Geschichte Sri Lankas
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Die Geschichte Sri Lankas umfasst die Entwicklungen auf der Insel Sri Lanka (ehemals Ceylon) von der Urgeschichte bis in die Gegenwart. Sri Lanka blickt auf eine lange kontinuierliche Besiedlungsgeschichte zurück, mit archäologischen Nachweisen menschlicher Präsenz, die bis 125.000 Jahre und möglicherweise noch weiter zurückreichen. Ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. entwickelten sich auf der Insel komplexe Gesellschaften und städtische Zentren wie Anuradhapura und Polonnaruwa, die zugleich Hochburgen des Theravada-Buddhismus wurden. In der Folgezeit prägten rivalisierende singhalesische und tamilische Reiche das politische Gefüge, bevor die Insel unter die Kontrolle portugiesischer, niederländischer und schließlich britischer Kolonialherren geriet. Nach der Unabhängigkeit 1948 kam es im Land zu zunehmenden Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen, die 1983 in einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg mündeten. Erst 2009 endete dieser Konflikt mit einem militärischen Sieg der Regierung. Seither durchläuft das Land einen anhaltenden Transformationsprozess, der von politischen Machtwechseln und wirtschaftlichen Krisen (z. B. Wirtschaftskrise in Sri Lanka ab 2019) geprägt wurde.

Frühzeit und erste Königreiche

Geologisch gesehen ist Sri Lanka eine Verlängerung des indischen Subkontinents, die sich möglicherweise erst vor relativ kurzer Zeit, nämlich im Miozän (vor etwa 25 bis 5 Millionen Jahren), vom Festland getrennt hat.[1] Durch die Schwankung des Meeresspiegels war Sri Lanka immer wieder mit Indien verbunden, was Besiedelung und kulturellen Austausch erleichterte.[2] Archäologische Untersuchungen belegen, dass die Insel bereits vor etwa 75.000 bis 125.000 Jahren von frühen Menschen bewohnt war.[1] Wahrscheinlich geht die menschliche Besiedlung der Insel bis zu 300.000 Jahre zurück und möglicherweise sogar bis zu 500.000 Jahre.[2] In jüngerer Zeit entdeckte man in der Höhle Fa-Hien Lena im Südwesten Sri Lankas Knochenpfeilspitzen, die auf ein Alter von rund 45.000 bis 48.000 Jahren datiert werden, der bisher früheste gefundene Nachweis für den Gebrauch von Pfeil und Bogen außerhalb Afrikas.[3] Diese frühen Bewohner lebten als Jäger und Sammler und nutzten einfache Steinwerkzeuge; ab etwa 26.000 Jahren v. Chr. treten auch feinere Geräte aus Quarzit und Hornstein auf. Um das 9. Jahrhundert v. Chr. begann die Bevölkerung mit Ackerbau und Bewässerungsexperimenten und machte Gebrauch von ersten eisernen Werkzeugen.[1] Vor 7000 Jahren war Sri Lanka letztmals mit dem indischen Festland verbunden.[2]
Die schriftliche Überlieferung Sri Lankas setzt mit buddhistischen Chroniken ein. Die Dipavamsa („Inselchronik“, 4. Jahrhundert n. Chr.) und die darauf basierende Mahavamsa („Große Chronik“) schildern die legendäre Gründung des ersten singhalesischen Königreichs. Demnach landete Prinz Vijaya aus Nordindien mit 700 Gefolgsleuten im 5. Jahrhundert v. Chr. an der Westküste der Insel. Der Legende zufolge besiegte er dort mythische Yaksha-Wesen und begründete eine Dynastie. Historisch gesichert ist, dass um diese Zeit indoiranischsprachige Siedler aus Nordindien einwanderten. Linguistische und archäologische Befunde deuten auf mehrere Migrationswellen hin – sowohl aus dem Nordwesten Indiens (etwa aus Gujarat) als auch später aus dem Nordosten (Region Bengalen/Orissa). Parallel dazu wanderten ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. möglicherweise auch dravidische Gruppen aus Südindien ein, die sich vor allem im Norden der Insel niederließen. Der ersten städtischen Siedlungen entwickelten sich bereits um das 10. Jahrhundert v. Chr. nahe Anuradhapura im nordzentralen Tiefland.[1] Um ca. 700 bis 600 v. Chr. hatte der Ort bereits eine Größe von 50 Hektar und kann damit als Stadt gelten.[2] Traditionell wird die Gründung des Reiches von Anuradhapura dem König Pandukabhaya im 4. Jahrhundert v. Chr. zugeschrieben, unter dessen Herrschaft sich Anuradhapura zur ersten Hauptstadt Sri Lankas entwickelte.[1][4]
Die These, dass die indoarischen Migranten als Kultur- und Zivilisationsbringer auf der Insel gewirkt hätten, wird in der moderneren Forschung zunehmend angezweifelt. So waren Landwirtschaft, Bewässerung und die Nutzung von Eisen und Töpferei schon davor bekannt gewesen. So stellte das „arische“ singhalesische Königreich und seine Kultur womöglich eine Synthese aus indigenen, dravidischen und indoarischen Elementen dar.[1]
Einführung des Buddhismus

