Geruchs- und Geschmackshalluzinationen
Halluzination(en) von Geruchs- und Geschmackssinn
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Geruchshalluzinationen lassen sich von Geschmackshalluzinationen oft schlecht trennen,[1] sie werden deshalb hier gemeinsam behandelt. Es handelt sich um psychopathologische Symptome.
Begrifflichkeit
Geruchshalluzinationen decken sich in der Wortbedeutung mit Phantosmie. Da sie meist unangenehm sind, kann der Begriff Kakosmie (altgriechisch κακός kakós, deutsch ‚schlecht‘)[2] verwendet werden.
Es bestehen Überschneidungen und Unklarheiten bei Begriffen wie Dysosmie, Hyperosmie, Parosmie und Phantosmie/Geruchshalluzinationen.[3]
Ursachen (Ätiologie)
Bei psychiatrischen Erkrankungen (v. a. Schizophrenie),[1] aber auch z. B. im Rahmen anderer psychiatrischer Erkrankungen wie Depression und von Epilepsie (Unzinatus-Anfälle), Tumoren,[4] also bei neurologischen Erkrankungen (auch bei SARS-CoV-2-Infektion).[5]
Beschreibung
Meist sind es unangenehme Empfindungen (Kohlendunst, Schwefelgeruch, stinkende Luft),[6] selten angenehme. Geschmackshalluzinationen treten auf, ohne dass der Patient etwas gegessen hat, Geruchshalluzinationen auch bei Zuhalten der Nasenöffnungen. Geruchs- und Geschmackshalluzinationen kommen auch gemeinsam vor. Die Patienten riechen Gase oder meinen, das Essen schmecke bitter, nach Kot, Leichen o.a.
Bei schweren Depressionen mit psychotischen Symptomen findet man bei systematischem Nachfragen nicht selten Wahrnehmung von Leichen- oder Fäulnisgeruch, oft verbunden mit Gedanken, dass andere dies auch merken und die Kranken meiden.[4]
Es gibt auch den Eigengeruchswahn (der dann im eigentlichen Sinne keine Sinnestäuschung, sondern eine wahnhafte Vorstellung ist). Hier ist der üble Geruch, der vom Kranken ausgeht, das hervorstechende Symptom.[4]
Beispiele
„Letzte Woche hat es einmal ein bißchen nach Verwesung gerochen, ich habe mir kurz überlegt, wo das herkommen könnte“. „Auf einmal hatte ich einen richtig fauligen Geschmack im Mund“.[7]
Diagnostik
Die Symptome werden in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert.[8] Da sie von Patienten meist nicht ohne Aufforderung berichtet werden, werden sie oft übersehen und müssen erfragt werden. Mögliche Bespielfragen: „Haben Sie eigenartige Gerüche bemerkt, z. B. Gas?“[9] „Haben Sie Dinge geschmeckt, die irgendwie nicht sein konnten?“[10] Der Patient soll die Empfindungen dann exakt beschreiben, was nicht immer gelingt.
Nach Zuhalten der Nase kann der Patient oft realisieren, dass die Gerüche nicht von außen kommen können.
Therapie
Im Rahmen der Grundkrankheit. In einem Fallbericht verschwand eine langanhaltende Phantosmie unter Behandlung mit Venlafaxin.[11]
Literatur
- Das AMDP-System. Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. 11. Auflage. Hogrefe, 2023, ISBN 978-3-8017-3193-9.