Gerhard Thiele (SS-Mitglied)

deutscher Lehrer, NSDAP-Kreisleiter und Kriegsverbrecher From Wikipedia, the free encyclopedia

Gerhard Joachim Richard Thiele, zuletzt Gerhard Lindemann (* 29. April 1909 in Stettin[1]; † 30. Juni 1994 in Düsseldorf) war ein deutscher Lehrer und NSDAP-Kreisleiter in Gardelegen und als solcher gemeinsam mit dem SS-Hauptscharführer Erhard Brauny einer der Verantwortlichen für das Massaker in der Isenschnibber Feldscheune am 13. April 1945, bei dem 1.016 Häftlinge aus den KZ Mittelbau-Dora und Hannover-Stöcken ermordet wurden.

Zum 1. Juni 1931 war er der NSDAP beigetreten (Mitgliedsnummer 547.687).[2] In der SS hatte er den Rang eines SS-Obersturmbannführers und in der Wehrmacht den Dienstgrad eines Oberleutnants erreicht.

Am 14. April 1945 wurde er letztmals in Gardelegen gesehen; seine Ehefrau und die beiden Kinder ließ er dort zurück. Am 30. April 1945 geriet er in der Nähe von Stendal in Gewahrsam der US-Armee und blieb bis Ende Januar 1946 in Internierungslagern inhaftiert. Seine maßgebliche Beteiligung als Initiator des Massakers von Gardelegen blieb zunächst unentdeckt. Ermittlungen west- und ostdeutscher Behörden, darunter das Landeskriminalamt Niedersachsen, die Staatsanwaltschaft Magdeburg sowie das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, führten über Jahre hinweg zu keinem Ergebnis.

Erst Ende der 1990er-Jahre wurde die Nachkriegslaufbahn von Gerhard Thiele aufgearbeitet. Bereits im Oktober 1991 hatte die Staatsanwaltschaft Stendal einen Haftbefehl wegen Mordes in mindestens 1.016 Fällen gegen ihn erlassen. Nach seiner Entlassung aus amerikanischer Internierung lebte Thiele in der britischen Besatzungszone und war als Sänger und Schauspieler bei einer Wanderbühne im Ruhrgebiet tätig. Ab 1951 wohnte er in Düsseldorf und arbeitete erfolgreich in der Messebranche. Er lebte mit einer Lebensgefährtin zusammen, die nach eigenen Angaben keine Kenntnis von seiner Vergangenheit hatte. In seinen letzten Lebensjahren befand sich Thiele aufgrund von Verfolgungsängsten in psychiatrischer Behandlung. Er starb am 30. Juni 1994 im Alter von 85 Jahren, ohne jemals strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden zu sein.[3]

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI