Georg Ludwig Leuchsner

Jurist und Geheimer Regierungsrat From Wikipedia, the free encyclopedia

Georg Ludwig Leuchsner (auch Leuchssner, Leuxner; fälschlicherweise Leuckner; Pseudonyme Luceius, Xenuleius, Chsenulerus; * 24. Februar 1578 in Markt Bibart; † 16. Juni 1632 in Windsheim) war ein Jurist und Geheimer Regierungsrat im Dienst des Markgrafen Christian von Brandenburg-Bayreuth. Er gehörte zuvor in Altdorf und Nürnberg dem unitarischen Kreis um den Mediziner Ernst Soner an.

Leben

Schule und Universität

Georg Ludwig Leuchsner wurde am 24. Februar 1578 im würzburgischen Markt Bibart geboren, das seit 1554 an den kaiserlichen Rat Georg Ludwig von Hohenkottenheim zu Seinsheim verpfändet war. Die Familie gehörte zur lokalen Oberschicht, was es wahrscheinlich macht, dass der junge Georg Ludwig den Rat als Namenspaten erhielt. Die Familie Leuchsner stellte bereits seit zwei Generationen den örtlichen Amtskeller. Der Vater Johann der Ältere trat um 1578 in die Fußstapfen des Großvaters Martin Leuchßner. Zehn Jahre später musste er Markt Bibart zusammen mit seiner Familie verlassen, da die Zwangsmaßnahmen gegenüber religiösen Abweichlern vonseiten des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn zunahmen.[1]

Johann Leuchsner ließ sich im wenige Kilometer entfernten Neustadt an der Aisch nieder, wo er Kastenamtmann im Dienste des Markgrafen Georg Friedrich I. wurde. Die Wahl des Wohnortes hing auch mit der Herkunft Georg Ludwigs Mutter, Barbara Weickersreuther, als Tochter des Neustädter Amtmannes zusammen. Es ist davon auszugehen, dass die Familie lutherischen Glaubens war. Zusammen mit seinem älteren Bruder Johann (der Jüngere) besuchte Georg Ludwig ab 1588 die Lateinschule im Neustädter Archidiakonat. Später wechselten beide an das „Gymnasium illustre“ in Lauingen an der Donau. Am 1. Dezember 1595 schrieb sich Georg Ludwig Leuchsner in die Matrikel der Universität Altdorf ein.[2]

Im Jahr 1598 wechselte Leuchsner an die katholische Universität Ingolstadt, wo er erstmals als Student der Rechtswissenschaften fassbar gemacht werden kann. Um 1600 nahm er einige Semester an der Universität Orléans wahr. Obwohl Georg Ludwig Leuchsner ab 1602 als Jurist nachgewiesen werden kann, kehrte er im gleichen Jahr an die Universität zurück. In Basel vollendete er seine Promotion mit einer Schrift über das Handelsrecht, die 1624 als Sammelwerk publiziert wurde. Im Oktober 1602 kann er als Delegierter auf einer unitarischen Synode im polnischen Raków nachgewiesen werden.[3]

Sozinianist und Geheimer Rat

Es ist unklar, wann Georg Ludwig Leuchsner sich mit den Ideen des Antisozinianismus identifizierte. Eventuell war er bereits in seiner Kindheit mit den Vorstellungen in Berührung gekommen. Als bedeutende Figur ist hier der Priester Johannes Crell zu nennen. Leuchsner selbst tauchte immer wieder im Briefwechsel des Altdorfer Professors Ernst Soner auf. Ab 1607 bekleidete Leuchsner das Amt des Rechtsvertreters für die Reichsstadt Nürnberg. Mit dem Tod Soners im Jahr 1612 geriet der antitrinitarische Kreis erstmals in den Fokus der reichsstädtischen Behörden. Leuchsner musste wohl als Folge seinen Posten neu verhandeln. In einem Brief vom 10. März 1614, den er an den neuen Kultvorsteher Martin Ruarus sandte, bekannte er sich dazu, dass lutherische Abendmahl jahrzehntelang nicht gefeiert zu haben.[4]

Die Gruppe flog schließlich noch im selben Jahr auf. Zwei Studenten aus Altdorf erregten an der Universität Jena den Argwohn des Theologen Albert Grauer, der sie an die Glaubenswächter in Nürnberg verriet. In der Folge kam es zu Verhaftungen und Verhören. Georg Ludwig Leuchsner wurde zusammen mit dem zeitweise in Haft genommen und befragt. Da Leuchsner durch die politische Verfolgung sein Amt als Rechtsvertreter nicht mehr glaubhaft wahrnehmen konnte, verließ er im Jahr 1616 die Stadt Nürnberg.

