George Liele

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George Liele (auch Leile[1] und Lisle[2] geschrieben; * um 1750 in der Kolonie Virgina, Britisch-Amerika; † um 1826 in Kingston, Jamaika[3]) war ein afroamerikanischer Baptistenpastor. Er gilt als der erste ordinierte schwarze Geistliche und erster Auslandsmissionar der Baptisten. Liele ist Begründer der baptistischen Bewegung in Jamaika.

Gedenkplakette für George Liele

Leben

George Liele wurde im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia kurz nach dem Great Awakening als Sohn der Sklavin Nancy geboren. Er nahm später den Namen seines Vaters Liele, der ebenfalls ein Sklave war, als Familiennamen an. Noch vor 1770 verzog sein Sklavenhalter und Plantagenbesitzer Henry Sharp nach St. George’s Parish (später Burke County) in Georgia und nahm ihn mit. Dort erhielt er die Erlaubnis, die Gottesdienste der örtlichen Buckhead Creek Baptist Church zu besuchen. Liele bekehrte sich und wurde vom Gemeindepastor Matthew Moore getauft und in die Gemeinde aufgenommen.[4][5]

First African Baptist Church Savannah (2016); ihre Gründung geht auf Liele zurück.

Bald nach seiner Taufe begann George Liele mit der Verkündigung des Evangeliums unter seinen Mitsklaven auf Sharps Plantage.[6] Auch lehrte er sie, Kirchenlieder zu singen, biblische Lehren zu verbreiten sowie die eigenen Glaubensüberzeugungen weiterzugeben. Lieles Gemeinde, die von seinen geistlichen Begabungen beeindruckt war, ordinierte ihn 1773 zu ihrem Missionar. Sein Besitzer Henry Sharp entließ ihn anschließend aus der Sklaverei. Liele weitete sein Missionsgebiet aus und war noch im selben Jahr in Silver Bluff südlich von Augusta Prediger und Seelsorger für Sklaven. Im Dezember 1773 entstand unter seiner Leitung die First African Baptist Church in Savannah, die älteste schwarze Kirche Nordamerikas. Zu den Gründingsmitgliedern seiner Kirchengemeinde gehörten die bekannten schwarzen Baptisten Andrew Bryan und Hannah Bryan sowie Kate Hogg und Hagar Simpson. Mit seiner Ordination zum Gemeindepastor wurde George Liele der erste afroamerikanische Baptistenprediger der USA.[7]

Als Lieles ehemaliger Besitzer Henry Sharp 1778 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775–1783) auf Seiten der Royalisten fiel, versuchten Sharps Erben, George Liele erneut zu versklaven. Sie setzten zunächst seine Verhaftung durch, unterlagen aber vor Gericht aufgrund der Urkunden, die Liele vorlegen konnte. Da die Zeiten aber unsicher blieben, floh er mit seiner Ehefrau Hannah und seinen vier Kindern im Jahr 1783 nach Jamaika, das damals noch unter britischer Kolonialherrschaft stand. Auf dem Schiff, mit dem die Familie, nach Kingston segelte, befanden sich auch andere britische Royalisten sowie Angehörige britischer Truppen. Von Moses Kirkland, einem Oberst der britischen Armee, mit dem Liele sich nach seiner Haftentlassung angefreundet hatte, erhielt er einen Kredit, um die Kosten der Überfahrt zu begleichen. Kurz nach seiner Ankunft in Kingston fand Liele Arbeit und konnte innerhalb von zwei Jahren seine Schulden zurückzahlen.[8]

Liele begann sofort nach Ankunft unter entlassenen Sklaven und anderen Jamaikanern zu predigen. Dabei nahm er für seinen geistlichen Dienst keine Vergütungen an. Den Lebensunterhalt für sich und seine Familie verdiente er zunächst als landwirtschaftlicher Helfer und später mit Pferd und Wagen als selbständiger Spediteur. Seine Missionsarbeit blieb nicht ohne Frucht. Er taufte Hunderte von Jamaikanern, initiierte für sie örtliche Gemeinden, die sich unter seiner Leitung zu einem Gemeindebund zusammenschlossen. Aus ihm ging 1849 die Jamaica Baptist Union hervor.[9] Bis 1814 war durch sein Engagement die Zahl der jamaikanischen Baptisten direkt und indirekt auf etwa 8.000 angewachsen. Dabei wurde seine Arbeit immer wieder durch den Widerstand weißer Kolonisten und britischer Regierungsbehörden bedroht. So saß er unter anderem mehr als drei Jahre im Gefängnis. Liele, der das System der Sklaverei niemals öffentlich in Frage stellte, gilt aber dennoch als Wegbereiter für die Abschaffung der Sklaverei.[10]

