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Georg III. von Waldburg

deutscher Heerführer From Wikipedia, the free encyclopedia

Georg III. Truchseß und Freiherr von Waldburg (* 25. Januar 1488 in Waldsee; † 29. Mai 1531 in Stuttgart) war ein auch als Bauernjörg bekannter deutscher Heerführer und der bekannteste Vertreter des Hauses Waldburg im 16. Jahrhundert, das im Heiligen Römischen Reich ab 1525 das Erbtruchsessenamt innehatte und es als Bestandteil ihres Namens führte.

Portrait des Truchsessen Georg III. von Waldburg, besser bekannt als „Bauernjörg“
Kolorierter Holzschnitt von Hans Burgkmair d. Ä.
Statue Georgs im Rittersaal von Schloss Wolfegg

Leben

Georg III. war der Sohn von Johann II. von Waldburg zu Zeil und Wolfegg († 19. Oktober 1511) und Helena von Hohenzollern. Teile seiner insgesamt umfassenden Ausbildung erhielt er am Hofe seines Onkels, des Bischofs Friedrich II. von Augsburg.[1] Schon 1504 nahm Georg als Kämpfer am bayerischen Erbfolgekrieg teil.[2] Im Jahre 1508 zog er im Gefolge des Kaisers nach Italien.[3] Als sein Vater 1511 starb, trat er die Herrschaft in den Waldburg-Territorien Waldsee, Wolfegg und Zeil an. Der Antritt der Herrschaft war überschattet durch Proteste der Stadt Waldsee. Es gab Streit um Rechtsfragen, wie weit die Herrschaft in kommunale Belange eingreifen durfte.[1]

Seit 1510 diente Georg III. von Waldburg Herzog Ulrich von Württemberg und half ihm 1514 bei der Niederschlagung des Armen Konrad.[1] Im Zuge der Mordaffäre des Herzogs von Württemberg an Hans von Hutten wurde Georg III. 1515 von Herzog Wilhelm IV. von Bayern abgeworben. 1516 kämpfte er für Bayern an der Seite Kaiser Maximilians in Oberitalien gegen Frankreich und die lombardischen Städte.[4] 1517 begleitete er Herzog Wilhelm IV. von Bayern zu Kaiser Maximilian in die Niederlande. Von dort aus unternahm er auf dem Seeweg eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela.[5]

In den Folgejahren führte er als Feldhauptmann mehrere Aufträge für den Schwäbischen Bund aus. 1519 vertrieb er in dessen Auftrag als Obristhauptmann seinen ehemaligen Dienstherrn Herzog Ulrich aus Württemberg. Im Sommer 1523 unterwarf er als oberster Feldhauptmann opponierende fränkische Ritter und ließ deren Adelssitze niederbrennen.[1]

Bauernjörg

Als Bauernjörg wurde Georg III. vor allem durch seine Rolle im Bauernkrieg bekannt und gefürchtet wegen seines grausamen und erbarmungslosen Durchgreifens gegen die aufständischen Bauern.

Als im Jahre 1524 in Deutschland der Bauernkrieg begann, war der Großteil der kaiserlichen Truppen in den italienischen Kriegen gebunden. Nur unter großen Anstrengungen gelang es Georg III. von Waldburg, 4.000 Landsknechte zu rekrutieren und diese, entgegen ihren Überzeugungen und unter zahlreichen Desertionen, gegen die Bauern zu führen. Solange er keine Chance auf einen militärischen Sieg sah, schloss er Verträge mit den Bauern (z. B. Vertrag von Weingarten), die ihnen zwar leichte Verbesserungen brachten, an ihrer grundlegenden Situation aber nichts änderten und die Stellung der Herrschenden festigten.

Erst als nach dem Sieg in der Schlacht bei Pavia massenweise arbeitslose Kriegsveteranen nach Süddeutschland zurückkehrten, strömten genügend Landsknechte Waldburgs Werbern zu. Unter seiner Führung wurde nun ein Bauernhaufen nach dem anderen zerschlagen. Georg III. von Waldburg führte in Folge der Weinsberger Bluttat einen gnadenlosen Feldzug,[6] dem mehr als 20.000 Menschen zum Opfer gefallen sind.[7] Einen Wendepunkt zugunsten des Schwäbischen Bunds bedeutete die Schlacht bei Böblingen am 12. Mai 1525. Den versprengten Bauern zog Georg III. hinterher, überfiel sie in ihren Dörfern, ließ sie foltern, verstümmeln und hinrichten. Unter den auf seine Weisung hingerichteten Rädelsführern befand sich der im Mai 1525 bei lebendigem Leib verbrannte Jäcklein Rohrbach. Georg III. hat damit wesentlich zur Niederlage der Bauern und ihrer Führer wie Anton Eisenhut, Florian Geyer und Wendel Hipler beigetragen. Als Lohn für den Sieg über die Bauern wandelte Kaiser Karl V. die bisherige Pfandherrschaft Zeil in ein erbliches Reichslehen um.[8]

1525 übernahm Georg III. die Statthalterschaft im Herzogtum Württemberg, die sein Vetter Wilhelm der Ältere seit 1521 dauerhaft innegehabt hatte, jedoch aufgrund eines Schlaganfalles hatte abgeben müssen.