Einen prägenden Einschnitt in der Frühgeschichte markiert die Einführung des Buddhismus. Der Überlieferung nach sandte der indische Maurya-Kaiser Ashoka im 3. Jahrhundert v. Chr. eine Missionsdelegation unter Leitung seines Sohnes Mahinda nach Sri Lanka. König Devanampiya Tissa von Anuradhapura konvertierte der Legende zufolge nach einer Begegnung mit Mahinda am Berg Mihintale zum Buddhismus. In Anuradhapura wurden daraufhin Klöster gegründet und ein Zweig des heiligen Bodhi-Baumes aus Indien feierlich gepflanzt. Diese Ereignisse begründeten die bis heute andauernde Rolle des Theravada-Buddhismus als Hauptreligion der Singhalesen. Bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. war der Buddhismus auf der Insel weit verbreitet und trug wesentlich zur kulturellen Einheit und Identität der frühen singhalesischen Zivilisation bei. Neben dem Buddhismus gab es jedoch auch andere Glaubensgemeinschaften: So verweist die Mahavamsa auf ein Jain-Kloster und die Anwesenheit von Brahmanen (Hindu-Priester) in jener Zeit. Als Staatsreligion spielte der Buddhismus eine dominante Rolle in Politik und Gesellschaft. Könige bauten, unterhielten und stifteten viele Schreine und Klöster und griffen ein, um Ordnung zu schaffen und Spaltungen innerhalb der buddhistischen Gemeinschaft zu verhindern. Das buddhistische Sri Lanka war von einem Kastensystem geprägt, das weniger strikt als das in Indien war.[1]
Anuradhapura-Periode

In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Königreich von Anuradhapura zum größten Machtzentrum der Insel. König Dutthagamani (Dutugämunu) konnte um 161–137 v. Chr. rivalisierende Fürstentümer unterwerfen, die Tamilen vertreiben und so die politische Einheit eines Großteils Sri Lankas erstmals herstellen.[5] Die Herrscher von Anuradhapura förderten den Buddhismus und errichteten monumentale Stupas (z. B. Thuparamaya und Abhayagiri) und weitläufige Bewässerungsanlagen für den Reisanbau. Eine besondere Blüte erlebte das Reich unter der Lambakanna-Dynastie (ca. 1.–4. Jh. n. Chr.): König Mahasena (276–303) etwa ließ zahlreiche Stauseen und Kanäle bauen, die die Grundlage der „hydraulischen Zivilisation“ im trockenen Norden bildeten. Die Hauptstadt Anuradhapura wuchs kontinuierlich und wurde zum Zentrum einer hochentwickelten buddhistischen Kultur.[1] Im 1. Jahrhundert n. Chr. begann der Handel und kulturelle Austausch mit dem Römischen Reich und China.[6][7]
Über die Jahrhunderte sah sich das Reich jedoch wiederholt Invasionen aus Südindien ausgesetzt. Bereits 432 n. Chr. beendete ein Einfall der südindischen Pandya vorübergehend die singhalesische Herrschaft. Im 5. Jahrhundert verlegte König Kashyapa I. die Hauptstadt zeitweise nach Sigiriya, um sich auf dem dortigen Felsen vor Machtkämpfen zu schützen. Ab dem 7. Jahrhundert nahmen Einflüsse der Tamilen weiter zu, teils durch angeworbene Söldner in königlichen Diensten. Die Könige von Anuradhapura waren oft in die dynastischen Konflikte südindischer Reiche (Pallava, Pandya, Chola) verwickelt. Im späten 10. Jahrhundert schließlich nutzten die südindischen Chola die inneren Schwächungsprozesse des Anuradhapura-Reiches und eroberten nacheinander die Insel: 993 n. Chr. fiel der Norden (Rajarata) an das Chola-Reich, und bis 1017 war auch der Süden von den Invasoren besetzt. Damit endete die über tausendjährige Anuradhapura-Periode.[1]
Polonnaruwa-Periode und Zerfall der politischen Einheit

Nach zwei Jahrzehnten unter fremder Herrschaft gelang es den Singhalesen, die Chola zurückzuschlagen. Vijayabahu I. befreite 1070 die Insel von der Chola-Besatzung und verlegte die Hauptstadt nach Polonnaruwa im Osten, das strategisch günstiger gegen neue Angriffe zu verteidigen war. Das Königreich Polonnaruwa markiert eine neue Blütezeit. Unter König Parakramabahu I. (1153–1186) erreichte Sri Lanka einen Höhepunkt an Wohlstand und kultureller Entwicklung. Parakramabahu betrieb auch eine aktive Außenpolitik, er entsandte Flotten nach Birma und intervenierte in dynastische Konflikte Südindiens, doch blieben diese Expeditionen ohne dauerhaften Erfolg. Innenpolitisch förderte er Großprojekte wie den gewaltigen Stausee Parakrama Samudra, der über 2.000 Hektar Fläche umfasste. Nach Parakramabahus Tod folgten jedoch Thronkämpfe und eine Schwächung der Zentralmacht, als die indischen Kalinga auf den Thron gelangten.[1] Ab 1215 nutzte der aus Kalinga stammende Usurpator Kalinga Magha die Wirren, besetzte Polonnaruwa mit 24.000 Mann und herrschte mehr als 20 Jahre mit großer Härte und Grausamkeit. Er ließ den buddhistischen Klerus und die singhalesische Eliten verfolgten.[8] Seine Gewaltherrschaft führte zu Verwüstung und dem Zusammenbruch der politischen Einheit, während seine Misswirtschaft zu Hungersnöten führte. Bis 1236 ging die Herrschaft von Polonnaruwa endgültig unter, und die politische Macht verlagerte sich in den Süden und das zentrale Bergland.
