrick Ramsperger (Co-Geschäftsführung) |
| Mitarbeiterzahl | 126 (2024) |
| Branche | Metall- und Fassadenbau |
| Website | geilinger.ch |
Geschichte
Gründung 1845, bis etwa 1910 Gewerbebetrieb
Im Spätsommer/Herbst 1845 gründete Abraham Geilinger (1820–1880) nach seiner Lehre bei Schlossermeister Forrer in Winterthur und Wanderjahren eine Schlosserei im Haus seines Vaters im Königstor an der heutigen Technikumstrasse mitten in der Stadt Winterthur.[1.2] Das neue Unternehmen stellte handwerklich geschmiedete Gitter, Portale und Geländer her, aber auch damals schon technisch hochstehende Erzeugnisse wie Waagen gehörten zum Sortiment. Spätestens ab 1872 kamen auch Blitzableiter dazu.
1875 trat Gottlieb Geilinger (1853–1927) in das Geschäft seines Vaters ein. 1876 mechanisierte er den Betrieb und erweiterte ab etwa 1885 die Palette mit Gaskochherden, deren Fertigung um 1910 endete. Ab 1910 kamen Zugscheibenanlagen für Schiessstände und Telefonmasten für das aufkommende Telefonnetz dazu. Der Bezug von neuen Räumlichkeiten 1891 an der Ecke Technikum-/Lagerhausstrasse schaffte ideale Bedingungen für den Betrieb einer Stahlbau-Werkstatt. Die Produktion verlagerte sich auf Türen, Tore und Fenster für die Industrie und Schaufensteranlagen. Der Betrieb, der nach wie vor ein reiner Handwerksbetrieb war, wurde in der Folge mehrmals vergrössert. Um 1910 wurden etwa 20 Arbeitskräfte beschäftigt.[1.3]
Ab 1910: Entwicklung zum Industriebetrieb
Um 1910 erkannte der 1909 ins Geschäft eingetretene Enkel des Gründers, Eduard Geilinger (1875–1955), die Zeichen der Zeit und leitete die Industrialisierung des Betriebes ein. Gleichzeitig wurde eine Kollektivgesellschaft unter dem Namen Geilinger & Co. gegründet. Das Hauptgewicht der betrieblichen Tätigkeit verschob sich allmählich auf neue innovative Produkte wie Industrietore, Metall-Türzargen, Stahlfenster und Schulwandtafeln, die zunehmend günstig im Werk in Serien vorfabriziert wurden. Das Unternehmen entwickelte sich gleichzeitig zu einem Pionier im Stahlskelettbau.
Bedingt durch die steigende Nachfrage entstand 1928 am heute noch bestehenden Standort eine neue Produktionsstätte an der Werkstrasse in Winterthur-Grüze. Der Handwerksbetrieb an der Lagerhausstrasse wurde in die neuen Hallen verlegt. Der Betrieb zählte inzwischen rund 100 Mitarbeiter.[1.4]
Die Stahlfenster wurden weiterentwickelt; das Unternehmen gelangte mit Industriefenstern zur führenden Stellung in der Schweiz. Ebenso wurde die Weiterentwicklung von Toren und Türen vorangetrieben. Immer grössere Tore, u. a. für Eingänge zu Maschinenhäusern von Kraftwerken und für Flughafen-Werfthallen, wurden gebaut. 1950 gingen die ersten Aluminium-Fenster in Produktion. Ab 1949 gelang der Einstieg bei den NOK für den Bau von Masten für Starkstromleitungen.
Ab 1946 bzw. 1948 führten Werner (1913–2009) und Peter Geilinger (1918–2000) die Unternehmung. Zusammen mit ihrem Vater Eduard brachten sie das Unternehmen in eine führende Position im ingenieurmässigen Stahlhoch- und Metallbau.[2] 1965 beschäftigte die Firma 330 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 20 Millionen Franken erzielten. Das Werk in Winterthur-Grüze war «ausgewachsen». Ein neues Werk sollte weiteres Wachstum ermöglichen. Als Partner für das Unternehmen konnte man die Firma Rieter gewinnen.[1.5]
Der Stahlbau und der neue, stetig an Bedeutung gewinnende Aluminium-Fenster- und Fassadenbau wurden kontinuierlich ausgebaut. Führende Produkte wie der Geilinger Shed, Brandschutzstützen und später erste Holzmetall-Fenstersysteme wurden entwickelt. 1963 brachte Geilinger ihr Flachdeckensystem mit Stahlpilzen auf den Markt. Als «Pilz» bezeichnet man eine Stahlstütze mit einer oben angeschweissten horizontalen Erweiterung, die die Auflagefläche der Decke vergrössert und die Gefahr des Durchstanzens der Decke vermindert.
Mit dem Wirtschaftsboom wuchs das Unternehmen stark. Neue Produktionsstätten kamen 1968 in Bülach (Übernahme der Schweisswerk Bülach AG), 1971 in Elgg für normierte Bauelemente und 1975 in Yvonand mit einem zweiten Stahlbauwerk hinzu. 1969 stiess Ulrich Geilinger (1922–2016) als Teilhaber dazu und übernahm die Führung des neu erworbenen Werks in Bülach.[1.1] 1982 erarbeiteten 860 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Umsatz von gegen 220 Millionen Franken.[1.1] Dafür verantwortlich war unter anderem eine Exportoffensive, bei der zwischen 1977 und 1985 zahlreiche Generalbauprojekte im Mittleren Osten und Afrika realisiert wurden.
