Georg Moller
deutscher Architekt und Stadtplaner
From Wikipedia, the free encyclopedia
Georg Moller (* 21. Januar 1784 in Diepholz; † 13. März 1852 in Darmstadt) war ein in Süddeutschland, insbesondere im früheren Großherzogtum Hessen, tätiger Architekt, Stadtplaner und Bauforscher.

Leben und Familienhintergrund
Georg Mollers Vater Levin Adolf Moller (1757–1825) entstammte einer alten norwegischen Pastorenfamilie, die sich im 17. Jahrhundert durch die Herausgabe evangelischer Gesangbücher hervortat. Levin Adolf Moller wuchs in Westfalen auf, war als Notar in Celle und seit 1777 als Advokat und Prokurator in Diepholz tätig. Georg Mollers Mutter, Elisabeth von Castelmur (1761–1795), gehörte einem Schweizer Adelsgeschlecht des Oberengadins katholischer Konfession an. Nach deren Tod heiratete Levin Adolf Moller 1797 Amalie Dorothee Flügge, Tochter des Pastors und Übersetzers Heinrich Hermann Flügge.
Georg Moller wuchs in einem gutbürgerlichen Milieu auf, seine Familie hatte Verbindungen über europäische Landesgrenzen und Konfessionen hinweg.[1.1] Sein Halbbruder Ernst (1808–1870) begann in der Schweiz eine wissenschaftliche Laufbahn, war 1839–1844 Präsident der Naturforschenden Gesellschaft Graubündens und wurde 1852 an der Universität Göttingen Professor für Philosophie und Pädagogik. Mütterlicherseits war er mit August Kestner und mit Georg Ludwig Friedrich Laves verwandt. Der Arzt und Revolutionär Georg von Wedekind war durch seine Heirat mit der Tante Wilhelmine Moller ein angeheirateter Onkel Mollers.
Am 2. März 1811 heiratete Georg Moller die Witwe Amalie Merck (1780–1839), geborene Hessemer. Er war so mit der Darmstädter Apothekendynastie Merck, dem Architekten Friedrich Maximilian Hessemer oder den drei, für ihre Nähe zu den revolutionären Bewegungen bekannten Brüder August Ludwig, Karl und Paul Follen verschwägert. Nach Amalies Tod ehelichte Moller am 18. Juli 1839 Helene Hille (1810–1873); mit ihr bekam er den Sohn Friedrich (1840–1903) und die Töchter Caroline (1841–1909) und Amalie (1842–1914).
Georg Moller starb 1852 in Darmstadt im Alter von 68 Jahren. Er wurde auf dem Alten Friedhof von Darmstadt bestattet (Grabstelle: I Mauer 141). Sein Grabmal wurde von Johann Baptist Scholl geschaffen. Das Grab ist ein Ehrengrab.
Ausbildung, Studienreisen und Kontakte
Nach Abschluss des Gymnasiums in Minden im Jahr 1800 nahm Moller ein Architekturstudium bei Diederich Christian Ludwig Witting in Hannover auf. Hier lernte er Friedrich Weinbrenner kennen, dem er 1802 nach Karlsruhe folgte, um seine Studien an der dortigen Bauschule fortzusetzen. Mit beiden Lehrern hielt er auch danach noch ebenso freundschaftlichen Kontakt wie mit Mitschülern bei letzterem, etwa Christoph und Friedrich Arnold und Heinrich Hübsch.[1.2]
1806 schickte er Zeichnungen aus Karlsruhe nach Hannover, um der heimatlichen Verwaltung seinen Ausbildungsstand und Fleiß zu beweisen und ein staatliches Stipendium für seine Studienreise nach Italien zu erbitten.[1.3]
In den Jahren 1807–1809 unternahm Georg Moller eine Studienreise nach Rom, wo er entscheidende Impulse durch die dortige deutsche Künstlerkolonie erhielt und sich nicht nur mit Architekten wie z. B. Karl von Fischer, sondern auch mit Malern anfreundete, darunter Johann Christian Reinhart, Joseph Anton Koch und Wilhelm Friedrich Gmelin, und mit Bildhauern wie Christian Daniel Rauch und Bertel Thorvaldsen.[2.1]
Reisen zur Bildung und zur Pflege von Kontakten führten ihn 1811 in Januar und Februar nach Paris und in Oktober und November nach Köln, 1827 erneut nach Paris und in die Niederlande, von Juli bis September 1830 gemeinsam mit Georg Laves nach England und im Juni 1834 nach München.
