Geschichte von Honduras

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Die Geschichte von Honduras umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Honduras von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Auf dem heutigen Staatsgebiet von Honduras siedelten bis zur spanischen Kolonialisierung im 16. Jahrhundert, verschiedene indigene Völker wie die Lencas, die Sumo oder die Mayas. Mit dem Ende der Kolonialzeit im 19. Jahrhundert wurde Honduras von 1821 bis 1823 Teil des Ersten Kaiserreichs Mexiko und darauf von 1823 bis 1838 Teil der Bundesrepublik von Zentralamerika. Am 5. November 1838 erlangte Honduras seine Unabhängigkeit und ist seitdem eine eigenständige Republik.

Präkolumbische Zeit

Copán, Maya-Stele B

Zur Zeit der präkolumbischen Ära war das Gebiet des heutigen Honduras in mehrere kulturell unterschiedliche Regionen gegliedert. Der Westen gehörte zu Mesoamerika, wo das Volk der Mayas siedelte. Die bedeutendste Maya-Stadt in Honduras ist Copán, die ihre Blüte im 7. Jahrhundert erlebte. Im 9. Jahrhundert ging Copán jedoch im Zuge der Wirren der Spätklassik zusammen mit anderen Zentren des Tieflandes unter und ist seitdem eine Ruinenstätte. Heute leben in Honduras faktisch keine indigenen Maya-Sprecher mehr[1]. Die Maya-Kultur erstreckte sich von den heutigen Departamentos Copán und Ocotepeque bis hin zum Río Ulúa. Zu den archäologischen Stätten der Mayas in Honduras gehört auch El Puente, das als kleinere Stadt, für eine Zeit lang von Copán unabhängig war.

Nachbildung der Maya-Stadt Copán

Obwohl die meisten großen präkolumbischen Städte in Honduras zum mesoamerikanischen Kulturraum gehörten, bildet La Ciudad Blanca eine bedeutende Ausnahme. Sie liegt an der Miskitoküste im Osten von Honduras und somit außerhalb Mesoamerikas. Die Stadt weist jedoch Elemente der Maya-Kultur auf, wie beispielsweise ein Ballspiel und Ähnlichkeiten in der Struktur der dortigen Tempelpryamide, die denen im westlichen Honduras gleichen. Die Siedlungsanlage wurde 2012 entdeckt und ihre Fundstücke werden auf die Zeit von 1000 bis 1400 geschätzt. Auf dem Gebiet siedelte das Volk der Miskito.

Im Gegensatz zu Mesoamerika war der östliche Teil Honduras von Häuptlingsgesellschaften geprägt, in denen die Anführer nicht als Träger göttlicher Macht angesehen wurden, sondern ihre Autorität auf weltlichen Verbindungen basierte. Dieser soziopolitische Aspekt förderte die Entstehung relativ komplexer sozialer Strukturen sowie bedeutender technologischer Fortschritte. Die Herstellung kunstvoll verzierter Keramik, die Weiterentwicklung der Goldschmiedekunst und die der Steinschneidekunst zeugen von einem hohen kulturellen und technischen Entwicklungsstand dieser Gesellschaften[2].

Kolonialzeit

Conquista

Der genuesische Seefahrer Chritsoph Kolumbus betrat während seiner vierten Seereise am 14. August 1502 im heutigen Honduras zum ersten Mal amerikanisches Festland, bis zum Jahr 1524 gab es jedoch keine Bestrebungen das Land in Besitz zu nehmen[3]. Im Jahr 1508 erkundeten die spanischen Seefahrer Juan Díaz de Solís und Vicente Yáñez die Karibikküste von Honduras oberflächlich, jedoch lag der Schwerpunkt ihrer Expeditionen weiter im Norden der Karibik.

Nachdem der Konquistador Gil González Dávila bereits im März 1524 nach Honduras vorstieß, und die Hafenstadt Puerto Caballos (heute Puerto Cortés) gründete, begann Hernán Cortés im Herbst desselben Jahres einen Feldzug gegen die Indianervölker in Honduras von Mexiko aus. Der Widerstand gegen die Eroberung wurde insbesondere von Lempira angeführt, der bis heute von der Bevölkerung Honduras als ein Nationalheld verehrt wird. Viele Regionen im Norden von Honduras konnten sich dauerhaft gegen die Spanier durchsetzen, insbesondere das Königreich der Miskito. Nach der spanischen Eroberung wurde Honduras Teil des riesigen spanischen Kolonialreichs in der Neuen Welt innerhalb des Generalkapitanat Guatemala. Trujillo und Gracias waren die ersten Hauptstädte der Provinz.

