Gese Fricken
Frau aus Frellstedt, angebliche Hexe
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Gese Fricken, auch Geße oder Gesche Fricke (gestorben vermutlich 1578 oder 1579) war eine Frau aus Frellstedt, die in Helmstedt der Hexerei beschuldigt, wegen Buhlerei mit dem Teufel angeklagt, zum Feuertod verurteilt und hingerichtet wurde.
Leben
Im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel gab es nachweislich in den Jahren zwischen 1557 und 1670 mindestens 225 Hexenprozesse. Einer dieser Fälle war der Prozess des Rates der Stadt Helmstedt gegen Gese Fricken im Jahr 1578 oder 1579. Sie war dabei nicht die einzige Angeklagte. Die Personen wurden unter anderem beschuldigt sich in der Nacht vor dem Johannistag (24. Juni) am Brocken oder am Rammelsberg bei Goslar zu Zusammenkünften eingefunden zu haben. Dies ist insofern ungewöhnlich, weil ansonsten die Hexenzusammenkünfte eher in die Walpurgisnacht (die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai) fielen. Neben Fricken wurde auch der Knecht Johann Evers aus Jerxheim angeklagt, der mit einer Teufelinne gebuhlt habe, einer Jungfrau des Teufels, die in einem aschgrauen Gewand wie ein Geist oder Wind zu ihm gekommen sei. Fricken soll unter anderem vom Teufel Geld und Güter sowie Schinken und Wurst erhalten haben. Zudem wurde ihr vorgeworfen, sie habe versucht ihren Ehemann zu vergiften. Sie soll den Teufel sogar noch im Gefängnis empfangen haben und wurde mit weiteren Mitgefangenen von den Ratsherren zum Tode verurteilt und verbrannt.[1] Ihr wurde nachgesagt, dass sie nur einen Stock einschmieren musste, um sich in eine Krähe zu verwandeln. Ein „Peinliches Bekenntniß der Gesche Fricke aus Frellstedt“ soll sich noch immer in den Archiven der Stadt Helmstedt befinden.[2]
Die juristische Fakultät der 1576 gegründeten Universität Helmstedt spielte dabei eine tragende Rolle. Die dortigen Juristen sollen rund 423 Gutachten in Hexenprozessen erstellt haben. Insbesondere Herzog Heinrich Julius, der seit seinem 12. Lebensjahr Rektor dieser Universität war, galt als eifriger Verfolger der Menschen, die der Hexerei angeklagt waren. In den Jahren seiner Regentschaft wurden zahlreiche Personen hingerichtet, so unter anderem 1597 auch Anna Landmann.[3]
Literatur
- Claudia Kauertz: Die Diskussion des Zauber- und Hexenwesens an der Universität Helmstedt (1576–1626) (= Hexenforschung. Band 6). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2001, ISBN 3-89534-353-6 (Inhalt, gbv.de PDF).
- Dieter Lent: Fricken, Gese. In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent u. a. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 8. bis 18. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, ISBN 3-937664-46-7, S. 233.
- Joachim Lehrmann: Hexen- und Dämonenglaube im Lande Braunschweig – die Geschichte einer Verfolgung unter regionalem Aspekt. Lehrmann-Verlag, Lehrte 2009, ISBN 978-3-9803642-1-8, S. 123–124.