Er kehrte nach Neustadt an der Aisch zurück, wo er von der administrativen Aufwertung der Stadt durch Markgraf Christian profitierte. Dieser hatte wenige Wochen vor der Ankunft der Familie Leuxner eine Kanzlei in den Räumlichkeiten des Schlosses eingerichtet. Georg Ludwig Leuchsner übernahm die juristische Leitung. Leuchsner lebte mit seiner Familie in unmittelbarer Nähe zum Schloss. Im Jahr 1617 kann er außerdem erstmals als kaiserlicher Kommissar fassbar gemacht werden und vermittelte in einem Konflikt zwischen der Reichsstadt Nürnberg und Georg Friedrich von Eyb.

Mit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges erweiterte er seine Arbeit um die Tätigkeit als Diplomat. In der Folge wurde er vom Markgrafen zum Geheimen Regierungsrat ernannt. Am 11. Juni 1632 überfielen kroatische Hilfstruppen Neustadt an der Aisch und zerstörten dabei große Teile der Stadt. Laut der chronikalischen Überlieferung wurde die Ehefrau des Georg Ludwig von den Angreifern verstümmelt. Die Familie setzte sich in die benachbarte Reichsstadt Windsheim ab. Dort starb Georg Ludwig Leuchsner am 16. Juni 1632 an den Spätfolgen des Überfalls. Am 19. Juni wurde er auf dem örtlichen Friedhof bestattet.[5]

Ehe und Nachkommen

Georg Ludwig Leuchsner heiratete am 18. September 1609 die Witwe des brandenburgischen Juristen und Advokaten Laurentius Danner, Euphrosyna Dannerin. Diese war die Tochter des Geheimen Rates, Kanzlers und Konsistorialpräsidenten Nicolaus Stadtmann. Euphrosyna Leuchsner lebte noch 1634 in Windsheim. Bereits in Nürnberg wurden dem Ehepaar zwei Söhne geboren, in Neustadt an der Aisch ist außerdem die Geburt einer Tochter nachweisbar. Der älteste Sohn Georg Albrecht Leuchsner trat als Mitglied des Regierungs- und Kammerkolloquiums in Bayreuth in die Fußstapfen des Vaters.

  • Georg Albrecht Leuchsner (* 31. August 1610 in Nürnberg; † 1671), Mitglied des Regierungs- und Kammerkolloquiums in Bayreuth
  • Christoph Ludwig Leuchsner (* 1611; † [???])
  • N. N. (* 17. Oktober 1617; † [???])

Wappen

Das persönliche Wappen des Georg Ludwig Leuchsner wurde bereits für den Vater Johann dem Älteren erstmals bezeugt. Blasonierung: „[I]m unten rothen oben silbernen Schilde einen Mann mit abgewechselten Tincturen, zwey Stangen, oben mit zwey spitzigen goldenen Eisen versehen, Creuzweise vor sich haltend. Eben derselbe erscheinet auf dem Helme. Die Helm-Decke ist roth und silbern.“ Das Wappen ist erstmals 1593 auf der gedruckten Grabrede für Johann Leuchsner nachweisbar. Georg Ludwig Leuchsner griff auf das Zeichen während seiner Arbeit in Nürnberg zurück, wo es als Siegelzeichen Verwendung fand.

Werke

  • mit Konrad Rittershausen: Theses De Obligationibus, Quae Ex Q. Delicto Nascuntur [...]. Paulus Kaufmann, Nürnberg 1597.
  • De mercatore conclusionum iuris centuria. Quas [...] pro gradu doctoratus in iure Caesareo & Pontificio solenniter obtinendo, publice examinandas exhibet, defendendasque suscipit Georgius Ludovicus Leuchsner, Franco. Ad diem 22. Septembris, horis & loco consuetis. Exertier, Basel 1606.

Literatur

  • Ferdinand Leuxner: Netzwerk oder Religion? Georg Ludwig Leuchsner (1578–1632), Rechtsgelehrter und Sozinianist. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 112. Band 2025. Selbstverlag des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2025, ISSN 0083-5579. S. 155–173.
  • Robert Wallace: Antitrinitarian biography or sketches of the lives and writings of distinguished antitrinitarians Vol. 2. London 1850.
  • Georg Andreas Will: Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon oder Beschreibung aller Nürnbergischen Gelehrten beyderley Geschlechts nach Ihrem leben, Verdiensten und Schrifften. Zur Erweiterung der gelehrten Geschichtskunde und Verbesserung vieler darinnen vorgefallenen Fehler. Sechster Theil oder zweiter Supplementband, Von H-M. Leipzig 1805.

Einzelnachweise

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