Gerhard Becherer

deutscher Experimentalphysiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Gerhard Moritz Becherer (* 15. Juni 1915 in Ahlsdorf; † 14. Juli 2003 in Rostock) war ein deutscher Experimentalphysiker und Hochschullehrer. Er unterrichtete an der Universität Rostock.

Gerhard Becherer

Leben

Gerhard Becherer wurde als einiges Kind des Fahrsteigers Moritz Becherer (* 13. Januar 1889; † 29. März 1982) und dessen Ehefrau Helene, geborene Sprunk (* 17. April 1893; † 26. Juni 1962), in Ahlsdorf im Mansfelder Land geboren. Vater und männliche Vorfahren waren seit vielen Generationen im Mansfelder Kupferschieferbergbau tätig. Die Eltern besaßen in Ahlsdorf ein Haus mit einem Gartenhäuschen, in dem Becherer nach seiner Emeritierung im Jahr 1980 und dem Tod seiner Ehefrau Helga, geborene Scheffler (* 29. September 1919; † 2. November 1997), zeitweise lebte. Gerhard und Helga Becherer sind die Eltern dreier Kinder.

Becherer besuchte ab seinem sechsten Lebensjahr die Grundschule in Ahlsdorf und ab Ostern 1925 die Oberrealschule in Eisleben in Eisleben. 1929 wurden das Luthergymnasium und die Oberrealschule zur „Staatlichen Luther-Schule“ vereinigt. Ostern 1934 legte er an dieser Schule das Abitur ab. Anschließend leistete er einen halbjährigen Pflichtdienst als „Arbeitsmann“ beim Reichsarbeitsdienst des Gaus Halle-Merseburg an den Baustellen der heutigen Bundesautobahn 9 sowie der inzwischen zerstörten Thingstätte in den Halleschen Brandbergen ab.[1]

Im Herbst 1934 begann Becherer sein Physikstudium an der Universität Halle und belegte die Fächer Mathematik, Physik und Chemie. Nach sechs Semestern Grundstudium und einer Zwischenprüfung begann er im November 1937 im Institut für Experimentelle Physik mit der Arbeit an seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Viskositätsmessungen von anisotropen Flüssigkeiten nach der Helmholtzschen Methode“. Die mündliche Prüfung legte er am 23. Februar 1940 ab und erhielt das Doktordiplom am 2. März 1942. Sein Doktorvater war der Physikochemiker Wilhelm Kast.[1] Einer seiner Hochschullehrer, bei denen er Praktika und Vorlesungen besuchte, war Karl Ziegler, der Erfinder der Normaldrucksynthese des Polyethylens. Dieser erhielt im Jahr 1963 zusammen mit Giulio Natta den Nobelpreis für Chemie.

Am 9. Januar 1940 wurde Becherer zum Wehrdienst einberufen. Er war Funker bei der Artillerie in Nordfrankreich und nahm ab 1941 am Deutsch-Sowjetischen Krieg teil. Am 12. Januar 1944 wurde er UK gestellt und als wissenschaftlicher Mitarbeiter (Physiker) an das Institut für Experimentelle Physik der Universität Halle dienstverpflichtet. Im Auftrag des Instituts arbeitete er vom 1. Februar 1944 bis zum 31. Mai 1945 im elektrotechnischen Labor des Unternehmens Carl Zeiss AG in Jena.[1]

Wirken

Im Jahr 1951 erhielt Becherer einen Lehrauftrag für Röntgenphysik an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Aufgrund der eingereichten Habilitationsarbeit „Über Feinstrukturuntersuchungen zur Klärung des Haftens von Kohleschichten an Porzellan“ und des Vortrags „Radioastronomie“ mit anschließendem Kolloquium am 21. April 1953 erhielt er die Lehrberechtigung für Experimentalphysik. Im selben Jahr wurde er vom Staatssekretariat für Hochschulwesen zum Dozenten ernannt. Die Ernennung zum Professor mit Lehrauftrag für das Fachgebiet Experimentelle Physik an derselben Fakultät erfolgte zum 1. Mai 1957. Außerdem leitete er vom 1. September 1954 bis zum 31. Mai 1956 das Physikalische Institut der Technischen Hochschule für Chemie Leuna-Merseburg.

Friedhof Ahlsdorf: Grabstein von Helga und Gerhard Becherer

Im Jahr 1958 wurde Becherer als Nachfolger von Paul Kunze auf den Lehrstuhl für Experimentalphysik an der Universität Rostock berufen. In diese Zeit fallen einerseits die Höhepunkte seiner beruflichen Karriere als Institutsdirektor (1958–1968), Dekan (1960) der Fakultät für Naturwissenschaft/Mathematik und Prodekan (1962–1964) sowie als Mitglied wissenschaftlicher Gesellschaften und Beiräte. Andererseits erfuhr er durch die Hochschulreform im Jahr 1968, wie viele seiner Kollegen, Zurücksetzungen aus politischen Gründen. Er verlor das Amt des Institutsdirektors. 1975 gründete er den Arbeitskreis Nichtkristalline und Partiellkristalline Strukturen und wurde als deren Leiter eingesetzt, ferner leitete er die Vereinigung für Kristallographie. Aus Becherers Arbeitsgruppe gingen 70 Promotionen und 26 Habilitationen hervor.

Becherer starb 2003 im Alter von 88 Jahren nach längerer Krankheit in Rostock. Seine Grabstätte sowie die seiner Ehefrau und seiner Eltern befinden sich auf dem Friedhof in Ahlsdorf.

Schriften

  • Messungen der Viskosität kristalliner Flüssigkeiten nach der Helmholtzschen Methode. Dissertationsschrift, Halle 1942.
  • Über Feinstrukturuntersuchungen zur Klärung des Haftens von Kohleschichten an Porzellan. Habilitationsschrift, Halle 1953.
  • Über die Bestimmung der Fehler-Erkennbarkeit in der Röntgenmikroskopie. Verl. Technik, Berlin 1952.

Mitgliedschaften

Ehrungen

Einzelnachweise und Anmerkung

Related Articles

Wikiwand AI