Kolonialherrschaft

Der Silberbergbau spielte eine zentrale Rolle bei der spanischen Eroberung und Kolonisierung von Honduras[4]. Zu Beginn wurden die Minen von Einheimischen im Rahmen der Encomienda betrieben. Aufgrund von Krankheiten und Widerstand wurde diese Vorgehensweise jedoch zunehmend unpraktikabel, weshalb Sklaven aus anderen Teilen Mittelamerikas eingeführt wurden. Nach dem Ende des lokalen Sklavenhandels gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden hauptsächlich afrikanische Sklaven, vor allem aus Angola, nach Honduras gebracht.[5] Ab etwa 1650 nahm die Ankunft von Sklaven und anderen ausländischen Arbeitskräften jedoch wieder stark ab.

Während die Spanier den südlichen, pazifischen Teil von Honduras relativ rasch eroberten, waren sie im Norden entlang der Atlantikküste weniger erfolgreich. Es gelang ihnen, einige Städte wie Puerto Caballos und Trujillo an der Küste zu gründen, doch die Kontrolle über den nordöstlichen Teil der Region sowie über viele unabhängige indigene Gemeinschaften blieb ihnen verwehrt. Besonders der Widerstand des Miskito-Königreichs im Nordosten hielt dauerhaft bestand. Dies fand Unterstützung bei europäischen Freibeutern, Piraten und vor allem bei der britischen Kolonie Jamaika, die nach 1740 große Teile des Gebiets unter ihren Schutz stellte.

Unabhängigkeit und Anfangszeit der Republik

Präsident Francisco Morazán

Vom Ende der Kolonialzeit bis zur unabhängigen Republik

Honduras erklärte am 15. September 1821 seine Unabhängigkeit, was Spanien kampflos akzeptierte, und war darauf bis 1823 Teil des Ersten Kaiserreich Mexikos. Anschließend trat das Land der Bundesrepublik von Zentralamerika bei.

Der zentralamerikanische Gouverneur der Provinz Tegucigalpa José Dionisio de la Trinidad de Herrera strebte eine Vereinigung mit der Provinz Comayagua an. Durch dessen bestreben wurde die verfassungsgebende Versammlung in der Kleinstadt Cedros einberufen. Die Versammlung vollzog mit dem Beschluss vom 16. September 1824 die Vereinigung beider Provinzen zum Bundesstaat Honduras und wählten dabei Herrera zum ersten Staatschef von Honduras.

Der als „mittelamerikanischer Bolívar“ verehrte Präsident Zentralamerikas Francisco Morazán, stammte selbst aus Honduras, konnte jedoch trotzdem nicht das Ausbrechen seiner Heimatprovinz und den Zusammenbruch des Staatenbundes 1839 verhindern. Seit dem 5. November 1838 besteht Honduras als unabhängige Republik, die regelmäßig Wahlen abhält.

Die Republik Honduras im 19. Jahrhundert

In den 1840er und 1850er Jahren beteiligte sich Honduras an mehreren gescheiterten Versuchen, Zentralamerika zu vereinen, darunter die Zentralamerikanische Konföderation (1842–1845) oder der Pakt von Guatemala (1842). Obwohl Honduras schließlich den Namen Republik Honduras annahm, blieb das Wunschbild einer zentralamerikanischen Vereinigung bestehen, und Honduras gehörte zu den zentralamerikanischen Staaten, die sich am stärksten für eine Politik der regionalen Einheit engagierten.