Überhaupt stand er über Landes- und Sprachgrenzen hinaus in Kontakt mit zahlreichen Persönlichkeiten, darunter beispielsweise Clemens Wenzeslaus Coudray, Johann Wolfgang Goethe, David Hansemann, Carl Alexander Heideloff, Justus Liebig, Ludwig Persius, Friedrich August Stüler, die britischen Publizisten John Britton, Thomas Leverton Donaldson, Henry Gally Knight und William Whewell oder der französische Schriftsteller und Politiker Ludovic Vitet.[1.4]
Berufliches Wirken im weltlichen und kirchlichen Umfeld
Noch während seines Italienaufenthaltes wurden die Weichen für Mollers berufliche Zukunft gestellt, maßgeblich von seinem Onkel Georg von Wedekind, der gerade erst im Mai 1809 vom hessischen Großherzog zum Freiherrn geadelt worden war, und von seinem Lehrer Friedrich Weinbrenner.[3][2.2]
Obwohl hannoveraner Staatsangehöriger und für den dortigen Staatsdienst vorgesehen, wurde Moller so unmittelbar nach der Rückkehr von seiner Italienreise 1810 Hofbaumeister und Baurat im staatlichen Bauamt des Großherzogtums Hessen-Darmstadt, für das er von nun an tätig war und dessen Bauwesen und -verwaltung er über Jahrzehnte prägte. 1812 wurde er zum Oberbaurat und Mitglied im hessischen Oberbaukolleg ernannt, 1821 zum Wirklichen Rat bei der Oberfinanzkammer, 1831 zum Hofbaudirektor, 1839 zum Geheimen Oberbaurat und 1844 zum hessischen Oberbaudirektor.[2.3]
Unmittelbar mit seinem Amtsantritt am 1. März 1810 stellte sich ihm die anspruchsvolle Aufgabe, die Residenzstadt Darmstadt zeitgemäß und repräsentativ umzuplanen, wozu auch die Erweiterung der Stadt nach Westen durch die Neue Vorstadt gehörte, die er als rechtwinkliges, dabei flexibles Gerüst um Luisenplatz, Rhein- und Neckarstraße konzipierte und die auch als „Moller-Stadt“ bezeichnet wird.[4] Für die Bebauung der neuen Straßen entwickelte Moller modellhafte Fassadenaufrisse.
Zu seinen Hauptwerken in Darmstadt zählen die St.-Ludwigs-Kirche, der erste katholische Sakralbau der Stadt nach Einführung der Reformation, deren Gestalt an das Pantheon in Rom angelehnt ist, sowie das ehemalige Landestheater, der Luisenplatz und das Logenhaus der Freimaurer – das heutige „Moller-Haus“. Er war Mitglied der Darmstädter Freimaurerloge Johannes der Evangelist zur Eintracht. Darüber hinaus plante er das Staatstheater Mainz, welches durch seine halbkreisförmige Fassade für Aufsehen sorgte, sowie das Stadtschloss Wiesbaden der Herzöge von Nassau, den heutigen Sitz des Hessischen Landtages.