In diese Zeit fiel auch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, die ab 1979 unter dem Namen Geilinger AG, Ingenieur- und Metallbauunternehmung, auftrat.
Ab 1980: Wandel, Strukturbrüche und Weiterentwicklung
Die 1980er- und 1990er-Jahre waren für die Geilinger AG von tiefgreifenden Umbrüchen geprägt. Nach dem Scheitern mit Beteiligungen an Stahlbauunternehmen in Nigeria und Ägypten zog sich Geilinger ab 1982 aus dem Auslandsgeschäft zurück. Der Umsatz ging 1983 auf 160 Millionen Franken zurück, die Jahresrechnung schloss mit Verlust ab.[1.6] Der Einbruch der Baukonjunktur und eine Immobilienkrise führten dazu, dass die Firma zunehmend in Schieflage geriet. Geilinger beschäftigte 1985 noch 730 Personen.[1.6] In der grossen Baurezession Anfang der 1990er-Jahre sah sich die Firmenleitung gezwungen, die Betriebe zu redimensionieren. 1991 wurde das Werk Bülach aufgehoben und die Stahlbauproduktion in das ausgebaute Werk in Yvonand verlegt.
Trotz den getroffenen Massnahmen musste das Unternehmen, das 1990 mit 880 Mitarbeitern den bisher höchsten Umsatz von 372 Millionen Franken erzielt hatte,[1.7] im Jahr 1995 einen Verlust von rund 40 Millionen Franken hinnehmen. Ende 1995 wurde das Werk in Elgg geschlossen. Im Sommer 1996 musste Geilinger in eine Nachlassstundung gehen. Nach intensiven Verhandlungen mit den Banken konnten die beiden Geschäftsbereiche «Stahlbau» sowie «Tür- und Fenstersysteme» in selbstständige Tochtergesellschaften überführt und so der Verlust von rund 320 Arbeitsplätzen verhindert werden. Der Bereich Zargenherstellung wurde im Mai 1998 verkauft.[2] Das Unternehmen fokussierte sich auf den Metall- und Fassadenbau. Bis 2005 war jedoch der Umsatz auf 28 Millionen Franken und der Personalbestand auf 80 Leute geschrumpft. Das Fassadengeschäft umfasste etwa 80 Prozent des Umsatzes. 2024 kaufte die Geilinger AG den Geschäftsbereich Fassade von der Ernst Schweizer AG und erweiterte damit ihr Kerngeschäft der Fassadenprojekte.[3]
Bedeutende Projekte (Auswahl)
Im Laufe ihrer Firmengeschichte hat die Geilinger AG an einer Vielzahl bedeutender Bauprojekte mitgewirkt. Dazu zählen sowohl infrastrukturelle Grossprojekte wie Brücken und Verkehrsbauten als auch prestigeträchtige Hochhaus- und Fassadenprojekte in der Schweiz und im Ausland.
- 1916: Kunstmuseum und Stadtbibliothek Winterthur in konsequenter Skelettbauweise
- 1939: Bau der Schwebebahntürme und der Festspielhalle für die Schweizerische Landesausstellung
- 1970: Tor für die Werfthalle für Boeing 747 (Jumbo-Jet) auf dem Flughafen Zürich-Kloten (148 Meter Breite, 22,4 Meter Höhe, Gewicht 480 Tonnen)
- 1978: Stadttheater Winterthur
- 1984: Bürogebäude «Tour Balexert» in Genf mit HIT-Fassade (HIT = Hoch-Isolations-Technik für Fenster)
- 1998: Überdachung/Parkdecks über den Gleisen des Bahnhofs Winterthur
- 2004 bis 2007: Aufstockung des Sulzer-Hochhauses «Wintower» in Winterthur
- 2014: Fassade Superblock Winterthur[4]
- 2016 bis 2021: Leichtbaufassade Neubau Kantonsspital Winterthur[5]
- 2018 bis 2021: Fassade Giessenturm in Dübendorf
Standorte und Mitarbeiter
Der Hauptsitz der Geilinger AG befindet sich in Winterthur. In Hedingen besteht seit der Übernahme des Fassadenbereichs der Ernst Schweizer AG im Jahr 2024 eine Niederlassung. Das Unternehmen beschäftigte 2025 etwa 125 Mitarbeitende (inkl. Auszubildende).
Literatur
- René Mosbacher: Geilinger Winterthur drei Generationen Geilinger. In: pioniere Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. 1. Auflage. Band 64. Verein für wirtschaftshistorische Studien, Meilen 1997, ISBN 3-909059-12-0.
- René Mosbacher: Von der Kleinschlosserei zum Industriebetrieb. In: Winterthur Jahrbuch 1996. Verlagsgemeinschaft Winterthur, Winterthur 1995, S. 162 ff.