Georg Rauh
Schweizer Architekt
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Georg Rauh (* 17. Juli 1906 in St. Gallen; † 2. März 1965 ebenda) war ein Schweizer Architekt. Nach einer Lehre zum Zimmermann ging er ans Bauhaus, wo er 1931 bei Mies van der Rohe diplomierte. Während seines Studiums zum Architekten knüpfte er unter anderem Kontakte zu Paul Klee, Wassily Kandinsky und Ludwig Hilberseimer. Insbesondere Hannes Meyer und Ludwig Hilberseimer waren es, die sein Berufsverständnis prägten. So verfolgte er zeitlebens das Verständnis der Architektur als soziale Aufgabe und der Gebrauchsästhetik.
Leben
Georg Rauh wuchs mit seinen beiden Brüdern in St. Gallen auf. Er wurde 1906 als deutscher Staatsbürger geboren. Nach seiner schulischen Grundausbildung und handwerklichen Berufslehre besuchte er ab 1928 als Architekturstudent das «Bauhaus Dessau – Hochschule für Gestaltung» und erhielt 1931 sein Diplom mit Anerkennung aufgrund besonderer Leistungen. In seiner Erstausbildung in einem Zimmereigeschäft wurde der Grundstein für sein berufliches Interesse gelegt. 1928 folgte er seinem älteren Bruder August ans Bauhaus. In der Zeit während des Studiums belegte Rauh u. a. die Kurse «Künstlerische Gestaltung: abstrakte Formenlehre und analytisches Zeichnen» bei Wassily Kandinsky und «Primäre Gestaltung der Fläche» bei Paul Klee. Es ist anzunehmen, dass er in jener Zeit auch durch Walter Peterhans, der die Fotowerkstatt am Bauhaus aufbaute, zur Fotografie fand. Zwei Jahre später (1933) wurde die Hochschule in Dessau von den Nationalsozialisten geschlossen. Zeitgleich beantragte Georg Rauh, der inzwischen in die Schweiz zurückgekehrt war die Schweizer Bürgerschaft und erhielt diese 1935.
Zurück in der Schweiz war er zunächst als Architekt in Luzern und Herisau tätig. Im Jahre 1935 gründete er in St. Gallen das Architekturbüro «Georg Rauh», das er bis zu seinem Tod 1965 führte. Er pflegte eine enge Freundschaft mit Otto Heinrich Senn und war Mitglied des Schweizerischen Werkbundes SWB. Sein architektonisches Werk zeugt von Bescheidenheit, Präzision und der Sorge fürs Handwerk. Seine rund 100 Bauwerke zeichnen sich durch überlegte Setzungen der Volumina, kluge Grundrisse und eine subtile und qualitative hochstehende Materialwahl aus. Die Themen seines architektonischen Nachlasses sind "das Bauhaus in der Schweiz", "die hölzerne Moderne" sowie "die Genossenschaftsbauten" und der soziale Wohnungsbau der Nachkriegsjahre. Als Person suchte er weder Ruhm noch Rampenlicht, doch in seiner Architektur manifestierte sich ein klares Programm: Reduktion und Funktionalität.
Zudem baute er ab Mitte der 1930er-Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine umfassende Unterrichtstätigkeit auf. Er lehrte an den Gewerbeschulen für angehende Zimmermannsleute und etablierte gar eine eigene Zimmereifachschule, welche Prüfungsvorbereitungskurse für angehende Zimmermeister bezweckte.
Weiter war nebst der Architektur die Fotografie seine grosse Leidenschaft. Zeitlebens führte er eine analoge Mittelformatkamera Rolleiflex, eine zweiäugige Spiegelreflexkamera, mit sich. Sein umfangreicher Fotonachlass befindet sich im Staatsarchiv St. Gallen.
Er war ab 1938 bis zu seinem Tod 1965 mit Margrit Rauh-Hoffmann (1906–2003) verheiratet und Vater von sechs Kindern, darunter der Manager Markus Rauh.
Bauten (Auswahl)
- 1931: «Haus am Espen»: Einfamilienhaus Langgasse 149, St. Gallen
- 1939: «Haus Müdespacher»: Einfamilienhaus Stauffacherstrasse, Arbon
- 1941: «Sonnenhaldestrasse»: Mehrfamilienhaus, Sonnenhaldestrasse 20a, St. Gallen
- 1941: «Haus Engel»: Einfamilienhaus, Biserhofstrasse 28, St. Gallen
- 1946 und 1947: «Siedlungen Meba»: Ein- und Zweifamilienhäuser, Mebastrasse und Mebaweg, Trübbach
- 1948: «Umbau Volkshaus St. Gallen»: Umbau Volkshaus, Lämmlisbrunnenstrasse 41, St. Gallen
- 1948–1958 «Am Bach»: Einfamilienhaussiedlung, Am Bach St. Georgen, St. Gallen
- 1950: «Ferienhaus am Gäbris»: Ferienhaus, Obere Waldstatt 1052, Gais
- 1952: «Haus Müller»: Wohnhaus Dr. P. Müller, Bruggwaldstrasse 38a, St. Gallen
- 1955: «Haus am Gaisbühl»: Einfamilienhaus, Tetznerstrasse 6, St. Gallen
- 1955–1958: «Iddastrasse»: Wohnhäuser, Iddastrasse 56/58, St. Gallen
- 1964: «Blattacker I»: Mehrfamilienhäuser Blattacker, Karl-Völker-Strasse 7a und 7b, Heerbrugg
- 1952–1965: «Überbauung Sonnenhaldestrasse»: Wohnhäuser, Sonnenhaldestrasse 8 bis 16a, St. Gallen
Publikationen (Auswahl)
- Zimmereifachschule. In: Tagblatt Volksstimme Ostschweiz. 23. Dezember 1943.
- Die gute Form. Wanderausstellung vom Schweizerischen Werkbund und Max Bill, 6. März 1953.
- Die Baugeschichte. In: Rheintaler Volkszeitung. 15. November 1956.
- Haus Dr. P. Müller. In: Das ideale Heim. 1953.
Literatur
- Schweizer Holzverarbeitung. In: Der freie Rätier. 5. November 1937.
- Der neue Baukastenbau des 20. Jahrhunderts. In: St. Galler Tagblatt. 31. Juli 1943.
- "Georg Rauh": Autoren: Prof. em. Dr. Ita Heinze-Greenberg, Dr. Gregory Grämiger, Patrick Schoeck-Ritschard und Dorothy Holt Wacker. Georg Rauh: Das Bauhaus in der Schweiz, die hölzerne Moderne und Genossenschaftsbauten, erschienen im Quart Verlag, 13. September 2025 (ISBN 978-3-03761-343-6).
Weblinks
- Ein Hauch von Bauhaus in St. Gallen dank Georg Rauh (1906–1965). Kanton St. Gallen
- Rauh, Georg (1906–1965), Zimmermeister und Architekt. In: Staatsarchiv St. Gallen.
- https://quart.ch/produkt/georg-rauh/
- https://www.saiten.ch/kalender/buchvernissage-georg-rauh-155094
- https://ninakeel.com/de/projekte/moderation-buchvernissage-georg-rauh/
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rauh, Georg |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Architekt |
| GEBURTSDATUM | 17. Juli 1906 |
| GEBURTSORT | St. Gallen |
| STERBEDATUM | 3. März 1965 |
| STERBEORT | St. Gallen |