Genauigkeitsklasse eines Wiegesystems

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Die Genauigkeitsklasse eines Wiegesystems bezeichnet die maximal zu erwartende Abweichung des Messwertes eines Wiegesystems vom tatsächlichen Gewicht des gewogenen Objektes, soweit die Abweichung durch das Wiegesystem selbst bedingt ist. Analog zu den für andere Messgeräte definierten Genauigkeitsklassen sollen so Waagen in Klassen von Geräten, die gewisse messtechnische Mindestanforderungen erfüllen, eingeteilt werden, insbesondere um dem Eichgesetz zu genügen.

Genauigkeitsklassen von nicht-selbsttätigen Waagen

Zu den nicht-selbsttätigen Waagen gehören z. B. Waagen in Supermärkten, Fahrzeugwaagen oder auch Plattformwaagen, für die gemäß der Richtlinie 2014/31/EU ein Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt wird. Demnach sind Hersteller, die über ein anerkanntes Qualitätsmanagement-System verfügen und entsprechend zertifiziert sind, dazu berechtigt, ohne das Eichamt die Waage für gesetzlich geregelte Anwendungen in Verkehr zu bringen.

Die Genauigkeit von nicht-selbsttätigen Waagen[1] wird europaweit in Genauigkeitsklassen I bis IIII eingeteilt. Die Grundlage hierfür bildet die relative Auflösung, der Quotient aus Höchstlast Max und dem der Waage entsprechenden Eichwert e.

Weitere Informationen Eichwert e, Anzahl der Eichwerte n=Max/e ...
Genauigkeitsklasse[2] Eichwert e Anzahl der Eichwerte
n=Max/e
Mindestlast Min
(untere Grenze)
Minimum Maximum
Feinwaage I 0,001 g ≤ e50.000100 e
Präzisionswaage II 0,001 g ≤ e ≤ 0,05 g
000,1 g ≤ e
00.100
05.000
100.000
100.000
020 e
050 e
Handelswaage III 000,1 g ≤ e ≤ 2 g
,0005 g ≤ e
00.100
00.500
010.000
010.000
020 e
020 e
Grobwaage IIII,0005 g ≤ e00.100001.000010 e
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Im industriellen Umfeld kommt der Klasse III die größte Bedeutung zu. Grobwaagen der Klasse IIII sind dagegen nur zum Verwiegen von preiswerten Gütern, wie z. B. Sand und Kies zugelassen. Höherwertige Güter, wie Getreide, werden ausschließlich über Handelswaagen abrechnungsrelevant verwogen. Oftmals erfolgt die Verwiegung gesamter LKW-Züge auf Fahrzeugwaagen. Beispielhaft für die Genauigkeit von Handelswaagen wird im Folgenden die Fehlerkurve einer handelsüblichen Fahrzeugwaage dargestellt, wobei der erlaubte Verkehrsfehler das Doppelte der Fehlergrenzen bei der Eichung betragen darf.

Eichfehlergrenzkurve Genauigkeitsklasse, Anmerkung: d entspricht Eichwert e

Genauigkeitsklassen von selbsttätigen Waagen

Im Bereich der selbsttätigen Waagen, in den z. B. Schütt- oder Durchlaufwaagen sowie eichfähige Bandwaagen fallen, gilt die MID-Richtlinie MID 2014/32/EU.[3]

Auch hier können sich Hersteller zertifizieren lassen und durch ein Konformitätsbewertungsverfahren Waagen in Verkehr bringen. Dieses Verfahren hat die frühere Ersteichung abgelöst und spart den Einsatz von Eichbeamten. Die regulären Eichungen nach drei bzw. zwei Jahren durchzuführen obliegen jedoch weiterhin der Eichbehörden der Länder.