In den folgenden Jahrhunderten existierten mehrere kleinere singhalesische Königreiche parallel. Die königliche Hauptstadt wechselte im 13. und 14. Jahrhundert zwischen verschiedenen Orten (Dambadeniya, Yapahuwa, Gampola u. a.), was mit einem allmählichen Bevölkerungsschwerpunkt im Südwesten einherging, während der Nordteil zeitweise verfiel und das landwirtschaftliche Bewässerungssystem vernachlässigt wurde, was zum Niedergang der Landwirtschaft und dem Vordringen des Dschungels führte. Zugleich erstarkte im Norden ein eigenständiges tamilisches Königreich: Die aus Südindien stammende Dynastie der Arya Chakravarti etablierte sich um 1300 im Gebiet von Jaffna und kontrollierte fortan die ganze Jaffna-Halbinsel. Dieses Königreich Jaffna stand in ständiger Rivalität zu den singhalesischen Reichen im Süden. Im 15. Jahrhundert gelang König Parakramabahu VI. von Kotte (Regierungszeit 1412–1467) kurzzeitig die Wiedervereinigung großer Teile der Insel. Doch zerfiel das Reich nach seinem Tod, und neue Mächte traten auf: Kotte wurde durch Thronstreitigkeiten geschwächt, während sich im Hochland das Königreich Kandy als unabhängiger Staat behauptete. Die Insel sah sich immer wieder mit ausländischen Invasionen konfrontiert, so von den Malaien (13. Jahrhundert) und der indischen Vijayanagar (15. Jahrhundert). Anfang des 15. Jahrhunderts erreichte die Flotte von Zhang He die Insel und lokale Königreiche unterwarfen sich dem chinesischen Ming-Kaiser. Bei Ankunft der Europäer um 1505 war Sri Lanka politisch in mehrere Reiche fragmentiert – vor allem in das Küstenreich Kotte im Südwesten, das Königreich Kandy im zentralen Bergland und das tamilische Jaffna im Norden.[1]
Mit dem Niedergang der Bewässerungslandwirtschaft ging ein Verlust der ökonomischen Komplexität und ein Rückfall auf die Subsistenzlandwirtschaft einher. Der Außenhandel wurde eine wichtige Einahmequelle für die Könige, wobei Gewürze wie Zimt und Pfeffer über Häfen wie Galle und Colombo exportiert wurden, wo sich auch Ausländer ansiedelten. Ab dem 10. Jahrhundert dominierten die Araber diesen Handel mit der Insel und 1283 entsendete König Bhuvanaikabahu I. eine Mission an den Hof des Mamlukensultanats in Ägypten, um ein Handelsabkommen abzuschließen. Das alte Steuersystem wurde in der Zeit der politischen Dezentralisierung durch ein System der Fronarbeit ersetzt, was zu einem Rückgang der Geldmenge führte und Städte sowie Armeen schrumpften. Die Aufgabe der religiösen Zentren und Klöster in Anuradhapura and Polonnaruwa führte auch zu einem Rückgang des Einflusses des buddhistischen Klerus, obwohl dieser weiter von Adel und Königen unterstützt wurde. Ausgehend vom tamilischen Königreich Jaffna stieg der Einfluss des Hinduismus und Hindu-Deva wurden in die lokalen buddhistischen Kulte aufgenommen. Jaffna wurde zu einem wichtigen religiösen Zentrum des tamilischen Hinduismus und der Zuzug vom indischen Festland führte dazu, dass der Norden Sri Lankas sich kulturell, sprachlich und religiös den Tamilengebieten in Südindien anglich. Die tamilische Sprache (mit eigenständigem Idiom) schlug tiefe Wurzeln auf der Insel und wurde zu einer der Hauptsprachen Sri Lankas.[1]
Kolonialzeit
Portugiesische Herrschaft

Im Jahr 1505 wurde eine portugiesische Flotte unter Lourenço de Almeida an die Küste Ceylons (so der europäische Name der Insel) abgetrieben und landete in Colombo. Die Portugiesen erhielten vom König von Kotte, Vira Parakrama Bahu, zunächst Handelsrechte und durften ab 1518 einen befestigten Handelsposten in Colombo errichten. In den folgenden Jahrzehnten mischten sie sich immer stärker in die inneren Machtkämpfe ein: Als 1521 das Königreich Kotte unter drei rivalisierenden Prinzen aufgeteilt wurde, verbündete sich der eine Bruder mit den Portugiesen, während ein anderer (König Mayadunne von Sitawaka) zum erbitterten Gegner der europäischen Eindringlinge wurde. Die Portugiesen nutzten diese Spaltung aus und bauten ihren Einfluss aus, indem sie zunächst Kotte schützten und später faktisch kontrollierten. Der junge König Dharmapala von Kotte, ein Enkel Vira Bahus, wurde unter portugiesischer Obhut erzogen und trat sogar zum Christentum über (1557). Dadurch verlor die alte Dynastie in den Augen vieler Singhalesen an Legitimität, und Mayadunne führte einen Krieg gegen Kotte und die portugiesischen Verbündeten. Schließlich sah sich Dharmapala gezwungen, 1580 sein Reich testamentarisch an Portugal zu überschreiben. Nach seinem Tod 1597 übernahmen die Portugiesen Kotte endgültig als Kolonie.[1]

