Gendoping
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die Welt-Antidoping-Agentur definiert Gendoping als „den nicht-therapeutischen Gebrauch von Zellen, Genen, genetischen Elementen oder die Beeinflussung der Genexpression mit der Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit zu steigern.“ Der letzte Punkt dieser Definition verschwimmt allerdings mit der klassischen Pharmakologie, da auch seit längerem bekannte Arzneistoffe wie anabole Steroidhormone die Genexpression leistungssteigernd beeinflussen. Streng molekularbiologisch versteht man unter Gendoping das Einschleusen von DNA- oder RNA-Molekülen in den menschlichen Organismus.

Bei der rechten Maus wurde das für Myostatin codierende Mstn-Gen abgeschaltet. Myostatin hemmt das Muskelwachstum. Durch das fehlende Myostatin ist die Muskelmasse der transgenen rechten Maus um den Faktor vier höher als bei dem Wildtyp (links)

Methoden
Es gibt zwei verschiedene Arten von Gendoping. Beide funktionieren nach unterschiedlichen Prinzipien, haben jedoch dieselbe Zielsetzung. Hierbei wird meist von sogenanntem Gendoping im engeren Sinn gesprochen, welches den Missbrauch gentherapeutischer Maßnahmen beschreibt. Diese bestehen aus dem konkreten Zuführen von genetischem Material, zum Beispiel DNA oder RNA. Es gibt jedoch auch Gendoping im weiteren Sinn, welches auf die Manipulation der Genexpression mittels Medikamenten zielt. Damit zählt auch die bloße Regulierung dieser Genexpression als Gendoping, unabhängig vom verwendeten Verfahren.
Gendoping im weiteren Sinn
Das Ziel von Gendoping i. w. S. ist, die Genexpression zu verändern. Dies geschieht durch das Einnehmen von Substanzen. Die Wirkstoffe verändern die Genexpression durch Hemmung oder Aktivierung der Transkription. Die Definition des Gendopings i. w. S. ist nicht unumstritten, da beispielsweise auch altbekannte Dopingmittel wie Steroidhormone genau dadurch wirken.
Gendoping i. w. S. hat ein wesentlich größeres Missbrauchspotenzial als Gendoping i. e. S., da die Technologie in diesem Bereich schon viel weiter vorangeschritten ist. Außerdem sind auch die Risiken wesentlich geringer und die Anwendung ist merklich einfacher, zudem ist die Wirkung lediglich temporär.
Gendoping im engeren Sinn
Gendoping i. e. S. bezeichnet die gezielte Manipulation der DNA von außen. Dabei findet ein Gentransfer mittels Genfähren, meist Retroviren, statt. In ihnen befindet sich eine veränderte Version des zu verändernden Gens. Sie werden in die Zellen eingebracht, um dort das Gen zu ersetzen, welches ursprünglich vorhanden war resp. ein zusätzliches Gen hinzuzufügen. Die Methode des Gendopings i. e. S. wird vor allem in denjenigen Bereichen angewandt, wo Gendoping i. w. S. nicht wirkungsvoll genug oder praktikabel wäre. Das Ziel der Manipulation ist es, das Genom des Patienten langfristig zu verändern; diese Veränderung ist normalerweise irreversibel. Das bedeutet für den Patienten, dass er sich keinen allfälligen Operationen oder sonstigen Behandlungen mehr unterziehen muss; die Wirkung ist praktisch unbegrenzt. Allerdings ist dies gleichzeitig ein Nachteil der Genmanipulation: Falls ein Problem oder unerwünschter Effekt auftritt, ist es nicht möglich, einfach den Wirkstoff abzusetzen, da er vom eigenen Körper produziert wird. Die Missbrauchsmöglichkeiten von Gendoping i. e. S. sind bis jetzt noch nicht sehr groß, da es zurzeit noch sehr große Probleme bei Einbau und Steuerung der übertragenen Gene gibt, d. h. ein Gen zu einem bestimmten Zeitpunkt ein- oder auszuschalten und die Menge des zu synthetisierenden Wirkstoffs zu dosieren. Des Weiteren sind die Auswirkungen einer langfristigen Veränderung der DNA noch unbekannt und stellen ein sehr großes Risiko für den Anwender dar.
Bekannte Dopingfälle
Im Rahmen der durch die Operation Aderlass ausgelösten Ermittlungen werfen die österreichischen Behörden dem Skilangläufer Alexei Poltaranin vor, Repoxygen verwendet zu haben und klassifizierten dies als Gendoping.[1]
Nachweisbarkeit von Gendoping
Gendoping im weiteren Sinne zu belegen ist über den Nachweis der dem Körper zugeführten Fremdsubstanz, welche die Transkription verändert, prinzipiell möglich und oftmals auch sehr einfach realisierbar.[2] Gendoping im engeren Sinne zu belegen ist anhand des Nachweises der von außen eingebrachten transgenen DNA in konventionellen Blutproben über einen längeren Zeitraum prinzipiell möglich.[3]
Siehe auch
Literatur
- Wolfgang Hartmann (Red.): Gendoping. Die Dopingbekämpfung rüstet sich. Sport & Buch Strauß, Köln 2003, ISBN 3-89001-385-6 (bisp.de).
- Katrin Gerlinger, Thomas Petermann, Arnold Sauter: Gendoping Wissenschaftliche Grundlagen-Einfallstore-Kontrolle. edition sigma, Berlin 2008, ISBN 978-3-8360-8128-3.
- Swen Körner, Julia Maria Erber-Schropp (Hrsg.): Gendoping. Herausforderung für Sport und Gesellschaft. Springer Spektrum, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-12449-6.