Georg III. und Wilhelm d. Ä. wurden beide von Kaiser Karl V. am 27. Juli 1526 in Toledo zum Reichserbtruchsess ernannt.[9]

Gegen das Vordringen der Osmanen zog Georg III. 1526 im Ersten Österreichischen Türkenkrieg und 1529 bei der Ersten Wiener Türkenbelagerung zur Front Richtung Ungarn, lehnte jedoch eine führende Rolle in diesen Kampfhandlungen ab.

Auf den Reichstagen 1526, 1529 und 1530 war Georg III. Sprecher für Erzherzog Ferdinand und Kaiser Karl V.[10] Bei diesen Reichstagen ging es um entscheidende Weichenstellungen für die Reformation. Dabei setzte sich Georg III. vehement für den Erhalt des Katholizismus ein.

1529/30 gewann Georg III. auch vorübergehend die Landvogtei Schwaben für das Haus Waldburg.[8]

Im April 1530 unterdrückte Georg III. einen blutigen Aufstand der Täufer in Waldsee und ließ 12 der Rädelsführer durch den Rat der Stadt aburteilen und hinrichten.[11]

Georg III. litt gegen Ende seines Lebens an einem längeren Krankheitsverlauf, wahrscheinlich ausgelöst durch die Syphilis.[1] Die Quellen berichten davon, dass er schon Monate vor seinem Tod nicht mehr reisefähig war und auch auf Einladung des Kaisers nicht mehr erschien. Er starb am 29. Mai 1531 in Stuttgart. Sein Grab befindet sich in der Familiengruft in der Stiftskirche St. Peter (Bad Waldsee).

Trivia

Der Truchseß von Waldburg-Zeil ist eine der Hauptfiguren in Wilhelm Hauffs Roman Lichtenstein.

In Martin Walsers Roman Seelenarbeit sinniert die Hauptfigur aus dem bäuerlichen Milieu über den Bauernjörg als Bauernmörder und dessen Belohnungen „für die Tötung von 100.000 Bauern“ und kommt zum Schluss: „Verbrechen lohnt sich.“ Er nimmt sich deshalb vor, im Gedenken an die „Weingartener Pleite“ am kommenden Ostermontag in der Weingartener Bauernjörgstraße am Straßenschild eine Schweinsblase aufzuhängen mit der Schrift „Den Opfern der Waldburger Blutsau.“[12]

Im Mai 2025 wurde in Böblingen ein von Peter Lenk errichtetes Denkmal enthüllt, das zum 500. Jahrestag des Bauernkriegs auch auf die Gräueltaten des Bauernjörgs hinweist. Auf der Spitze des Denkmals namens Gesichter des Bauernkriegs ist eine Figur des Bauernjörgs angebracht, der auf einem Wagen angefüllt mit Totenschädeln steht und Geldsäcke in Händen hält.[13]

Familie

Georg III. von Waldburg heiratete 1509 Apollonia, Tochter des Grafen Johann von Sonnenberg. Apollonia verstarb im Jahre 1512. Danach ehelichte er 1513 Maria, die Tochter des Grafen Joachim von Oettingen.

Aus der zweiten Ehe gingen fünf Söhne und drei Töchter hervor, wobei zwei Kinder früh verstarben:[14]

  • Helena (* 12. Oktober 1514; † 3. April 1567) ⚭ 1528 Georg I., Graf von Hohenlohe-Waldenburg
  • Jakob (* 1514; † 13. Oktober 1536)
  • Ludwig (* 1517; † kurz nach der Taufe)
  • Ulrich (* 10. Januar 1519; † 4. Mai 1544)
  • Catharina (* 2. Februar 1522; † nach 1575 ?) ⚭ Konrad IV., Graf von Tübingen-Lichteneck
  • Dorothea (* 2. Februar 1522; † früh)
  • Georg IV., Freiherr von Waldburg (* 1523; † um 1556/57) ⚭ 6. November 1543 Johanna (* 29. Mai 1525; † 30. Oktober 1569), Tochter des Ulrich von Rappoltstein
  • Heinrich (* 1527; † 24. September 1562); ⚭ 1550 Katharina (* 1530; † 27. April 1582), Tochter des Kaspar von Frundsberg

Literatur

Anmerkungen und Einzelnachweise

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