- Ludwigsmonument in Darmstadt
- Haus der Geschichte in Darmstadt
- St.-Ludwigs-Kirche in Darmstadt
- Moller-Haus in Darmstadt
- Stadtschloss in Wiesbaden
- Staatstheater Mainz
- Mollersche Kuppel auf dem Mainzer Dom
- Schloss Heiligenberg in Jugenheim
- Die Dorfkirche in Gräfenhausen von 1819
- Schloss Johannisberg mit zugehörigem Weinberg von Süden aus fotografiert
- Altes Mausoleum im Park Rosenhöhe in Darmstadt
- Evangelische Kirche von Schaafheim (1841)
- Evangelische Kirche von Schwanheim (1821)
In Darmstadt haben nur zwei von Georg Mollers größeren Bauwerken unversehrt den Zweiten Weltkrieg und andere Zerstörungen überstanden: Das großherzogliche Mausoleum auf der Rosenhöhe sowie die Ludwigsäule auf dem Luisenplatz, während der Rest teilweise zerstört, abgerissen oder stark vereinfacht rekonstruiert wurde.
Moller arbeitete auch für die Landgrafen von Hessen-Homburg: der Umbau des Homburger (1829–41) und des Meisenheimer Schlosses (Wolfgangsbau; 1825–27) fallen in diesen Bereich. Ebenso war er für den Fürsten Klemens von Metternich tätig und gestaltete in enger Abstimmung mit diesem ab 1826 dessen Schloss Johannisberg neu.[1.5][1.6] Für Maximilian Emmanuel Freiherr von Lerchenfeld (1778–1843) entwarf er 1827 das noch weitgehend original erhaltene „Ministerhaus“ auf Gut Heinersreuth bei Presseck.[1.7] Vielfach nahm er in beratender Funktion Einfluss auf Bauprojekte, etwa auf das Projekt von Georg Laves für das Wangenheimpalais in Hannover.[1.8]
Auch die Planung von Brücken und Straßen betrachtete er als seinen Aufgabenbereich. Eigene Brückenentwürfe veröffentlichte er selbst in den „Beiträgen zur Construktion“.[2.4] Mollers „Interesse für den Straßenbau“ hebt etwa der Kreisbaumeister Carl Müller hervor.[1.9]
Nicht nur in die technische Richtung verbreiterte er das Verständnis von Architektur, auch bezog er konsequent und eng Künstler in seine Projekte ein und vermittelte sogar über diese hinaus Künstler und Kunstwerke an andere Adressaten.[1.10]
Einordnung und Bedeutung
Moller gilt als wichtiger deutscher Architekt im Spannungsfeld zwischen Klassizismus und Romantik und wird oft neben Karl Friedrich Schinkel, Leo von Klenze und Friedrich Weinbrenner genannt, mit denen er in Kontakt stand und die ihrerseits seine Arbeit schätzten. Diese Bedeutung erscheint in der Literatur unbestritten, wird jedoch vergleichsweise wenig durch Forschungen und Veröffentlichungen untermauert, begründet und veranschaulicht, woran der fast vollständige Verlust seiner Bauten und seines Nachlasses einen Anteil hat, aber auch die Unsicherheit, wie sein Beitrag zur Kultur seiner Zeit einzuordnen und zu bewerten sei.
Die bislang einzige Monographie Georg Moller. Baumeister der Romantik erschien 1959, als Hans-Günther Sperlich von Marie Frölich begonnene Forschungstexte vervollständigte und veröffentlichte; sie bildet nach wie vor die Grundlage für weitere Betrachtungen seines Werks.
Seitdem erschienene Beiträge haben das Wissen über einzelne Bauten und Aspekte vertieft und diese in ihrem unmittelbaren Umfeld verortet. Prominent scheint Moller in übergreifenden Ausstellungen und Katalogen auf, vor allem Darmstadt in der Zeit des Klassizismus und der Romantik[5] und Zwischen Aufklärung und Romantik.[6]
Einen Ansatz zu einer gezielten Rekonstruktion von Georg Mollers Bedeutung eröffnete 2022 die Erschließung von dessen erhaltenem Briefnachlass im Merck-Archiv in Darmstadt, worin sich seine prominente Stellung innerhalb seiner Zeit widerspiegelt.[7] Aus den von Ulrich Maximilian Schumann veröffentlichten Briefen verschiedener Autorinnen und Autoren an Moller lässt sich ablesen, wie weitreichend dieser über geographische, politische und ideologische Grenzen hinaus vernetzt war und zugleich verankert in der eigenständigen Lehre Friedrich Weinbrenners, deren sachbezogene Themen Moller weiterentwickelte und neuen Themen und Kreisen öffnete.
