Gerhard Bahlsen

Verleger, Autor und Journalist From Wikipedia, the free encyclopedia

Gerhard Bahlsen (* 5. April 1905 in Hannover; † 6. Oktober 1975 in Berlin) war ein deutscher Verleger, Autor und Journalist.

Leben

Gerhard Bahlsen wurde 1905 als dritter Sohn des Fabrikanten Hermann Bahlsen und dessen Ehefrau Gertrud Bahlsen, geb. Fuess geboren. Seine Brüder waren Hans Bahlsen (1901–1959), Werner Bahlsen (1904–1985) und Klaus Bahlsen (1908–1991). Gerhard Bahlsen war der einzige Sohn und der einzige der vier Brüder, der nicht in das Familienunternehmen Bahlsen eintrat.[1]

Er studierte in München Philosophie und Kunstgeschichte. 1933 brach er sein Studium ab und trat als Teilhaber und Herausgeber der Reihe „Verpflichtung und Aufbruch“ in den Verlag Verlag Die Runde ein. Er arbeitete eng mit dem Verlagslektor René König zusammen, der nach dem Erscheinen seines Buches Vom Wesen der deutschen Universität in Die Runde 1935 in die Schweiz emigrierte. Bahlsen gab dem Verlag eine „wesentlich philosophische und gesamtkulturelle Linie“.[2] Bahlsen wagte noch 1934 und 1935 die Veröffentlichung der Werke jüdischer Autoren, u. a. von Helmuth Kuhn (1899–1991) und Karl Löwith (1897–1973), so 1935 die Herausgabe von Löwiths großer Nietzsche-Studie Nietzsches Philosophie der ewigen Wiederkunft des Gleichen, was angesichts der politischen Situation in NS-Deutschland, „beträchtlichen Mut“ erforderte.[3] Beide Autoren emigrierten, während Bahlsen eingezogen wurde. 1935 übernahm Bahlsen – nach der Flucht des Verlagsgründers Edwin Maria Landau ins Schweizer Exil – den Verlag und führte ihn bis 1943 fort.[4] Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Bahlsen zunächst in Hamburg, wo er das Nachtprogramm des Norddeutschen Rundfunks leitete, Artikel für Die Zeit verfasste und Das Fünf-Minuten-Lexikon veröffentlichte, das Beiträge namhafter Autoren (u. a. von Carl Friedrich von Weizsäcker, Günter Eich, Walter Jens) enthielt.

1949 heiratete Gerhard Bahlsen die u. a. in Hamburg und Berlin engagierte Bühnenschauspielerin und spätere Galeristin Manja Wodowoz (1925–2015). Ihre Kinder sind Sabine Bahlsen (* 1950, Sabine Jell-Bahlsen) und Simon Gerhard Bahlsen (* 1961).

Gerhard Bahlsen verkaufte nach dem Zweiten Weltkrieg den größten Teil seiner Anteile an der Firma Bahlsen an seinen älteren Bruder Hans Bahlsen und erwarb ein landwirtschaftliches Anwesen in Bayern. Bahlsen war Mitglied und Förderer der Gruppe 47 und ermöglichte als Gastgeber Austausch und Begegnungen zwischen den Schriftstellern.[5] Engen freundschaftlichen Kontakt pflegte er insbesondere mit Hans Werner Richter. Er bereiste Persien (Iran), Indien, Guatemala, Peru und Nigeria und veröffentlichte nach einem längeren Aufenthalt vor Ort Mexiko: Aufruhr und Beharrung (Stuttgart, Cotta, 1961), sowie mehrere Artikel.

Gerhard Bahlsen lebte mit seiner Familie sowohl in Bayern als auch in Berlin. Er starb am 6. Oktober 1975 in Berlin und wurde auf der Fraueninsel im Chiemsee beigesetzt.

Einzelnachweise

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