Gemeinschaft vom Lamm

Vereinigung von Gläubigen der römisch-katholisch Kirche From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Gemeinschaft vom Lamm ist ein Ordensinstitut diözesanen Rechts in der römisch-katholischen Kirche. Zur Gemeinschaft vom Lamm gehören die Kleinen Schwestern vom Lamm und die Kleinen Brüder vom Lamm. Das Ordensinstitut gehört spirituell zur Ordensfamilie der Dominikaner.

Kleine Schwestern vom Lamm in Wien

Geschichte

Nach einer ersten Gründung in der Diözese von Chartres, wurden die Kleinen Schwestern vom Lamm am 6. Februar 1983 durch den Bischof von Perpignan-Elne Jean Chabbert OFM kirchenrechtlich als Vereinigung von Gläubigen in Frankreich anerkannt.[1] Der Ordensmeister der Dominikaner Vincent de Couesnongle beschreibt die Gemeinschaft im 1983 als solche zur Familie des heiligen Dominikus gehörend[2]. Der männliche Zweig der Gemeinschaft vom Lamm, die Kleinen Brüder vom Lamm, wurden am 8. August 1990 kirchenrechtlich bestätigt. Seit Juni 1996 ist die Gemeinschaft in der Erzdiözese Wien anerkannt, wo sich auch ihr Hauptsitz befindet. Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn OP, war der verantwortliche Bischof.[3][4] Seit Jänner 2026 ist Erzbischof Josef Grünwidl sein Nachfolger.

Heute gibt es etwa 160 Schwestern und 30 Ordensmänner, von denen einige Priester (Diözesanpriester) sind. Die Gemeinschaft ist in acht Ländern vertreten.[5] Zeitweise gab es Niederlassungen in Kevelaer und Münster.[6][4] In Wien bewohnen die Schwestern das Kleine Kloster Maria, Licht der Kirche. Ferner gibt es in Wien eine Fraternität der Kleinen Brüder vom Lamm.[7] In Wien wirken sie seit 1996.[8]

Der Gemeinschaftsort der Gemeinschaft befindet sich in Frankreich, an einem Ort, der "St. Pierre" heißt. Es handelt sich dabei um ein größeres Gelände in der Nähe von Fanjeaux, wo der heilige Dominikus wirkte.[9]

Die Begleitung durch Papst Franziskus

Da die Gemeinschaft seit 1990 in Argentinien, genauer gesagt in Laferrere, einem sozial benachteiligten Viertel am Rande von Buenos Aires, präsent ist, lud Papst Franziskus, damals Weihbischof der Hauptstadt, die Kleinen Brüder und Schwestern 1994 ein[10][11], ebenfalls eine Gemeinschaft in seiner Diözese zu gründen. So entstand ein enges freundschaftliches Band[12][13], und er förderte 2002 sogar den Bau eines kleinen Klosters in Buenos Aires[14]. Am 15. März 2013, zwei Tage nach seiner Wahl zum Papst, versammelte er die in Rom anwesenden Brüder und Schwestern des Lammes und begleitet sie seither weiterhin[14].

Spiritualität

Die Ordensgemeinschaft ist sowohl von der franziskanischen als auch von der dominikanischen Spiritualität geprägt. Daher fühlen sich die Mitglieder einer radikalen Armut und der Glaubensverkündigung verpflichtet. Das Motto der Gemeinschaft lautet: „Selbst wenn ich verletzt werde, höre ich nicht auf zu lieben.“[15]

Mission

Die Schwestern und Brüder geben an ihren Niederlassungen Zeugnis durch ihre Anwesenheit, ihr Zuhören und indem sie Tischgemeinschaft mit Armen halten, etwa, indem sie in Suppenküchen für Obdachlose essen. Die Ordensmitglieder gehen zudem täglich einige Stunden auf Mission, bei der sie an Wohnungstüren um ein Stück Brot bitten. Sie sind, dem biblischen Vorbild gemäß,[16] immer mindestens zu zweit auf dem Weg.

Habit

Die Mitglieder tragen einen mittelblauen Habit mit Ledergürtel und langem (15 Gesätze umfassenden) Rosenkranz und blauem Skapulier. Die Schwestern tragen einen dunkelblauen Schleier. Die Schwestern und Brüder tragen bis zur feierlichen Profess ein Holzkreuz um den Hals, danach eine hölzerne Medaille mit einer Darstellung des Lamms Gottes.[4]

Standorte

Die Gemeinschaft ist in 8 Ländern vertreten.[17]

  • Frankreich: Saint-Pierre, Toulouse, Lourdes, Marseille, Lyon, Bethune
  • Spanien: Barcelona, La Costa, Valenzia, Navalon, Madrid, Granada
  • Österreich: Wien
  • Polen: Choron, Łódź
  • Italien: Rom
  • USA: Kansas City
  • Chile: Santiago
  • Argentinien: Buonos Aires, Laferre

Kritik aus Frankreich

Die Gemeinschaft vom Lamm wurde in Frankreich in der Zeitschrift Golias kritisiert.[Anm 1] Golias veröffentlichte 2010 einen Artikel, in dem ein ehemaliges Mitglied von autoritären Strukturen und möglichen Machtmissbräuchen innerhalb der Gemeinschaft berichtet.[18]

Der französische Opferhilfeverein AVREF dokumentiert seit 2010 Hinweise ehemaliger Mitglieder auf Warnsignale für sektenähnliche Tendenzen und berichtet von Fällen spirituellen und psychologischen Drucks.[19] Laut AVREF wurde der Fall zudem an das Tribunal pénal canonique national (Nationales kirchenrechtliches Strafgericht) herangetragen.[20]

Die Gemeinschaft veröffentlichte 2025 auf ihrer offiziellen Website eine Antwort, in dem sie zu den Vorwürfen Stellung nimmt, Falsches richtig stellt, Ungenaues präzisiert, ihre kirchliche Anerkennung betont und erklärt, dass es den Vorwürfen von AVREF an historischer und rechtlicher Sorgfalt fehlt.[21]

Commons: Gemeinschaft vom Lamm – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

Anmerkungen

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