Die Verbundenheit bestätigt sich schon beim Vergleich von Werken beider, besonders augenfällig an den typischen Lösungen mit scharnierartigen Rundtürmen für Eckgrundstücke, wie es Weinbrenner etwa 1813 am Haus der Museumsgesellschaft in Karlsruhe vormachte und sein Schüler am Darmstädter Kasino 1816/1817 fast wörtlich wiederholte, am prominentesten und monumentalsten aber und heute noch erlebbar 1837–1841 am Wiesbadener Stadtschloss.
Auch arbeiteten beide unmittelbar zusammen, so 1807 in Freiburg am Bertholdsbrunnen, der sich mit gotischen Details in die mittelalterliche Altstadt einfügte.[8] Moller zeichnete Schaubilder für Projekte Weinbrenners, darunter 1806 das berühmt gewordene für die Umgestaltung der Langen Straße in Karlsruhe und arbeitete an dessen Architektonischem Lehrbuch mit, wo erstmals der „Raum“ in den Mittelpunkt des Entwerfens gestellt wurde[9] und das er selbst mit seinen Beiträgen zu der Lehre von den Construktionen in Inhalt wie Gestaltung fortführte.
Beide Themen, Raum und Konstruktion, verband Moller in beeindruckenden Werken, wie dem filigranen räumlichen Tragwerk der Kuppel auf dem Mainzer Dom, der Schirmkuppel über der Darmstädter Ludwigskirche, dem hohen Treppenfoyer des Wiesbadener Stadtschlosses oder der Hammerbrücke bei Hauset/Hergenrath, dem 220 Meter langen und 40 Meter hohen Eisenbahnviadukt, eine gemauerte Bogenbrücke über das Göhltal.
Aus Mollers Konstruktionslehre war es insbesondere das sogenannte Knotensystem, das Zusammensetzen von Tragwerken aus dreieckigen, an ihren Spitzen verknüpften Rahmenabschnitten, das aus seinem Büro heraus direkt in die Praxis ausstrahlte und althergebrachte Dachkonstruktionen abzulösen begann.[10][1.11]
Seine Autorität in konstruktiven Fragen zeigt sich beispielsweise auch darin, dass Georg Ludwig Friedrich Laves, dessen Frau Wilhelmine eine Cousine zweiten Grades Mollers war, ab 1834 mit diesem in mehreren Briefen seine neue Erfindung eines linsenförmigen Bogenträgers diskutierte, des nach diesem benannten „Laves-Trägers“.[1.12]
In Georg Mollers Briefwechsel konkretisiert sich anschaulich seine Bedeutung als internationale Kapazität und zentrale Anlaufstelle für praktische, theoretische und historische Fragen rund um die Architektur. Dabei traten Themen in den Hintergrund, wie sie häufig die Auseinandersetzung mit der Architektur des 19. Jahrhunderts bestimmen, etwa die Frage nach dem zeitgemäßen Stil oder einem Nationalcharakter, die Kluft zwischen Adel und Bürgertum oder diejenige zwischen Baukunst und Ingenieurbau sowie allgemein ideologische oder politische Fragen. Entsprechend wandten sich auch so konträre Positionen vertrauensvoll an ihn wie beispielsweise Fürst Metternich und sein politischer Gegenspieler Karl Freiherr vom Stein, oder der bayerische Hofarchitekt Leo von Klenze und sein Kritiker Heinrich Hübsch, der badische Oberbaudirektor.
