Georg-Forster-Station
ehemalige deutsche Forschungsstation in der Antarktis
From Wikipedia, the free encyclopedia


Die Georg-Forster-Station war die erste deutsche Antarktisstation. Sie wurde am 21. April 1976 von der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Betrieb genommen. Die ganzjährig besetzte Station war zunächst ein Annexbau der in der Nähe gelegenen sowjetischen Nowolasarewskaja-Station in der Schirmacher-Oase in Neuschwabenland.[1] Durch ihre offizielle Erklärung zur eigenständigen Antarktisforschungsstation „Georg-Forster“ – benannt nach Georg Forster, dem deutschen Reisebegleiter James Cooks – am 25. Oktober 1987 erfüllte die DDR eine zentrale Voraussetzung für den Erwerb des Konsultativstatus im Rahmen des Antarktis-Vertragssystems.[2]
Geschichte und Aufgaben
Zunächst wurde in der Station hauptsächlich die Hochatmosphäre erforscht. Ab 1985 lag der Schwerpunkt der Forschungsarbeit auf der Untersuchung des Ozonlochs. Am 22. Mai 1985 wurde erstmals eine ballongetragene Ozonsonde gestartet. In der Folge wurden nahezu wöchentliche Sondierungen durchgeführt, mit denen die vertikale Ausdehnung des antarktischen Ozonlochs über der Schirmacher-Oase hochaufgelöst erfasst wurde. Die an der Georg-Forster-Station begonnene Ozonmessreihe wurde 1992 an der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts fortgesetzt.[3][4][5] Die im Rahmen des Messprogramms gewonnenen 426 Ozonsondenprofile wurden in aufbereiteter Form als Datensatz publiziert und über das Repositorium PANGAEA öffentlich zugänglich gemacht.[6]
Die Arbeit der Station wurde im Februar 1993 eingestellt. Der letzte „Überwinterer“ der Station war 1991/92 Günter Stoof.[7] Von 1993 bis 1996 wurde die Station in drei Schritten abgebaut und das Gebiet von Müll und Schrott befreit. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten deutsch-russischen Entsorgungsprojekts wurden dabei 1.016 Tonnen Altmaterial aus der Schirmacher-Oase abtransportiert. Das Vorhaben galt seinerzeit als eines der umfangreichsten Entsorgungsprojekte in der Antarktis.[8][9]
Beschreibung
Die Station bestand aus zehn Arbeits- und Wohncontainern, einer Dieselgeneratorstation mit je zwei Aggregaten zu 45 kVA und 38 kVA, der Funkstation Y3ZA mit einem 1-kW-Kurzwellensender vom Typ RFT KSG1300 und einer geomagnetischen Registrierstation. In der Basis konnten in der Sommersaison bis zu 15 Wissenschaftler und Techniker Platz finden. Die Station diente als logistische Basis für geo-, kryo- und atmosphärenphysikalische Untersuchungen im zentralen Königin-Maud-Land und war zugleich Voraussetzung dafür, dass die DDR im Rahmen des Antarktisvertrags Konsultativstatus erlangte und damit aktiv an der Entwicklung des internationalen Antarktisregimes mitwirken konnte.[2] Sie gilt als erste vollständig aus vorgefertigten Containern aufgebaute deutsche Polarstation und diente als Vorbild für spätere modulare Antarktisstationen.[10][11]
Gedenken
Seit 1998 erinnert eine von ostdeutschen Expeditionsteilnehmern initiierte Bronzetafel am ehemaligen Standort an die Station. Sie steht seit 2013 als Denkmal HSM-87 unter dem Schutz des Antarktis-Vertragssystems.[12]
Die DDR-Postverwaltung gab 1988 eine Sonderbriefmarke mit der Abbildung der Station heraus und die dortigen Wissenschaftler führten einen Sonderstempel. Zum 50. Jahrestag der Inbetriebnahme erschien 2026 zudem eine deutsche Sonderbriefmarke „50 Jahre Georg-Forster-Station“ des Bundesfinanzministeriums.[13]
Galerie
- Die sogenannte teslabar stand etwas abseits der übrigen Container und diente Magnetfeldmessungen.
- Der Forscher Steffen Wagner in der teslabar
- An der Station hatten die Forscher Wegweiser aufgestellt, die in ihren jeweiligen Heimatort zeigten.
- Zu Transportzwecken kamen rot umlackierte Schützenpanzerwagen zum Einsatz.
Literatur
- G. König-Langlo, H. Gernandt: Compilation of ozonesonde profiles from the Antarctic Georg-Forster-Station from 1985 to 1992. In: Earth System Science Data. Band 1, Nr. 1, 12. Januar 2009, ISSN 1866-3516, S. 1–5, doi:10.5194/essd-1-1-2009 (copernicus.org [abgerufen am 30. April 2026]).
- Gert Lange (Hrsg.): Bewährung in Antarktika. Antarktisforschung der DDR. F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1982
- Gert Lange: Sonne, Sturm und weiße Finsternis. Die Chronik der ostdeutschen Antarktisforschung. (= Schriften des Deutschen Schifffahrtsmuseums, Band 43) Ernst Kabel Verlag Hamburg 1996, ISBN 3-8225-0334-7
Weblinks
- G. König-Langlo, H. Gernandt: 426 ozonesonde profiles from Georg-Forster-Station. Alfred Wegener Institute, Bremerhaven 2008 doi:10.1594/PANGAEA.547983
- Hans-Jürgen Paech: Die DDR-Antarktisforschung – eine Retrospektive. (pdf; 1,6 MB) In: Polarforschung. 60, 1992, S. 197–218.
- Margarete Pauls: Vor 25 Jahren: Eröffnung der ersten deutschen Antarktisstation. Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, 20. April 2001.
- Rückbau Georg Forster Station. In: PolarJournal antarktis.ch. 1. Januar 2000.
- Marc von Lüpke: Wiedervereinigung in der Antarktis: „Wir sind hier erst mal kaltgestellt“. In: spiegel.de. 3. Oktober 2015 (Mauerfall, Wiedervereinigung und alles während der dritten Expedition).
- Anna Schmidt: Antarktis – Wende im Eis. (mp3-Audio; 27 MB; 29:35 Minuten) In: MDR-Kultur-Sendung „Feature & Essay“. 2020 (Mauerfall, Wiedervereinigung und alles während der dritten Expedition).