Parallel dazu versuchten die Portugiesen, auch das tamilische Königreich Jaffna zu unterwerfen. Eine erste Invasion 1560 scheiterte zwar, doch 1591 konnte ein portugiesischer Günstling auf den Thron von Jaffna gesetzt werden. Anhaltende Unruhen führten 1619 zur dritten Expedition, infolge derer Jaffna annektiert und dem portugiesischen Herrschaftsbereich einverleibt wurde. Um 1620 kontrollierten die Portugiesen den größten Teil der Insel, mit Ausnahme des zentralen Hochlands. Dort hatte der singhalesische Fürst Vimaladharmasuriya die Herrschaft übernommen und das unabhängige Königreich Kandy gefestigt. Die Portugiesen unternahmen zwar mehrere Feldzüge gegen Kandy, doch blieb dieses dank seiner gebirgigen Lage und geschickter Taktik seiner Herrscher unbesiegt. Der Rest des Landes wurde in Verwaltungsbezirke eingeteilt und von portugiesischen Verwaltern regiert, denen einheimische Adelige dienten. Unter portugiesischer Kolonialherrschaft veränderte sich die einheimische Gesellschaft stark: Die katholische Mission (Franziskaner, Jesuiten und andere Orden) erzielte insbesondere in Küstenregionen zahlreiche Übertritte. Gleichzeitig monopolisierten die Portugiesen lukrative Exportgüter wie Zimt, Elfenbein, Perlen und Betelnüsse und integrierten die vorhandenen Verwaltungsstrukturen in ihr Kolonialsystem, ohne die einheimische Kultur vollständig zu durchdringen.[1]
Niederländische Herrschaft
Die Fremdherrschaft der Portugiesen währte rund 150 Jahre, bis im 17. Jahrhundert die Niederländer auf den Plan traten. Der König von Kandy, Rajasinha II., suchte in den Niederländern Verbündete, um die Portugiesen zu vertreiben. Bereits 1638 schloss er einen Vertrag mit der Niederländischen Ostindien-Kompanie ab, die im Gegenzug für Handelsmonopole militärische Hilfe zusicherte. In den Jahren 1638–1640 eroberten niederländische Truppen mit Unterstützung Kandys wichtige Küstenfestungen (Trincomalee, Batticaloa, Galle) von den Portugiesen. Allerdings verweigerten die Niederländer anschließend die Herausgabe dieser Gebiete an Kandy und offenbarten so ihre eigenen Kolonialambitionen. Nach wechselvollen Konflikten gelang es den Niederländern schließlich, die letzten portugiesischen Stützpunkte zu erobern: 1658 fiel Colombo nach langer Belagerung, und bis Juni 1658 waren auch Mannar und Jaffna in ihrer Hand. Damit hatten die Niederländer die Portugiesen als Kolonialherren auf Ceylon abgelöst.[1]
Die niederländische Herrschaft (1658–1796) beschränkte sich – ähnlich wie die der Portugiesen – vornehmlich auf die Küstenregionen. Das Königreich Kandy im Inland blieb formal unabhängig und lieferte sich mit den Niederländern einen Machtkampf, in dessen Verlauf es zeitweise Allianzen und ebenso oft Konflikte gab. Die Niederländer betrieben Ceylon als Teil ihres asiatischen Handelsimperiums mit dem Schwerpunkt auf profitablen Exportgütern (insbesondere Zimt, für den sie ein Handelsmonopol besaßen). Anders als die katholischen Portugiesen förderten sie die reformierte Kirche: Katholiken wurden diskriminiert, und manche von den Portugiesen errichtete Missionen wurden geschlossen. Trotzdem hinterließ die niederländische Ära weniger kulturelle Spuren als die portugiesische, allerdings wurden wichtige wirtschaftliche Impulse gesetzt und die Insel im Rahmen von niederländischen Handelsmonopolen enger in den Welthandel integriert. Auch bemührten sich die Niederländer um eine Verbesserung der Infrastruktur und bauten Kanäle. Verwaltungstechnisch führten die Niederländer viele einheimische Institutionen fort und legten beispielsweise Landregister (tombo) zur effizienteren Besteuerung an. Drei Verwaltungsbezirke in Colombo (Hauptstadt), Galle und Jaffna wurde von einem niederländischen Verwalter regiert, mit singhalesischen und tamilischen Adeligen als Untergebenen. Insgesamt dauerte die niederländische Kolonialphase ebenfalls fast 140 Jahre, bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Konkurrenz durch Großbritannien wuchs.[1]
Britische Kolonialherrschaft