Demnach liegt Mollers Bedeutung nicht in erster Linie im Prestige des Landes, für das er arbeitete, und entsprechend aufwändiger Bauaufgaben, auch nicht in seiner Identifikation mit einer bestimmten Strömung oder Schule, sondern vielmehr in der umfassenden Kompetenz, Breite und Offenheit, in der er mit anderen Architekten und Künstlern, Schülern, Mitarbeitern in der Verwaltung, Bauherren, Wissenschaftlern, Politikern und weiteren die unterschiedlichsten Themen austauschte und so zu ihrer Verbreitung beitrug, mithin zur Modernisierung und Professionalisierung der Architektur als gesellschaftlich relevanter Disziplin.
Georg Moller als Lehrer
Wenn auch nur noch vergleichsweise wenig von Mollers eigenen Bauwerken erhalten geblieben ist, besteht sein Verständnis vom Bauen im Werk von Schülern und anderweitig durch ihn beeinflussten Kollegen weiter. In seinem Büro bildete Moller eine Reihe erfolgreicher Architekten und späterer Hochschullehrer des deutschen Sprachraums aus, unter ihnen August Heinrich Andreae (Hannover)[11], Rudolf Wiegmann (Düsseldorf) sowie Ferdinand Stadler (Zürich), Ernst Georg Gladbach, Wilhelm Mithoff (Hannover), Christoph Riggenbach (Basel), Hugo von Ritgen (Gießen) und Friedrich Maximilian Hessemer (Frankfurt).[12] Weitere Namen treten aus dem veröffentlichten Briefnachlass hervor, wie Friedrich (Jean-Frédéric) Arnold (Straßburg), Harald Julius Bosse (St. Petersburg), August Eberhard Bruckmann (Heilbronn), Franz Heger (Darmstadt) oder Otto von Lassaulx (Elberfeld, 1806–1897) und sein Bruder Hermann (Koblenz), die Söhne seines Kollegen Johann Claudius von Lassaulx.
Dort erhält man auch Einblicke in das persönliche, freundschaftliche und fördernde Verhältnis zwischen dem Lehrer Georg Moller und seinen Schülern. Diese berichteten ihm auch nach dem Abschluss gewöhnlich von ihrem weiteren Ausbildungs- und Berufsweg.[1.13][1.14][1.15] So beriet er sie nach Ende ihrer Ausbildung weiter, wie etwa von Otto von Lassaulx beim Entwurf der Synagoge in Hoppstädten oder von Christoph Riggenbach bei den Spitalplänen für Basel belegt.[1.16][1.17] Dies galt sogar für Kollegen, die nicht bei ihm studiert hatten, etwa Hero Diedrich Hillerns, Schüler von August Heinrich Andreae oder Joseph Daniel Ohlmüller, der Moller seinen „Meister“ nennt.[1.18][1.19]
Auch in die Ausbildung zukünftiger Maler, Zeichner und Bildhauer war er eingebunden, vermittelte vor allem Kenntnisse in Architektur und im räumlichen und perspektivischen Zeichnen, so an Karl Philipp Fohr, August Lucas, Wilhelm Noack (1800–1833) und Johann Baptist Scholl.
Als Lehrer konnte Moller auf unmittelbare Weise die oben unter „Einordnung und Bedeutung“ skizzierte Rolle als Vermittler und Verstärker einer breiten, modernen und professionellen Auffassung vom Bauen ausüben.
Baugeschichte und Denkmalschutz
Eine wichtige Komponente von Mollers Renommée bildeten seine Beiträge zur Erforschung und Erhaltung historischer Baudenkmale. Sein bekanntes Sammelwerk Denkmähler der Deutschen Baukunst war seiner Zeit weit voraus und gilt als Pionierarbeit in der Darstellung mittelalterlicher Architektur – auf großen Kupferstichtafeln mit Grund- und Aufrissen, Schnitten, Schaubildern und Details und mit fundierten Erklärungen.[2.5] Das Tafelwerk wurde auch international ungeduldig aufgenommen und benutzt.[1.20]
1818 bewog Georg Moller den Großherzog von Hessen-Darmstadt dazu, eine Denkmalschutzverordnung zu erlassen. Es ist nach derjenigen Friedrich Weinbrenners für Baden vom April 1812[13] die zweite und nun ausführlichere gesetzliche Grundlage für den Schutz von Baudenkmalen in Deutschland.
