Gertrude Ederle

US-amerikanische Schwimmerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Gertrude Caroline Ederle (* 23. Oktober 1905 in New York City, New York; † 30. November 2003 in Wyckoff, New Jersey) war eine US-amerikanische Schwimmerin deutscher Herkunft. Sie war die erste Frau, die den Ärmelkanal durchschwamm.

Gertrude Ederle, 1930

Leben

Frühe Jahre

Gertrude Ederle war die Tochter der deutschen Auswanderer Heinrich („Henry“) Ederle und Gertrude Anna Ederle, geborene Haberstroh.[1] Sie lernte angeblich im Frühjahr 1914 bei einem Besuch bei Verwandten im Bissinger See (Landkreis Esslingen) das Schwimmen.[2]

Bereits mit zwölf Jahren stellte sie den ersten Weltrekord über 800 m Freistil auf. Sie brach in den folgenden Jahren elf weitere Weltrekorde und gewann bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris eine Goldmedaille in der 4-mal-100-Meter-Freistilstaffel und zwei Bronzemedaillen über 100 und 400 Meter Freistil. Seit 1925 trainierte sie Langstrecke im Freiwasser.[1]

Ärmelkanalüberquerung

Am 18. August 1925 unternahm Ederle ihren ersten Überquerungsversuch, der jedoch nach acht Stunden durch ein Missverständnis ihrer Begleiter abgebrochen wurde.[3]

Am 6. August 1926 durchschwamm sie dann als erste Frau den Ärmelkanal zwischen Cap Gris-Nez und Dover. Zum Schutz vor dem kalten Salzwasser rieb sie sich mit Wollfett, Schweineschmalz und Olivenöl ein. Außerdem trug sie einen von ihr und ihrer Schwester gemeinsam entwickelten zweiteiligen Schwimmanzug. Die Durchschwimmung wurde durch Regen, Sturm, hohen Wellengang und Strömung erschwert, weshalb sie statt der kürzesten Distanz von 34 km insgesamt 56 km zurücklegte.[4][5] Sie benötigte 14 Stunden und 32 Minuten und war damit über zwei Stunden schneller als der bisherige Weltrekordhalter am Ziel.

Betreut wurde sie von ihrem Trainer William Burgess, der 1911 ebenfalls den Ärmelkanal durchschwommen hatte, jedoch 16 Versuche dafür benötigt hatte.[3]

Parade für Gertrude Ederle 1926 am Broadway, New York City, mit großer Menschenmenge

Am 27. August 1926 wurde eine Konfettiparade für sie im New Yorker Financial District veranstaltet, an der schätzungsweise zwei Millionen Zuschauer teilnahmen.[6] US-Präsident Calvin Coolidge empfing sie im Weißen Haus zu einer Sonderaudienz. Sie wurde außerdem zur Ehrenbürgerin von New York ernannt.[7] 1927 hatte sie einen zehnminütigen Gastauftritt in der romantischen Komödie Swim, Girl, Swim (dt. Titel: Die Rekord- und Herzensbrecherin).

Der deutsche Langstreckenschwimmer Ernst Vierkötter verbesserte den Kanal-Rekord drei Wochen später mit einer neuen Weltrekordzeit von 12 Stunden und 42 Minuten.[3]

Ihr Weltrekord der Frauen wurde 1950 von der US-Amerikanerin Florence Chadwick in 13 Stunden und 20 Minuten unterboten. Ederle hat diesen neuen Rekord nie anerkannt, denn die meteorologischen Bedingungen mit weniger Wellengang waren für Chadwick besser.[6]

Gertrude Ederle zu Ehren entstand 1926 ein von Charles Tobias und Al Sherman komponierter Song namens „Trudy“.[8]

Erkrankung

Ederle war bereits seit ihrer Kindheit infolge einer Maserninfektion schwerhörig. Als ihre Trommelfelle bei der Durchquerung des Ärmelkanals vom Salzwasser angegriffen wurden, begann sie zu ertauben, blieb ihrer Leidenschaft aber treu und betätigte sich als Schwimmlehrerin für taube Kinder.[9] 1929 diagnostizierte ihr Arzt eine künftige vollständige Ertaubung, die spätestens 1940 eintrat.[3]

1933 wurde sie durch eine Wirbelsäulenverletzung gelähmt. Mit unermüdlichem Training gelang es ihr jedoch bis 1939, wieder laufen zu lernen. Auch das Schwimmen gelang ihr später wieder. Unter Präsident Eisenhower wurde sie in den Beirat für Jugendertüchtigung aufgenommen.[7]

Tod

Gertrude Ederle starb 2003 im Alter von 98 Jahren und wurde auf dem Woodlawn Cemetery beigesetzt.[10]

Ehrungen

Literatur

  • Im Kampf mit dem Kanal. In: Herbert Günther: Rekord-Rekord, Volk und Buch Verlag, Leipzig, 1950, S. 92–103
  • Anne-Kathrin Kilg-Meyer: Gertrude Trudy Ederle. Eine Schwimmerin verändert die Welt. Verlag Eriks Buchregal, Kellinghusen 2020, ISBN 978-3-9818798-3-4.[12]
  • Glenn Stout: Young Woman and the Sea: How Trudy Ederle Conquered the English Channel and Inspired the World. Boston/New York 2009, ISBN 978-0-618-85868-2.
  • Kerstin Ehmer: Heldinnen der Meere. Sechzehn Frauen und ihr Leben für die Ozeane. mareverlag, Hamburg 2026, ISBN 978-3-86648-746-8.

Film

Commons: Gertrude Ederle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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