Großbritannien nutzte die Schwäche der Niederlande während der Napoleonischen Kriege, um Ceylon zu annektieren. 1796 besetzten britische Truppen zunächst die niederländischen Küstengebiete, nachdem die Niederlande (als von Frankreich besetzte Macht) kapituliert hatten. Im Frieden von Amiens 1802 wurde Ceylon offiziell als britische Kronkolonie anerkannt. Die Briten waren entschlossen, die gesamte Insel unter ihre Kontrolle zu bringen, und wandten sich bald dem letzten autonomen Gebiet zu – dem Königreich Kandy. Nach einem ersten gescheiterten Expeditionsversuch 1803 gelang es den Briten 1815, den König mit Hilfe verräterischer Adliger abzusetzen. Mit der Unterzeichnung der Konvention von Kandy (1815) wurde das Hochland an die Briten übergeben, womit die gesamte Insel Sri Lanka unter einer Herrschaft vereint war.[1]
Die britische Kolonialverwaltung leitete in den folgenden Jahrzehnten weitreichende Reformen ein. Traditionelle Institutionen der Singhalesen wurden an das britische System angepasst oder abgeschafft: So hoben die Briten 1840 die Sklaverei auf und schafften das erzwungene Frondienst-System ab. Ab 1833 wurde die Insel einheitlich verwaltet, das Amt des Gouverneurs eingeschränkt und ein Legislativrat mit (zunächst ernannten) einheimischen Mitgliedern eingerichtet. Englisch wurde Verwaltungs- und Schulsprache. Wirtschaftlich leitete die Kolonialmacht den Übergang zu einer Plantagenwirtschaft ein. Zunächst erlebte der Anbau von Kaffee in den 1830er–1860er Jahren einen Boom; tausende Arbeitskräfte wurden aus Südindien als billige Plantagenarbeiter ins Land geholt. Nachdem ein Pilzbefall die Kaffeepflanzen vernichtet hatte, stiegen viele Pflanzer auf Tee um – mit großem Erfolg: Ab den 1880er Jahren entwickelte sich Ceylon-Tee zu einem Weltmarktführer. Auch Kautschuk und Kokosnuss wurden wichtige Exportgüter. Die Plantagenwirtschaft zog den Bau von Eisenbahnen, Straßen und Häfen nach sich und förderte das Entstehen einer anglisierten einheimischen Mittelschicht. Die Mehrheit der ländlichen Bevölkerung blieb jedoch in der Subsistenzlandwirtschaft verhaftet, profitierte kaum vom Exportboom und litt unter periodischen wirtschaftlichen Schwierigkeiten.[1]
Zum Ende des 19. Jahrhunderts formierte sich in Ceylon eine einheimische Unabhängigkeitsbewegung. Religiöse und kulturelle Erneuerungsbewegungen entstanden sowohl bei Buddhisten als auch Hindus, teils als Reaktion auf christliche Missionierung.[9] Intellektuelle und westlich gebildete Kreise gründeten politische Vereine, die ab etwa 1900 Reformen forderten, etwa mehr Mitbestimmung der Einheimischen in Verwaltung und Gesetzgebung. Zwar blieben diese Forderungen zunächst moderat, doch legten sie den Grundstein für zunehmend lautere nationalistischer Bestrebungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach dem Ersten Weltkrieg gewährten die Briten schrittweise Verfassungsreformen (1920, 1924), bis mit der Donoughmore-Verfassung 1931 erstmals allgemeines Wahlrecht eingeführt wurde. Schließlich wurde 1947 eine letzte Verfassung nach Westminster-Vorbild verabschiedet, die die Grundlage für die vollständige Unabhängigkeit Ceylons bildete.[1]
Unabhängiges Sri Lanka
Die ersten Jahrzehnte der Unabhängigkeit (1948–1983)

Am 4. Februar 1948 erlangte Ceylon (so der Staatsname bis 1972) offiziell die Unabhängigkeit als Dominion innerhalb des Britischen Commonwealth. Erster Premierminister wurde Don Stephen Senanayake von der multiethnischen United National Party (UNP). Die neue Demokratie (Zweikammersystem) erbte jedoch gesellschaftliche Spannungen: Die englischsprachigen Eliten, die im Kolonialdienst gestanden hatten, dominierten zunächst Politik und Wirtschaft, während die breite singhalesisch- und tamilischsprachige Bevölkerung sich wenig vertreten fühlte. Wirtschaftlich profitierte das Land zwar vom Export seiner drei Hauptexportprodukte Tee, Kautschuk, Kokosnuss, doch führten schwankende Weltmarktpreise und steigende Importe bald zu Handelsdefiziten.[1] Als Belastung erwies sich außerdem das rasche Bevölkerungswachstum. Hatte die Einwohnerzahl um 1900 bei noch weniger als vier Millionen gelegen, stieg sie bis 1946 auf 6,7 Mio. und bis 1953 schließlich auf bereits über 8 Millionen an.[10] In den 1950er Jahren wuchsen Unzufriedenheit und nationalistische Bewegungen.