Moller folgte Weinbrenner auch im aktiven Zugang zum Denkmalschutz. So wie seinem Lehrer beispielsweise die Erhaltung der Klosterkirche von Sankt Blasien oder der Stadtkirche von Emmendingen ist Moller unter anderem die Rettung der karolingischen Torhalle in Lorsch zu verdanken, die heute zum von der UNESCO geschützten Weltkulturerbe gehört.
Eine wichtige Rolle spielte Moller bei der Fertigstellung des Kölner Doms. Er kaufte 1814 eine Hälfte des 4,05 Meter großen überarbeiteten Fassadenplanes des Dombaumeisters Meister Arnold dem Umstädter Zimmergesellen Johannes Fuhrer ab, der ihn auf einem Dachboden bei Darmstadt wiedergefunden hatte, die andere Planhälfte fand 1816 Sulpiz Boisserée nach einem Hinweis Mollers in Paris.[2.6]
Aufgrund seiner baugeschichtlichen Kompetenz wollte ihn Theodor von Schön ab 1818 in die Sicherung und den Wiederaufbau der Marienburg bei Danzig einbeziehen, worauf dieser jedoch nicht einging.[1.21]
Auch als praktizierender Architekt setzte sich Georg Moller bewusst mit Baudenkmalen auseinander. Ob er, wie mancherorts zu lesen, ab 1809 für Graf Friedrich Karl Josef von Ingelheim[14] und seine Frau Antoinette die Brömserburg bei Rüdesheim aus dem 11. Jahrhundert für Wohnzwecke umgestaltete, was zur Attraktion für zahlreiche prominente Gäste wurde, kann gegenwärtig offenbar nicht belegt werden. Für Graf Franz Erwein von Schönborn-Wiesentheid allerdings sollte er ab 1834 die benachbarte Boosenburg als Wohnbau her- und einrichten, was nur wegen dessen Tod 1840 unterblieb.[1.22] Hier wie auch beim Bau des neuen Mittelschiffes für die evangelische Stadtkirche in Darmstadt, 1842–1844, lehnte sich Moller an die schon vorhandenen mittelalterlichen Formen an, so auch 1825–27 bei der Erweiterung des Meisenheimer Schlosses oder an weiteren Projekten für Schlossumbauten.[2.7] In klassischen Formen hingegen gestaltete er die neuen Bauteile für die Schlösser auf Gut Johannisberg und in (Bad) Homburg, die in enger Abstimmung mit der Bauherrenschaft entstanden.
Mollers neue Kuppel für den Ostturm des Mainzer Doms bestand 1828 in einer sichtbaren Eisenkonstruktion, die das Prinzip einer elliptoiden Schwedlerschen Kuppel vorwegnahm und sich dabei harmonisch in das mittelalterliche Bauwerk einfügte, im zunehmenden Historismus jedoch als zu modern empfunden wurde; 1870 wurde das sobezeichnete „Mollersche Ei“ mit dem gesamten Ostturm abgetragen und durch eine neuromanische Nacherfindung ersetzt.