Die Genauigkeitsklassen bei selbsttätigen Waagen werden gemäß Anhang MI-006 der Richtlinie 2004/22/EG[4] definiert. Für automatische Schüttwaagen, die häufig für Annahme- und Verladeverwiegungen in Silos eingesetzt werden, existiert eine Klasseneinteilung nach prozentualen Fehlergrenzen.[5]

Weitere Informationen Fehlergrenze der totalisierenden Last ...
Genauigkeitsklasse[6] Fehlergrenze der totalisierenden Last
0,2±0,10 %
0,5±0,25 %
1±0,50 %
2±1,00 %
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Für die Verwiegung bei Annahme und Verladung von freifließenden Schüttgütern wird die Genauigkeitsklasse 0,5 bevorzugt. Bei einer Verladung von 20 t kommt es so beispielhaft bei einem Fehler von max. ±0,25 % zu Toleranzen von ±50 kg. In der Praxis bewegen sich die Genauigkeiten der bisher genannten Wiegesysteme zumeist jedoch unter der maximalen Neueichfehlergrenze, so dass dieser Neueichfehler als die maximal zu tolerierende Abweichung im geschäftlichen Verkehr akzeptiert wird. Bei anderen Wiegesystemen, wie z. B. eichfähigen Bandwaagen, die zwar geeicht werden können, aber einer höheren Genauigkeitsklasse unterliegen, sind die Toleranzen jedoch deutlich höher. Zwar werden auch hier die offiziellen Verkehrsfehlergrenzen eingehalten, die Akzeptanz im Geschäftsverkehr ist häufig jedoch nicht gegeben. Somit scheiden die preislich günstigeren Wiegesysteme oftmals aufgrund der zu hohen Toleranzen im Handel mit hochwertigen Gütern aus.

Wiegesysteme in der Praxis

Im praktischen Gebrauch von Wiegesystemen richtet sich die tatsächlich erzielte Genauigkeit oft nach den örtlichen Gegebenheiten, da diese externen Faktoren erheblich variieren können. Jedoch existieren praktische Erfahrungswerte über die Systemgenauigkeit verschiedener Wiegesysteme. Einen Überblick über die praktische Systemgenauigkeit von unterschiedlichen Waagen inklusive der vorgeschriebenen Eichintervalle gibt folgende Tabelle.

Weitere Informationen Wiegesystem, Eichintervall ...
Beispiele und deren erzielte Genauigkeiten[7]
WiegesystemEichintervallca. Systemgenauigkeit
(+/- in %)
Bemerkungen
Fahrzeugwaage3 Jahre0,2Annahme & Verladung
Gleiswaage3 Jahre0,2Annahme & Verladung
Schüttwaage2 Jahre0,25Annahme & Verladung
Silovenrwiegung3 Jahre0,2Verladung
Siloverwiegung mit Messaugenicht eichfähig3,0Verladung (Überladekontrolle)
geeichte Bandwaage2 Jahre0,5 bis 1,0Annahme & Verladung
ungeeichte Bandwaagenicht eichfähig0,5 bis 2,0interne Kontrolle
Achslastwaagenicht eichfähig1,0interne Kontrolle
Radladerwaageeichfähig nach Klasse III1,0Grobwaage für preiswerte Güter
Waagen in Maschinen, z. B. Probenautomat2 Jahre0,1Automatische, eichfähige Besatzermittlung
Dosierende Behälterwaagenicht eichfähig
eichfähig
2 Jahre
0,1 bis 0,5Dosiersysteme grds. abhängig von
Dosierorganen mit sachgerechter Ausstattung
Dosierbandwaagenicht eichfähig0,5
Differentialdosierbandwaagennicht eichfähig0,5
Durchflussmessgeräte
GCoroliswaage2 Jahre0,5Verladung & Kontrollverwiegung
Prallplattenicht eichfähig3,0interne Kontrolle
Schneckenwaagenicht eichfähig3,0Durchflussmessung in der Schnecke
Klappwaagenicht eichfähig3,0interne Kontrolle
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Einzelnachweise

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