1956 kam es zum politischen Umbruch: S.W.R.D. Bandaranaike gewann mit seiner Sri Lanka Freedom Party (SLFP) die Wahlen, indem er auf singhalesischen Nationalismus setzte. Seine Regierung führte den Sinhala Only Act ein, der die Sprache der singhalesischen Mehrheitsbevölkerung zur alleinigen Amtssprache machte. Zugleich förderte Bandaranaike den Buddhismus staatlich und leitete eine sozialistisch orientierte Wirtschafts- und Verstaatlichungspolitik ein. Diese Maßnahmen verstärkten jedoch ethnische und religiöse Spannungen: Die tamilische Minderheit – politisch vertreten durch die Federal Party – fühlte sich durch die Sprachregelung diskriminiert. Auch christliche und moderate singhalesische Gruppen waren über bestimmte kulturpolitische Schritte verstimmt. 1959 fiel Bandaranaike einem Attentat zum Opfer, doch seine Witwe Sirimavo Bandaranaike übernahm 1960 die Führung der SLFP und wurde die erste weibliche Premierministerin der Welt. Sie setzte den nationalistischen Kurs fort, verstaatlichte zahlreiche private Schulen (insbesondere christliche) und Industriebetriebe und betrieb eine Politik der wirtschaftlichen Autarkie. Ende der 1960er Jahre geriet Sri Lanka jedoch in eine Wirtschaftskrise mit Arbeitslosigkeit und Inflation, so dass 1965–1970 zwischenzeitlich wieder die UNP unter Dudley Senanayake (Sohn von Stephen) regierte, der hauptsächlich von den religiösen und ethnischen Minderheiten unterstützt wurde.[1]
1970 kehrte Sirimavo Bandaranaike an die Macht zurück, diesmal an der Spitze einer linken Koalition mit kommunistischer Beteiligung. Ihre Regierung verschärfte den sozialistischen Kurs, verstaatlichte weitere Sektoren (etwa Tee- und Gummiplantagen in ausländischem Besitz) und leitete eine Landreform ein, um die soziale Ungleichheit zu verringern. Dennoch blieben die wirtschaftlichen Probleme bestehen, was besonders bei der gebildeten Jugend zu Frustration führte. 1971 brach ein Aufstand der marxistisch-revolutionären Janatha Vimukthi Peramuna (JVP) aus, der von der Regierung blutig niedergeschlagen wurde.[1]
1972 verabschiedete Sri Lanka (so der neue Staatsname anstelle von „Ceylon“) eine republikanische Verfassung und sagte sich formell von der britischen Krone los, verblieb jedoch im Commonwealth. Das Zweikammersystem wurde abgeschafft und der britische Generalgouverneur durch einen Präsidenten als Staatsoberhaupt ersetzt, der Regierungschef blieb jedoch der Premierminister. Die Verfassung von 1972 stärkte die Stellung des Singhalesisch-Buddhistischen im Staat weiter, Buddhismus erhielt den „vorrangigen Platz“ und Singhalesisch blieb Amts- und Nationalsprache. Gleichwohl verschärften sich in den 1970er Jahren die ethnischen Spannungen weiter, da die Tamilen politische und kulturelle Benachteiligungen beklagten und auch die wirtschaftlichen Probleme blieben ungelöst. 1977 gewann die UNP unter Junius Richard Jayewardene mit großer Mehrheit die Parlamentswahl. Jayewardene leitete einen wirtschaftsliberalen Kurswechsel ein, lockte ausländisches Kapital ins Land und schrieb eine neue Verfassung, die 1978 in Kraft trat. Diese führte ein präsidentielles Regierungssystem ein: Jayewardene wurde erster Exekutivpräsident Sri Lankas mit umfangreichen Vollmachten. Zugleich sollten Tamil und Singhalesisch nun gemeinsam Nationalsprachen sein, doch blieb Singhalesisch Amtssprache.[1] Neben diesen eher symbolischen Zugeständnisse versuchte Jayewardene allerdings gleichzeitig jegliche tamilische Autonomiebestrebungen resolut zu bekämpfen, was zur Radikalisierung der Opposition führte.