Werke
- 1807: Bertholdsbrunnen in Freiburg, mit Friedrich Weinbrenner
- 1810–1821: Stadtkirche Gießen
- 1811ff: Stadterweiterung Darmstadt
- 1816–1817: Kasino der Vereinigten Gesellschaft in Darmstadt, Rheinstraße/Neckarstraße
- 1816–1819: Evangelische Kirche in Gräfenhausen
- 1818: Freimaurerloge in Darmstadt, Sandstraße
- 1818–1920: Evangelische Kirche in Birkenau
- 1819: Staatstheater in Darmstadt, Karolinenplatz (heutiges Staatsarchiv)
- 1819–1821: Evangelische Kirche in Schwanheim
- 1819–1823: Evangelische Kirche St. Martin in Kelsterbach
- 1820: Teehäuschen im Park Rosenhöhe in Darmstadt
- 1820–1821: Evangelische Kirche in Lindenfels (Lautenschläger)
- 1820–1821: Katholische Kirche St. Kilian (Mainflingen) in Mainflingen
- 1821–1822: Katholische Kirche St. Gallus (Urberach) in Urberach
- 1822–1827: St. Ludwig in Darmstadt
- 1825: Kanzleigebäude in Darmstadt, Mathildenplatz
- 1825: St.-Georgs-Kirche in Bensheim
- 1825–1827: Umbau des Schlosses in Meisenheim
- 1825–1932: St. Sebastian und Valentin in Eppertshausen (Georg August Lerch)
- 1826: Altes Mausoleum im Park Rosenhöhe in Darmstadt
- 1829–1831: Evangelische Kirche in Sickenhofen (Georg August Lerch)
- 1829–1832: Evangelische Kirche in Schönberg (Ignaz Opfermann)
- 1829–1833: Staatstheater Mainz
- 1829–1841: Umbau des Schlosses in (Bad) Homburg
- 1830–1886: Schloss Heiligenberg in Jugenheim; Baumaßnahmen ab 1862 nach 1846 von Moller erstellten Plänen
- 1831: Evangelische Kirche in Hamm am Rhein
- 1833–1934: Evangelische Kirche in Erfelden (Georg August Lerch)
- 1834: Evangelische Kirche St. Anna in Gronau (Ignaz Opfermann)
- 1836: Prinz-Carl-Palais in Darmstadt, Wilhelminenstraße
- 1837/1838: Eisenbrücke über die Wieseck bei Gießen
- 1837–1841: Stadtschloss Wiesbaden, (Ausführungsplanung: Richard Goerz)
- 1839–1841: Evangelische Kirche in Schaafheim
- 1840–1841: Ludwigsmonument in Darmstadt
- 1840–1841: Villa Rettberg, Frankfurter Straße 2 in Wiesbaden, (1870 überformt)
Schriften
- Bemerkungen über die aufgefundene Originalzeichnung des Domes zu Köln, Heyer und Leske: Darmstadt 1818. MDZ
- Denkmähler der deutschen Baukunst. Baer Verlag. Frankfurt 1852–54. 3 Bände. doi:10.3931/e-rara-4613
- Ueber die altdeutsche Baukunst als erläuternder Text zu seinen Denkmälern der deutschen Baukunst. 2. Auf. Carl Wilhelm Leske. Leipzig und Darmstadt 1831. BSB
- Beiträge zu der Lehre von den Construktionen. Carl Wilhelm Leske. Leipzig und Darmstadt 1833–44. Goethe Universität Frankfurt
Ausstellungen
- 1978/79: Darmstadt in der Zeit des Klassizismus und der Romantik, Mathildenhöhe Darmstadt.
- 2011: Architektur im Buch. Architekturtheoretische Publikationen des großherzoglichen Baumeisters Georg Moller, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt.
- 2015: Zwischen Aufklärung und Romantik. Zeichnungen, Aquarelle und Ölstudien aus der Gründungszeit des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, Hessisches Landesmuseum Darmstadt.
Georg-Moller-Preis
An Georg Moller erinnert der jährlich von der Stadt Darmstadt ausgeschriebene Georg-Moller-Preis, ein Architekturpreis, der für an der Technischen Universität Darmstadt entstandene Studienarbeiten ausgelobt wird, die sich mit Bau- und Planungsaufgaben im Darmstädter Stadtgebiet befassen. Das Preisgeld beläuft sich auf insgesamt 2600 Euro und wird seit dem Jahr 2000 von der Bauverein AG gestiftet.[15]
Ehrungen
- 1818 Ernennung zum Mitglied der Berliner Akademie der Künste
- 1820 Ehrendoktorwürde Dr.phil. h.c. der Universität Heidelberg
- 1831 Ernennung zum ersten Ehrenbürger der Stadt Mainz
- 1835 Ehrenmitgliedschaft im Royal Institute of the British Architects (RIBA)
- 1834 Ernennung zum Ritter des Guelphen-Ordens
- 1844 Ernennung zum Kommandeur des hessischen Ludwigsordens
- Der Mollerplatz und die Mollerstraße (49° 52′ 57,4″ N, 8° 39′ 11,8″ O) in Darmstadt tragen seinen Namen.