Honduras auf einer Karte der Karibik am Ende des 19. Jahrhunderts (damals noch mit Comayagua als Hauptstadt)

Ab den 1870er Jahren wurden Maßnahmen zur Förderung des internationalen Handels und ausländischer Investitionen eingeführt. Kurz darauf begannen ausländische Akteure, vor allem im Schiffsverkehr an der Nordküste mit Fokus auf tropische Früchte und insbesondere Bananen, tätig zu werden. Später investierten sie auch in den Ausbau des Eisenbahnnetzes. Bis zum 30. November 1880 war Comayagua die Hauptstadt der Republik Honduras, darauf wurde sie durch Präsident Marco Aurelio Soto nach Tegucigalpa verlegt[6]. Der Bau einer geplanten Eisenbahnlinie von der Karibikküste nach Tegucigalpa, die 1888 begonnen wurde, scheiterte, als die Strecke nur bis San Pedro Sula reichte. Infolgedessen entwickelte sich San Pedro Sula zum wichtigsten Industriezentrum und zur zweitgrößten Stadt des Landes.

Mit der Verfassung von 1894 wurde das allgemeine, gleiche und geheime (ab 1906 öffentliche) Männerwahlrecht eingeführt. Erst im Jahr 1954 kam es zur Einführung des aktiven Frauenwahlrechts. Während das Frauenwahlrecht freiwillig war, bestand jedoch für Männer dauerhaft eine Wahlpflicht. Das für das Wahlrecht notwendige Mindestalter schwankte zwischen 18 und 21 Jahren[7].

20. Jahrhundert

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

Bereits im späten 19. Jahrhundert gewährte Honduras mehreren US-amerikanischen Obst- und Infrastrukturunternehmen Land sowie umfangreiche Steuervergünstigungen im Austausch für die Entwicklung der nördlichen Landesteile. Dadurch strömten Tausende von Arbeitern an die Nordküste, um auf den Bananenplantagen und in anderen Betrieben der Exportindustrie zu arbeiten. Die Bananenexportfirmen, vor allem die Cuyamel Fruit Company, die United Fruit Company und die Standard Fruit Company, dominierten bis 1930 den Markt und schufen in Nordhonduras eine isolierte Wirtschaft. Sie kontrollierten die Infrastruktur und errichteten autarke, steuerbefreite Sektoren, die somit nur begrenzt zum Wirtschaftswachstum beitrugen. In den Jahren 1903, 1907, 1911, 1912, 1919, 1924 und 1925 landeten US-amerikanische Truppen in Honduras, diese Militäraktionen werden als Bananenkriege bezeichnet[8].

Schlacht von La Ceiba, 1924

Der Schriftsteller O. Henry prägte den Begriff „Bananenrepublik“ in seinem 1904 veröffentlichten Roman „Cabbages and Kings“, um eine fiktive Nation namens Anchuria zu beschreiben, die von seinen Erfahrungen in Honduras inspiriert war, wo er sechs Monate lebte[9]. In einer der verbundenen Geschichten, „The Admiral“, bezeichnete er Anchuria als eine „kleine maritime Bananenrepublik“, wobei die Frucht die zentrale Rolle in ihrer Wirtschaft spielte[10]. Ein Literaturwissenschaftler des Economist erklärt, dass diese Formulierung das Bild eines tropischen, landwirtschaftlich geprägten Landes heraufbeschwört. Ihre eigentliche Bedeutung ist jedoch schärfer: Sie bezieht sich auf den erheblichen Einfluss der US-amerikanischen Obstkonzerne auf die Politik von Honduras und seiner Nachbarländer[11]. Neben der Anwerbung zentralamerikanischer Arbeitskräfte förderten die Obstkonzerne die Einwanderung von Arbeitskräften aus der englischsprachigen Karibik, insbesondere aus Jamaika und Belize. Dadurch entstand eine Bevölkerungsgruppe afrikanischer Abstammung, die Englisch sprach und überwiegend protestantisch war. Viele dieser Arbeiter verließen Honduras jedoch nach Änderungen im Einwanderungsgesetz im Jahr 1939 wieder[12]. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 schloss sich Honduras den Alliierten an und unterzeichnete am 1. Januar 1942 gemeinsam mit 25 weiteren Regierungen die Erklärung der Vereinten Nationen.

Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts

Verfassungskrisen in den 1940er Jahren führten in den 1950er Jahren zu Reformen. Eine dieser Reformen erlaubte den Arbeitern die Organisation, und ein Generalstreik im Jahr 1954 legte den Norden des Landes für mehr als zwei Monate lahm, was jedoch letztlich zu Reformen führte. 1963 putschte das Militär und stürzte den demokratisch gewählten Präsidenten José Ramón Villeda Morales. Als dessen Nachfolger wurde Oswaldo López Arellano als Präsident eingesetzt.

