Georg Schaeffler
deutscher Unternehmer
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Georg Schaeffler (* 4. Januar 1917 in Bourdonnay auf Schloss Marimont; † 2. August 1996 in Coburg) war ein deutscher Unternehmer.
Der Einstieg in das ehemals jüdische Unternehmen Davistan 1941 und die Entwicklung und Patentierung des Nadelkäfigs für Nadellager 1949 ermöglichte ihm zusammen mit seinem Bruder Wilhem Schaeffler die Gründung der international tätigen Schaeffler-Gruppe.
Leben
Kindheit und Ausbildung
Georg Schaeffler wurde 1917 als Sohn von Anna Carolina, geb. Weissmann, (1882–1963) und Georg Jacob Schaeffler (1865–1962) geboren.[1] Sein Vater stammte aus einer Webermeisterfamilie aus Neustadt am Kulm, seine Mutter aus der Rheinpfalz.[2] Nach Elisabeth (1906–1995), Käthe (1909–1993) und Wilhelm war Georg das jüngste Kind.[1]
Seine Familie bewirtschaftete als Pächter die Staatsdomäne Schloss Marimont von 1870 bis 1918, während Elsaß-Lothringen zum Deutschen Reich gehörte.[2] 1918 arbeitete Georgs Vater als Gutsverwalter in Ottweiler und Neunkirchen im Saargebiet.[1]
Georg Schaeffler, der Mitglied der Hitlerjugend war[3], besuchte die Oberrealschule in Neunkirchen an der Saar, sein Abitur machte er 1936. Nach dem Wehrdienst begann er ein Betriebswirtschaftsstudium an der Universität Köln, wurde nach Beginns des Zweiten Weltkriegs 1939 jedoch zum Kriegsdienst eingezogen. 1944, während eines Lazarettaufenthalts, machte er seinen Abschluss als Diplomkaufmann.[1]
Von Davistan zur Wilhelm Schaeffler AG
1941 stieg Schaeffler in das von seinem Bruder Wilhelm 1940 dank der Arisierung unter Wert übernommene, ehemals jüdische Unternehmen Davistan Krimmer-, Plüsch- und Teppichfabrik AG als Hauptaktionär ein.[1] Sie stellten die Stofffabrikation von türkischem Mohair auf Kunstseide aus Celluloseacetat um und stiegen ins Rüstungsgeschäft ein, unter anderem produzierten sie Brandbomben, Nadellager für Panzer, Matratzen und Mäntel.[4][5] Das Unternehmen setzte dabei Zwangsarbeiter aus Frankreich, der Sowjetunion und Polen ein.[6][4]
1942 wurde Georg Schaeffler einberufen und diente zunächst an der Ost-, später an der Westfront, zuletzt im Rang eines Oberleutnants. Im Winter 1945 verlagerte die Familie Schaeffler einen Teil der Produktionsmaschinen (zusammen mehr als vierzig Waggons voll Material und Maschinen) und 300 Mitarbeitern von Katscher aus in die US-amerikanische Besatzungszone nach Schwarzenhammer im Nordosten Oberfrankens. Nach Kriegsende kam Georg Schaeffler kurzzeitig in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft.[1] Zunächst gründete er zusammen mit dem Cottbuser Unternehmer Heinz Fritsch, der bereits Teilhaber Davistans war, in einer ehemaligen Porzellanfabrik in Schwarzenhammer die Firma Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen Fritsch & Schaeffler, die aufgrund der Beschränkungen des alliierten Kontrollratsgesetzes übergangsweise Gebrauchsartikel aus Holz für Haus- und Landwirtschaft (u. a. Wäscheklammern, Kochlöffel, Holzrechen) und reparierte landwirtschaftliche Maschinen. Statt Bezahlung der Ware in bar beschaffte man sich die Rohstoffe und Betriebsmaterialien zum Teil durch Tausch.
Danach baute er zusammen mit seinem Bruder Wilhelm sowie zwei weiteren Inhabern (Fröhner und Fritsch) in Herzogenaurach, wo bisher hauptsächlich Schuhindustrie ansässig war, ab dem Frühjahr 1946 die Industriewerke Schaeffler OHG auf. Für die dort produzierten, käfiggeführten Nadellager meldete Schaeffler 1950 ein Patent an, das dem Unternehmen ein rasches Wachstum brachte.[1] Das Unternehmen stellte ebenfalls zuerst noch hölzerne Produkte wie Gürtelschnallen und Knöpfe her (bis zu 15.000 Stück täglich) und verkaufte Handwagen, die in Schwarzenhammer produziert wurden. Im Juni 1946 beschlossen die Brüder den Bau einer Fabrik in Herzogenaurach für Werkzeugteile zur Produktion von Ersatzteilen für das US-Militär und deutsche Ersatzteilhersteller. Wilhelm Schaeffler wurde jedoch noch 1946 von den US-Militärbehörden verhaftet und an die polnischen Behörden überstellt; er verbrachte mehrere Jahre bis 1951 in polnischer Gefangenschaft.
Das Unternehmen hatte zum Jahreswechsel 1946/47 bereits 149 Mitarbeiter, im Folgejahr schon knapp 200. Ab Herbst 1949 arbeitete Georg Schaeffler in Kooperation mit Daimler-Benz in Untertürkheim und den Adler-Motorradwerken in Frankfurt am Main an einer käfiggeführten Weiterentwicklung des Nadellagers. Im Februar 1951 erhielt Schaeffler von den beiden Unternehmen den ersten Auftrag, was den wirtschaftlichen Durchbruch bedeutete. Bis in die 1950er Jahre wurden daneben auch Fotoapparate gebaut. Die Schaeffler-Gruppe wurde unter der Leitung von Georg und Wilhelm Schaeffler zu einer international erfolgreichen Unternehmensgruppe.[1]
Georg Schaeffler heiratete im Jahre 1963 Maria-Elisabeth Schaeffler, 1964 wurde der Sohn Georg Friedrich Wilhelm Schaeffler geboren. Georg Schaeffler starb 1996. Seither sind seine Witwe und sein Sohn Inhaberin des Konzerns.
Auszeichnungen
Georg Schaeffler wurde 1969 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Universität Karlsruhe verlieh ihm für seine Lebensleistung die Ehrendoktorwürde. Die Stadt Herzogenaurach ernannte Georg und Wilhelm Schaeffler 1981 zu Ehrenbürgern.
Literatur
- Richard Winkler: Schaeffler, Georg. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 22. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 522–523 (deutsche-biographie.de).
- Klaus-Peter Gäbelein: 50 Jahre Schaeffler Herzogenaurach. (PDF; 207 kB) In: Stadt Herzogenaurach (Hrsg.): Herzogenauracher Heimatblatt, Jg. 25, Nr. 18 v. 6. November 1997 (Beilage im Amtsblatt Nr. 45/1997).
- Text zum 100. Geburtstag von Wilhelm Schaeffler im Amtsblatt der Stadt Herzogenaurach, Nr. 13/2008 ( vom 6. März 2009 im Internet Archive) (PDF).
- Gregor Schöllgen: Schaeffler. Biographie einer Familie und eines Unternehmens. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2021, ISBN 978-3-421-04890-5
Weblinks
- Heiner Wember: 02.08.1996 - Todestag von Georg Schaeffler. WDR ZeitZeichen vom 2. August 2016 (Podcast, 14:52 min).