Bürgerkrieg (1983–2009)

Die politische Marginalisierung der tamilischen Minderheit führte schließlich zur Bildung militanter Gruppen, die einen unabhängigen Tamilenstaat (Tamil Eelam) im Norden und Osten anstrebten. Ab Anfang der 1980er Jahre eskalierte die Lage: 1983 kam es nach Angriffen tamilischer Guerillas auf Soldaten zu anti-tamilischen Pogromen im ganzen Land (Schwarzer Juli), bei denen singhalesische Mobs teilweise unterstützt von regierungsnahmen Kreisen Tausende Tamilen töteten und deren Eigentum zerstörten.[1] 100.000 Sri-Lanka-Tamilen mussten ins Ausland fliehen.[11] Diese Ereignisse markierten den Beginn des Bürgerkriegs in Sri Lanka. Die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) – bekannt als „Tamil-Tiger“ – entwickelten sich zur schlagkräftigsten Untergrundarmee der Tamilen.[1] Die sri-lankische Armee geriet in den folgenden Jahren in einen Abnutzungskrieg im Norden und Osten. Zugleich entstand im Süden eine zweite Front: die marxistische JVP startete 1987 einen zweiten bewaffneten Aufstand gegen die Regierung, der jedoch bis 1989 niedergeschlagen wurde.[12]
Zur Beilegung des ethnischen Konflikts schaltete sich die indische Regierung ein. 1987 unterzeichnete Präsident Jayewardene mit Indien ein Abkommen, das eine weitgehende Autonomie für die tamilischen Gebiete vorsah und Tamil als offizielle Amtssprache anerkannte. Im Gegenzug landeten 1987 indische Friedenstruppen in Sri Lanka, um die Entwaffnung der LTTE zu überwachen. Das Abkommen scheiterte jedoch: Die LTTE bekämpfte nun auch die indischen Truppen, die sich 1990 wieder zurückzogen. Der Bürgerkrieg flammte erneut auf und forderte weiterhin einen hohen Tribut an Menschenleben und Ressourcen. Im Mai 1993 wurde Präsident Ranasinghe Premadasa (Jayewardenes Nachfolger) von einem LTTE-Selbstmordattentäter getötet. 1994 gewann die SLFP-Opposition unter Chandrika Kumaratunga die Wahlen; sie wurde als erste Frau Präsidentin Sri Lankas und überlebte 1999 knapp ein Attentat der LTTE. Im Jahr 2002 erreichte Kumaratungas Regierung einen Waffenstillstand mit den kriegsmüden Aufständischen. Doch bereits wenige Jahre später brach der Konflikt wieder voll aus.[1]
2004 traf Sri Lanka eine Naturkatastrophe: Bei dem verheerenden Erdbeben im Indischen Ozean im Dezember 2004 kamen auch auf Sri Lanka rund 35.000 Menschen durch Tsunamis und Überschwemmungen ums Leben, besonders an den Küsten des Norden, Ostens und Südens.[13] Die Zerstörungen erschwerten in manchen Regionen (v. a. im umkämpften Norden) die Situation zusätzlich, verzögerten aber zugleich Kampfhandlungen temporär. Mahinda Rajapaksa von der SLFP wurde 2005 zum Präsidenten gewählt und verschärfte anschließend die Gangart gegen die LTTE. Die Regierung kündigte 2008 formal den Waffenstillstand auf, und die Armee startete eine großangelegte Offensive. Im Januar 2009 fiel die LTTE-Hochburg Kilinochchi im Norden; bis Mai 2009 hatten die Streitkräfte die Rebellen an der Nordostküste eingekesselt und schließlich besiegt. LTTE-Chef Velupillai Prabhakaran und die gesamte Führung wurden getötet, womit die LTTE praktisch aufhörte zu existieren. Der Bürgerkrieg endete nach 26 Jahren. Insgesamt forderte er schätzungsweise 70.000 bis 80.000 Todesopfer, zudem wurden hunderttausende Menschen vertrieben.[1]
Jüngere Geschichte (seit 2009)

Der militärische Sieg von 2009 wurde von der singhalesischen Mehrheit mit Jubel aufgenommen. Präsident Rajapaksa und seine UPFA-Koalition gewannen in der Folge mehrere Wahlen deutlich. Im Januar 2010 wurde Rajapaksa im Amt bestätigt, obwohl sein Herausforderer, Ex-Armeechef Sarath Fonseka, überraschend viel Zuspruch erhielt. Kurz nach der Wahl ließ Rajapaksa seinen Rivalen Fonseka unter umstrittenen Anschuldigungen festnehmen. Mit der komfortablen Parlamentsmehrheit änderte die Regierung im September 2010 die Verfassung, um Rajapaksas Macht weiter auszubauen und die Amtszeitbegrenzung des Präsidenten abzuschaffen. In den folgenden Jahren verzeichnete Sri Lanka zwar ein kräftiges Wirtschaftswachstum und einen Rückgang der Armut, doch wuchs zugleich die Abhängigkeit von ausländischen Krediten – vor allem aus China. Die Rajapaksa-Regierung geriet in Kritik wegen autoritärer Tendenzen und Vetternwirtschaft, da zahlreiche Familienmitglieder hohe Ämter innehatten. Großprojekte wie der von China finanzierte Ausbau des Hambantota-Hafens brachten geringe unmittelbare Rendite, erhöhten aber die Auslandsschulden. Westliche Länder warfen der Regierung zudem Menschenrechtsverstöße insbesondere im Zusammenhang mit dem Kriegsende 2009 vor.[1]