Während der Amtszeit von Arellano kam es im Juli 1969 zum Fußballkrieg (auch 100-Stunden-Krieg) gegen El Salvador. Die Grenzspannungen verschärften die Konflikte zwischen Honduras und El Salvador, nachdem der honduranische Präsident Oswaldo López Arellano die sich verschlechternde Wirtschaftslage in Honduras und die dadurch bedingte Zuwanderung von El Salvadorianern nach Honduras verantwortlich machte. Die Beziehungen erreichten ihren Tiefpunkt, als die beiden Länder in einem dreirundigen Qualifikationsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft aufeinandertrafen.

Die Spannungen eskalierten, und am 14. Juli 1969 marschierte die salvadorianische Armee in Honduras ein. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) vermittelte einen Waffenstillstand, der am 20. Juli in Kraft trat, und Anfang August kam es zum Abzug der salvadorianischen Truppen. Hauptursachen des Konflikts waren ein Grenzstreit sowie die Präsenz Tausender illegal in Honduras lebender Salvadorianer. Nach dem Krieg wurden bis zu 130.000 salvadorianische Einwanderer ausgewiesen[13].

1979 kehrte Honduras zur Zivilregierung zurück. Im April 1980 wurde eine verfassungsgebende Versammlung gewählt, um eine neue Verfassung auszuarbeiten. Im November 1981 fanden Parlamentswahlen statt. Die Verfassung wurde 1982 verabschiedet, und die Regierung der PLH unter Roberto Suazo Córdova gewann die Wahl mit dem Ziel, ein umfassendes Wirtschafts- und Sozialprogramm zur Bewältigung der Rezession in Honduras umzusetzen. Er initiierte bedeutende, von der amerikanischen Entwicklungshilfe finanzierte Sozial- und Wirtschaftsprogramme. Honduras beherbergte die weltweit größte Friedenskorps-Mission, und die Zahl der Nichtregierungsorganisationen sowie internationaler Freiwilligenorganisationen stieg deutlich an. Das Friedenskorps zog seine Freiwilligen 2012 aufgrund von Sicherheitsbedenken ab[14].

21. Jahrhundert

Unter Präsident Manuel Zelaya wurden Gespräche mit den Vereinigten Staaten geführt, zum Schutz vor den zunehmenden Drogenkartellen, die US-Militärpräsenz zu erhöhen. außerdem trat Honduras 2008 der Bolivarianischen Allianz für Amerika (ALBA) bei, verließ diese jedoch 2010 nach dem Staatsstreich von 2009 wieder. Im Jahr 2009 führte ein Putsch dazu, dass der Präsident vom Kongress abgesetzt wurde, was eine Verfassungskrise auslöste. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) suspendierte Honduras, da sie die neue Regierung als illegitim ansah.

Weltweit wurde die Aktion einhellig als Staatsstreich verurteilt, und die Anerkennung der de-facto-Regierung wurde verweigert. Juristische Gutachten, die von der Library of Congress vorgelegt wurden, erklärten den Staatsstreich jedoch für rechtmäßig, und auch der Oberste Gerichtshof der Republik Honduras befand, dass das Vorgehen legal gewesen sei. Die darauf folgende Regierung setzte eine Wahrheits- und Versöhnungskommission (spanisch: Comisión de la Verdad y Reconciliación) ein, die nach mehr als einem Jahr Untersuchung und Debatte zu dem Schluss kam, dass der Sturz ein illegitimer Staatsstreich gewesen sei.

Am 28. November 2021 gewann Xiomara Castro, als Präsidentschaftskandidatin der oppositionellen Partei Libertad y Refundación, mit 53 % der Stimmen die Präsidentschaftswahl und wurde die erste Präsidentin der Republik Honduras. Damit beendete sie die zwölf Jahre dauernde Herrschaft der rechtsgerichteten Partido Nacional. Als Ehefrau des ehemaligen Präsidenten Zelayas war sie während dessen Präsidentschaft die First Lady von Honduras.

Da die Verfassung von Honduras keine zweite Amtszeit in Folge zulässt, konnte Castro für eine zweite Amtszeit im November 2025 nicht antreten. Sie wurde im Januar 2026 durch den nationalkonservativen Nasry Afura im Amt abgelöst[15].

Einzelnachweise

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