Gerhard Pastoors
deutscher Fußballspieler
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Gerhard Pastoors (* 15. Mai 1936 in Gelsenkirchen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Er war als Stürmer im damals üblichen WM-System auf allen Offensivpositionen einsetzbar.
In seiner Jugend spielte er von 1955 bis 1958 für Eintracht Gelsenkirchen in der 2. Liga West, wo er in 66 Ligaspielen 30 Tore erzielte. Dabei kam er in der Saison 1956/57 auf 14 Treffer in 28 Spielen und wurde auf diesen Erfolg hin im Mai 1957 für ein Spiel in die U-23-Juniorennationalmannschaft berufen.
Zwischen 1958 und 1963 absolvierte Pastoors für Rot-Weiss Essen, Viktoria 89 Berlin und den BC Augsburg insgesamt 88 Spiele in den Oberligen West, Berlin und Süd, in denen er 28 Tore erzielte.[1]
Laufbahn
Gelsenkirchen und Essen (bis 1961)
Pastoors begann seine fußballerische Laufbahn bei Eintracht Gelsenkirchen. Dort errang er zusammen mit seinen Mitspielern in der Saison 1954/55 die Meisterschaft in der Landesliga Westfalen, Gruppe 3, vor den Konkurrenten Union Günnigfeld und Arminia Ickern. In der anschließenden Endrunde um die Westfalenmeisterschaft setzte sich die Mannschaft gegen den VfB Bielefeld, die Sportfreunde Siegen, den Dortmunder SC sowie den Erler SV 08 durch und qualifizierte sich für die 2. Liga West.
In der Spielzeit 1955/56 erzielte Pastoors in 30 Ligapartien 13 Tore und etablierte sich damit im Vertragsfußball der zweiten Liga. Der Aufsteiger belegte den fünften Tabellenplatz. Ab der Saison 1956/57 verstärkten Heinz Hornig und Hans Nowak das Offensivspiel der Mannschaft. Pastoors, der bevorzugt als Mittelstürmer eingesetzt wurde, steigerte seine Torquote auf 14 Treffer in 28 Ligaspielen und rückte damit ins Blickfeld von Bundestrainer Sepp Herberger.
Am 26. Mai 1957 absolvierte Pastoors in Bayreuth ein Länderspiel für die deutsche U-23-Nationalmannschaft gegen die Tschechoslowakei, das mit einem 1:1-Unentschieden endete. Er wurde in der zweiten Halbzeit für Josef Marx eingewechselt; sein Vereinskollege Heinz Hornig spielte auf der linken Außenbahn.[2]
Zur Saison 1958/59 wechselte Pastoors zu Rot-Weiss Essen und spielte fortan in der Oberliga West. Sein Debüt gab er am 5. Oktober 1958, dem siebten Spieltag, bei einer 2:3-Heimniederlage gegen den VfL Bochum, wobei er auf der Position des rechten Halbstürmers eingesetzt wurde. Trainer Raymond Schwab formierte den Angriff mit Helmut Rahn, Pastoors, Karl Vigna, Franz Islacker und Peter Velhorn, während die Abwehr um Fritz Herkenrath und Heinz Wewers aufgebaut war.
Sein erstes Oberligator erzielte Pastoors am 19. Oktober 1958 beim 2:2-Auswärtsspiel gegen den FC Schalke 04, als er in der 35. Minute den Führungstreffer erzielte. Die Saison beendete Rot-Weiss Essen auf dem sechsten Tabellenplatz; Pastoors kam auf 19 Einsätze und sieben Tore. Damit erzielte er ebenso viele Treffer wie Willi Vordenbäumen und zwei weniger als Helmut Rahn. Die interne Torschützenliste wurde von Islacker mit zwölf Treffern angeführt.