Anfang 2015 verlor Mahinda Rajapaksa überraschend die Präsidentschaftswahl gegen seinen früheren Verbündeten Maithripala Sirisena, der mit Unterstützung eines Oppositionsbündnisses antrat. Sirisena übernahm das Präsidentenamt, versprach Reformen und leitete eine Verfassungsänderung ein, welche die Macht des Präsidenten zugunsten des Parlaments wieder einschränkte und die Begrenzung auf zwei Amtszeiten zurückbrachte. Unter der neuen Regierung wurden Schritte zur Aufarbeitung des Krieges unternommen, etwa eine Behörde für die Belange der zehntausenden Vermissten des Konflikts. Gleichwohl kämpfte Sri Lanka weiterhin mit wirtschaftlichen Problemen: 2016 geriet das Land in eine Zahlungsbilanzkrise aufgrund seiner enormen Auslandsschulden. Der Internationale Währungsfonds gewährte einen Kredit, doch die Schuldenlast blieb drückend und führte zu weiteren umstrittenen Deals – 2017 verpachtete Sri Lanka den defizitären Hambantota-Hafen für 99 Jahre an China. Politisch kam es 2018 zu einer Verfassungskrise, als Präsident Sirisena plötzlich Premierminister Ranil Wickremesinghe entließ und Mahinda Rajapaksa zurück ins Amt holen wollte. Mangels Parlamentsmehrheit musste Sirisena diese Entscheidung nach einigen turbulenten Wochen rückgängig machen.[1]
Am Ostersonntag 21. April 2019 erschütterte die schwerste Terrorserie seit Kriegsende das Land: Mehrere koordinierte Bombenanschläge auf Kirchen und Hotels forderten über 250 Todesopfer. Eine islamistische Extremistengruppe aus dem Inland wurde verantwortlich gemacht, und der sogenannte Islamische Staat reklamierte die Taten propagandistisch für sich.[14] Die Attentate offenbarten schwere Sicherheitslücken und verstärkten bei der mehrheitlich buddhistisch-singhalesischen Bevölkerung das Bedürfnis nach „starker Hand“, wobei es Unklarheiten über mögliches Vorwissen hinsichtlich der Anschläge bei einigen Politikern gab.[15] Im November 2019 wählten die Sri Lanker Gotabaya Rajapaksa, Mahindas Bruder und ehemaliger Verteidigungssekretär, zum neuen Präsidenten, obwohl dieser wenig Unterstützung unter Muslimen und Tamilen genoss. Gotabaya setzte Mahinda als Premierminister ein und konzentrierte die Macht wieder in den Händen der Rajapaksa-Familie. Die neue Regierung senkte Ende 2019 die Steuern drastisch, was zwar Wahlversprechen entsprach, aber zu massiven Mindereinnahmen führte. Kurz darauf traf die COVID-19-Pandemie das Land und ließ den wirtschaftlich wichtigen Tourismussektor einbrechen.[1]

Bei den verschobenen Parlamentswahlen im August 2020 errang die Rajapaksa-Partei SLPP eine Zweidrittelmehrheit. Dadurch konnte Gotabaya per Verfassungsänderung die präsidialen Befugnisse erneut ausweiten. Ab 2021 spitzte sich jedoch die wirtschaftliche und politische Lage dramatisch zu. Im April 2021 verhängte die Regierung ohne Vorwarnung ein landesweites Verbot chemischer Düngemittel, um die Landwirtschaft auf Bio-Produktion umzustellen. Die erzwungene Umstellung führte zu Ernteeinbrüchen und Lebensmittelknappheit. Die Staatsfinanzen, ohnehin geschwächt durch die Steuerreformen von 2019 und die anhaltende Pandemie, gerieten endgültig in die Schieflage. Als Anfang 2022 die Weltmarktpreise für Treibstoff infolge des Ukraine-Krieges explodierten, konnte Sri Lanka seine Energie- und Importrechnung nicht mehr begleichen. Es kam zu täglichem Stromausfall, Treibstoff- und Gasmangel sowie Inflation.[1] Im März/April 2022 entlud sich der öffentliche Unmut in landesweiten Massenprotesten gegen die Regierung. Die Rajapaksas versuchten zunächst, durch Regierungsumbildungen ihren Rücktritt zu vermeiden, doch der Druck der Straße wuchs. Im Mai 2022 trat Mahinda Rajapaksa als Premierminister zurück; im Juli stürmten Demonstranten den Präsidentenpalast in Colombo.[16] Gotabaya Rajapaksa floh am 13. Juli 2022 ins Ausland und erklärte seinen Rücktritt.[17] Damit endete die dynastische Herrschaft der Rajapaksa-Familie vorerst.
Als Übergangslösung übernahm Ranil Wickremesinghe das Präsidentenamt und handelte ein Reformpaket mit dem IWF aus, um die schlimmste Wirtschaftskrise der Landesgeschichte zu bewältigen. Bei den Präsidentschaftswahl in Sri Lanka im September 2024 übernahm mit Anura Kumara Dissanayake von der ehemaligen marxistischen Guerillagruppe JVP erstmals ein Kandidat der extremen Linken das Präsidentenamt.[18][19]
Weblinks
Literatur
- K. M. de Silva: A History of Sri Lanka. Penguin UK, 2005, ISBN 978-93-5118-239-9.
- John D. Rogers: A History of Sri Lanka. 2016, ISBN 978-0-521-54167-1.
- A.P. Kannangara: A Survey of Social Change in an Imperial Regime. Vijitha Yapa, Colombo 2011, ISBN 978-955-665145-4.