George Liele verstarb in Kingston; seine Grabstätte ist unbekannt.[11]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • An Account of Several Baptist Churches, Consisting Chiefly of Negro Slaves: Particularly of One at Kingston, in Jamaica; and Another at Savannah in Georgia (1793). In: Unchained Voices. An Anthology of Black Authors in the English-speaking World of the Eighteenth Century. (Hrsg. Vincent Carretta). University Press of Kentucky: Lexington, 2004.
  • (gemeinsam Andrew Bryan:) Letters from Pioneer Black Baptists. In: Afro-American Religious History: A Documentary Witness (Hrg. Milton C. Sernett). Duke University Press: Durham (North Carolina), 1985.
  • Letters Showing the Rise and Progress of the Early Negro Churches of Georgia and the West Indies. Sketches of the Black Baptist Church at Savannah, in Georgia And of Their Minister Andrew Bryan (Extracted from Several Letters). In: Journal of Negro History, Nr. 1 (Jan. 1916). S. 69–92.

Literatur (Auswahl)

  • William H. Brackney: Historical Dictionary of the Baptist (= Historical Dictionaries of Religions, Philosophies, and Movements. Band 25). The Scarecow Press, Inc: Lanham, Maryland / London, 1999, S. 254 (Artikel Leile, George)
  • Christopher Brent Ballew, Moses Baker: The Impact of African-American Antecedents on the Baptist Foreign Missionary Movement, 1782-1825. Edwin Mellen Press: Lewiston, New York, 2004.
  • Walter H. Brooks: A History of Negro Baptist Churches in America. Press of R.L. Pendelton, Washington, D.C., 1910.
  • John W. Davis: George Liele and Andrew Bryan, Pioneer Negro Baptist Preachers. In: Journal of Negro History. Nr. 3 (1918). S. 119–127.
  • Sylvia Frey: Cultural Migrations: A Time-&-space Outline of Black Atlantic Evangelical Protestantism. In: African Diasporas in the New and Old Worlds: Consciousness and Imagination (Hrsg. Klaus Benesch, Geneviève Fabre). Rodopi: Amsterdam, New York, 2004.
  • John Parmer Gates: George Liele: A Pioneer Negro Preacher. In: The Chronicle, Nr. 3 (1943). S. 118–129.
  • Clement Gayle: George Liele: Pioneer Missionary to Jamaica. Kingston, Jamaica. Jamaica Baptist Union: Kingston, 1982.
  • Edward A. Holmes: George Liele: Negro Slavery’s Prophet of Deliverance. In: Baptist Quarterly, Nr. 20 (Oktober 1964), S. 340–51; 361. Siehe auch: Baptist History and Heritage. Nr. 1 (August 1965), S. 27–36.
  • Maya Jasanoff: Liberty’s Exiles: American Loyalists in the Revolutionary World. Alfred A. Knopf: New York, 2011.
  • Sydney Kaplan: The Black Presence in the Era of the American Revolution, 1770-1800. New York Graphic Society: Greenwich, 1973.
  • Artikel Liele, George. In: American National Biography. Nr. 13 (1999), S. 641; SP II.
  • Thomas Little: George Liele and the Rise of Independent Black Baptist Churches in the Lower South and Jamaica. in: Slavery & Abolition, Nr. 2 (1995); S. 188–204.
  • Colin A. Palmer: Encyclopedia of African-American Culture and History: The Black Experience in the Americas. Macmillan Reference USA, Detroit, MI 2006.
  • Carter Godwin Woodson: The History of the Negro Church. Associated Publishers, Washington, D.C. 1921.

Einzelnachweise

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