- Das Moller-Haus, ein denkmalgeschütztes Veranstaltungsgebäude in Darmstadt mit Resten der von Moller entworfenen Freimaurerloge, wurde nach diesem benannt.
- Die Mollerstraße (52° 36′ 33,2″ N, 8° 22′ 7,6″ O) und das Georg-Moller-Haus, ein Wohn- und Geschäftshaus, in Diepholz wurden nach Moller benannt.
Literatur
- Rolf Bidlingmaier: Das Stadtschloss in Wiesbaden. Residenz der Herzöge von Nassau. Ein Schlossbau zwischen Klassizismus und Historismus. Regensburg 2012, ISBN 978-3-7954-2429-9
- Peter Engels: Georg Moller. In: Stadtlexikon Darmstadt. Stuttgart 2006, S. 638f.
- Marie Frölich, Hans-Günther Sperlich: Georg Moller. Baumeister der Romantik. Eduard Roether Verlag, 1959
- Hessisches Landesmuseum Darmstadt (Hrsg.): Zwischen Aufklärung und Romantik. Zeichnungen, Aquarelle und Ölstudien aus der Gründungszeit des Hessischen Landesmuseums Darmstadt. Kehrer, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-86828-614-4.
- Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Hrsg.), Darmstadt in der Zeit des Klassizismus und der Romantik. 1979
- Wolfgang Lück, Arbeitsgemeinschaft Mollersche Landkirchen; Die Mollerschen Landkirchen in Starkenburg und Rheinhessen; Faltblatt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (ohne Datum <= 2016).
- Sascha M. Salzig: Von der bürgerlichen Repräsentation zur Eventkultur. Die Architektur des Mainzer Stadttheaters von Georg Moller im kulturhistorischen Wandel. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2016, ISBN 978-3-95976-011-9.
- Ulrich Maximilian Schumann (Hrsg.): Georg Moller. Werk & Netzwerk, Triglyph, Bad Saulgau 2022, ISBN 978-3-944258-12-6.
- Reinhard Wegner: Moller, Georg. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 17. Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 742–744 (deutsche-biographie.de).
- Gerd Weiß: Zwei Jubiläen der hessischen Denkmalpflege. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde NF 60 (2002), S. 159–171.
- Werkbundakademie Darmstadt e. V. (Hrsg.): Georg Moller (1784–1852): Bauten und Projekte des großherzoglichen Staatsbaumeisters in Hessen-Darmstadt. Jovis, Berlin 2015, ISBN 978-3-86859-358-7
- Arnold Wolff (Hrsg.): Sulpiz Boisserée – Der Briefwechsel mit Moller, Schinkel und Zwirner. Unter Verwendung der Vorarbeiten von Elisabeth Christern und Herbert Rode. Greven, Köln 2008, ISBN 978-3-7743-0405-5.
Weblinks
- Literatur von und über Georg Moller im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Moller, Georg Adolph Hermann. Hessische Biografie. (Stand: 13. März 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Georg-Moller-Gespräche zur Stadtentwicklung Darmstadt von der Werkbundakademie Darmstadt in Kooperation mit der Lokalen Agenda21 Themengruppe Stadtgestalt
- Georg Moller in der Rheinland-Pfälzischen Personendatenbank
- Mollersche Landkirchen in Starkenburg und Rheinhessen auf georg-moller-landkirchen.de
- Ehrengrab in Darmstadt