In der Saison 1959/60 absolvierte Pastoors bis zum 20. Spieltag 18 Ligapartien und erzielte sieben Tore. Am 24. Januar 1960 bestritt er sein 20. Saisonspiel beim 5:1-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach, bei dem er als rechter Außenstürmer einen Treffer beisteuerte. Zu diesem Zeitpunkt belegte Rot-Weiss Essen mit 23:17 Punkten den fünften Tabellenplatz, und Pastoors war auf dem besten Weg, eine zweistellige Torquote zu erreichen. Kurz nach dem Spiel wurde Pastoors bei der Heimfahrt allerdings in einen Verkehrsunfall mit Todesfolge verwickelt. Aufgrund der erlittenen Verletzungen fiel er für den Rest der Saison aus.[3]
Trotz des tragischen Verlusts seiner Freundin und eines anschließenden Gerichtsverfahrens versuchte Pastoors in der Saison 1960/61 seine Karriere bei Rot-Weiss Essen fortzusetzen. Er kam jedoch nur noch auf neun Einsätze in der Oberliga, gemeinsam mit den Neuzugängen Werner Kik, Kurt Linder, Otto Rehhagel und Gustav Walenciak. Rot-Weiss Essen stieg am Saisonende in die 2. Liga ab.
Pastoors verließ daraufhin Essen und wechselte zur Saison 1961/62 nach Berlin zum BFC Viktoria.
Berlin und Augsburg (1961 bis 1966)
In Berlin begann Pastoors am 13. August 1961 mit einem 3:3-Unentschieden gegen den Spandauer SV. In dieser Partie erzielte er zwei Tore und agierte als Mittelstürmer neben Helmut Beeckmann, Günter Steinert und Werner Nocht.
Wenige Wochen später, am 30. August 1961, trat die deutsche Nationalmannschaft in einem Testspiel vor der Fußball-Weltmeisterschaft 1962 in Chile gegen eine Berliner Stadtauswahl an. Pastoors wurde in der zweiten Halbzeit für Lutz Steinert von Hertha BSC eingewechselt. Die Stadtauswahl setzte sich überwiegend aus Spielern von Hertha BSC, Tennis Borussia und Tasmania 1900 zusammen.[4]
Am 10. Dezember 1961 erzielte Pastoors beim überraschenden 2:1-Auswärtssieg von Viktoria 89 gegen Hertha BSC den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer. Zum Saisonende hatte er 22 Ligaspiele absolviert und zehn Tore erzielt.
Nach nur einer Spielzeit in Berlin wechselte er zur Saison 1962/63 zum BC Augsburg. Die anschließende Saison verlief für Pastoors und seinen neuen Verein enttäuschend. Der Klub belegte am Saisonende den letzten Tabellenplatz der Oberliga Süd. Pastoors kam in dieser Spielzeit auf 20 Einsätze und erzielte vier Tore.
In der folgenden Saison 1963/64 trat der BCA in der neu gegründeten zweitklassigen Regionalliga Süd an. Trotz der Verstärkung durch Altnationalspieler Ulrich Biesinger konnte der Verein die Erwartungen nicht erfüllen und stieg als Tabellenneunzehnter in das Amateurlager ab. Pastoors absolvierte 28 Ligaspiele und erzielte sieben Tore.
Nach dem Abstieg verließ Pastoors den Verein und kehrte erneut nach Berlin zurück, wo er sich abermals dem BFC Viktoria anschloss. In der Saison 1964/65 erzielte Pastoors zehn Tore in 24 Ligaspielen. In der folgenden Spielzeit 1965/66 stieg der Verein jedoch aus dem Vertragsspielerlager in den Amateurbereich ab.
Mit diesem Abstieg endete die höherklassige Laufbahn von Gerhard Pastoors im deutschen Fußball.
Literatur
- Hardy Grüne, Lorenz Knieriem: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 8: Spielerlexikon 1890–1963. Agon-Sportverlag, Kassel 2006, ISBN 3-89784-148-7, S. 286.
- Christian Karn, Reinhard Rehberg: Spielerlexikon 1963 bis 1994. Agon-Verlag, Kassel 2012, ISBN 978-3-89784-214-4, S. 375.
- Georg Schrepper, Uwe Wick: „...immer wieder RWE!“ Die Geschichte von Rot-Weiss Essen. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2004, ISBN 3-89533-467-7.