Geneviève Dulude-De Celles
kanadische Drehbuchautorin, Schriftstellerin und Filmregisseurin
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Geneviève Dulude-De Celles (* 1986)[1][2] ist eine kanadische Filmproduzentin, Filmregisseurin und Drehbuchautorin aus Sorel-Tracy.

Biografie
Geneviève Dulude-De Celles verbrachte ihre Jugend in Saint-Aimé (Québec) und Sorel-Tracy, bevor sie nach Montreal zog. Dort studierte sie Film an der Université du Québec à Montréal und Fotografie an der Concordia University. Sie spezialisierte sich im Masterstudiengang auf Regie. Sie verbrachte im Alter von 21 Jahren sechs Monate in Osteuropa und arbeitete dort mit einem Rumänen zusammen, der kurz vor der Auswanderung nach Kanada stand.[3] In dieser Zeit habe sie erstmals verstanden, wie widersprüchlich Migration empfunden werden könne, und die Region habe sie wegen ihrer überall sichtbaren Geschichte nachhaltig geprägt.[3] Sie nahm sich damals vor, dorthin zurückzukehren und einen Film zu drehen.[3] Später hörte sie in Kanada die Geschichte des aus Uruguay ausgewanderten Vaters eines engen Freundes, der seit mehr als vier Jahrzehnten nicht mehr zurückgekehrt war.[3] Aus der Frage, was eine erzwungene Rückreise für ihn bedeuten würde, entstand schließlich die Grundidee zu Nina Roza.[3]
Dulude-De Celles ging 2011 für die Fernsehsendung La course évasion autour du monde ‚Die Flucht um die Welt‘ auf Reisen. Die Sendung ermöglichte es zehn jungen Filmschaffenden, in je neun Ländern Filmreportagen zu erstellen.[2][4] Geneviève Dulude-De Celles war mit Sarah Mannering und Fanny Drew Gründerin der Produktionsfirma Colonelle Films.[5][6]
Sie begann ihre Karriere mit dem Kurzfilm La Coupe / The Cut, der beim Sundance Film Festival 2014 als bester internationaler Kurzfilm (Best International Short Film Award) ausgezeichnet wurde. Der 15-minütige Film wurde mit einem jungen Team, darunter einem zehnjährigen Mädchen, in einer einzigen Einstellung gedreht. Er erhielt weitere Auszeichnungen und Nominierungen für internationale Festivals.[1]
Anschließend veröffentlichte sie den Dokumentarfilm Bienvenue à F.L., der in der Rubrik Talents auf der Berlinale 2016 lief.[7] Der Film basiert auf Interviews mit der Schülerschaft des Fernand-Lefebvre-Gymnasiums in Sorel-Tracy, an dem die Regisseurin selbst zur Schule ging.[1] Er feierte beim Toronto International Film Festival 2015 Premiere. Für den Film wurde Dulude-De Celles beim Montreal International Documentary Festival als beste Nachwuchsfilmerin mit dem Best New Talent Award ausgezeichnet.[8][9]
Une Colonie von 2018 handelt von Heranwachsenden auf ihrer Suche nach einem Ort, an dem sie sie selbst sein können. Er gewann den Gläsernen Bären in der Sektion Kplus für den besten Spielfilm auf der Berlinale 2019 und wurde bei den Canadian Screen Awards als bester Film ausgezeichnet. Les Jours (2023) handelt von der 28-jährigen Dozentin Marie-Philip, die Katzen und Harry Potter liebt. Sie erfährt, dass sie Brustkrebs hat und wird ein Jahr lang von der Kamera begleitet.[10]
Der Spielfilm Nina Roza wurde für den Wettbewerb um den Goldenen Bären der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2026 nominiert.[7] Der Film erzählt vom Kunstexperten Mihail, der zur Überprüfung der Authentizität der Gemälde der achtjährigen Nina von Kanada nach Bulgarien reist, und dabei mit Erinnerungen an seine eigene Migrationsgeschichte konfrontiert wird.[3] Als Anstoß für die Figur diente Dulude-De Celles ein virales Video des australischen Malwunderkindes Aelita Andre, auf das sie selbst gestoßen war.[3] Einige Dialogzeilen wurden unmittelbar von Andres Äußerungen inspiriert.[3] Der Film thematisiert die Selbstbestimmung, etwa wer über Auswanderung oder den Verkauf von Ninas Kunst entscheiden dürfe.[3] Im Film widersetzt sich Nina der öffentlichen Aufmerksamkeit und will weder auswandern noch ihre Bilder verkaufen, während ihre Eltern darin eine Chance für sie sehen.[3] Für die titelgebende Rolle suchte Dulude-De Celles gezielt in Bulgarien nach einer Darstellerin und entschied sich nach einem offenen Casting für die Schwestern Sofia und Ekaterina Stanina.[3] Die Doppelbesetzung erlaubte die Darstellung unterschiedlicher Facetten der Figur, da Sofia eher die verletzlichen und Ekaterina die impulsiveren Szenen spielte.[3] Die Mädchen wurden zu Hause unterrichtet, was sich auch in deren eigenwilliger Präsenz vor der Kamera zeigte.[3] Um Mihails innere Reise und Erinnerungen visuell greifbar zu machen, studierte das Team ältere Filme, unter anderem von Andrei Tarkowski.[3]
Die Protagonistinnen und Protagonisten ihre Filme suchen ihren Platz zwischen verschiedenen Welten oder Lebensabschnitten, wie der Kindheit und Jugend, der Jugend und dem Erwachsenenalter.[7]
Filmografie (Auswahl)
- 2010: Chers amis (kurzer Essay-Film) – Regie
- 2014: The Cut (La Coupe) (kurzer Spielfilm) – Regie, Drehbuch
- 2014: Fucké (Dokumentarfilm) – Produktion
- 2014: Sarah Bourdon: Figure de style (Video) – Regie
- 2015: Sarah Bourdon: Îles Paradis (Video) – Regie
- 2015: Le gars d'la shop (kurzer Spielfilm) – Produktion
- 2015: Star (kurzer Spielfilm) – Produktion
- 2015: A Love Story (kurzer Animationsfilm) – Produktion
- 2015: Welcome to F.L. (Bienvenue à F.L.) (Dokumentarfilm) – Regie & Konzept
- 2016: Beyond Blue Waves (Flots gris) (kurzer Spielfilm) – Produktion
- 2016: Drabes (Miniserie) – Produktion
- 2016: Larguer les amarres (Kurzfilm) – Produktion
- 2017: The Catch (kurzer Spielfilm) – Produktion
- 2017: L'autre Rio (Kino-Dokumentarfilm) – Produktion
- 2017: Snowbirds (mittellanger Dokumentarfilm) – Produktion
- 2017: Minoritaires (Dokumentarfilm) – Produktion
- 2018: A Colony (Une Colonie) (Kino-Spielfilm) – Regie & Drehbuch
- 2018: Fuck you Éric (kurzer Spielfilm) – Regie
- 2021: La vie heureuse (kurzer Dokumentarfilm) – Produktion
- 2023: Les Jours (Kino-Dokumentarfilm) – Regie & Konzept
- 2026: Nina Roza (Kino-Spielfilm) – Regie, Drehbuch