Gesslerburg

Burgruine in Küssnacht im Kanton Schwyz in der Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Gesslerburg (eigentlich Burg zu Küssnacht) ist der Name einer mittelalterlichen Burg in Küssnacht. Sie ist wie die Hohle Gasse im gleichen Ort mit der Sage um Wilhelm Tell verbunden. Laut dem Geschichtsschreiber Aegidius Tschudi soll sie der Sitz von Landsvogt Hermann Gessler gewesen sein. Nach einer kurzen Erwähnung im Drama von Friedrich Schiller entstanden romantische Darstellungen der Burg, etwa eine Lithographie von Charles Rodolphe Weibel-Comtesse (um 1840).[1] Die Ruine der Gesslerburg befindet sich seit 1908 im Besitz der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Schnelle Fakten
Gesslerburg
Die Gesslerburg mit dem Pilatus im Hintergrund

Die Gesslerburg mit dem Pilatus im Hintergrund

Alternativname(n) Burg zu Küssnacht
Staat Schweiz
Ort Küssnacht
Entstehungszeit vermutl. 9. Jahrhundert
Burgentyp Höhenburg
Erhaltungszustand Ruine
Geographische Lage 47° 5′ N,  27′ O
Gesslerburg (Stadt Küssnacht)
Gesslerburg (Stadt Küssnacht)
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Lage

Die Ruine der Höhenburg liegt auf einer Hügelkuppe im Osten des Dorfes, oberhalb des Dorfbaches, der von der Seebodenalp in den See fliesst. Von der Knochenstampfe, einem am Bach gelegenen Schopf mit Wasserrad, in dem einst Düngemittel hergestellt wurde, führt ein Weg hinauf zur Gesslerburg.

Geschichte

Über die Entstehung und die Geschichte der Burganlage ist trotz archäologischer Untersuchungen nur sehr wenig bekannt. Aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts ist ein Adliger namens Recho nachgewiesen, der dem Benediktinerkloster im Hof Luzern neben anderen Gütern seine Besitztümer in Küssnacht schenkte. Vermutlich gehörte auch eine frühmittelalterliche Burganlage dazu. Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1263: «in castro nostro Chüssenach».

Gemälde Ruine von Gesslers Burg, ca. 1870

Vom Kloster ging Küssnacht 1291 durch Kauf an Rudolf I. von Habsburg über. Die Burgherren, die vom Haus Habsburg als Vögte eingesetzt wurden, traten als «Edle von Küssnach» auf. Ritter Eppo II. (1282–1315) verlangte als Vogt von den Leuten Steuern, Abgaben und Frondienste. 1302 kam es zu einem Streit mit den Leuten der Vogtei Küssnacht, bei dem der Vogt beinahe umgekommen sein soll. Auch Zölle am Handelsweg von Luzern nach Zürich könnten zu Einnahmen geführt haben. Archäologische Funde zeugen von der Wohlhabenheit der Burgbewohner und der Teilnahme an Ritterturnieren. Das Geschlecht von Küssnacht starb um 1352 mit Ritter Hartmann, dem Schwiegersohn des Zürcher Bürgermeisters Rudolf Brun, im Mannesstamm aus.

In der Chronik der Stadt Zürich (1415) wird für das Jahr 1352 eine Fehde zwischen Zürich und den Eidgenossen einerseits und Herzog Albrecht II. von Österreich andererseits erwähnt. Es ist unklar, ob die Burg hierbei durch einen habsburgischen Brand- und Raubzug in Mitleidenschaft gezogen wurde. Brandspuren deuten jedoch darauf hin, dass sie in der Mitte des 14. Jahrhunderts teilweise zerstört und danach weitgehend verändert wieder aufgebaut wurde.

Im 15. Jahrhundert diente die Burg zu Küssnacht als Wohnsitz der Familie von Silenen. Bekannte Familienvertreter wie Jost und Kaspar von Silenen sollen dort geboren sein. Nach dem Tod Kaspars von Silenen 1517 fiel die Burg an den Stand Schwyz. Damit begann ihr Zerfall, der bis Ende des 19. Jahrhunderts andauerte.

Der Kauf der Ruine durch den Bund wurde 1908 von Bundesrat Josef Zemp veranlasst. Sie sollte bewahrt und als nationale Erinnerungsstätte gesichert werden. Bis 1916 wurde sie unter der Leitung von Robert Durrer freigelegt und danach in mehreren Etappen vor Erosion geschützt, zuletzt in den Jahren 2003/04 sowie 2018/19. Bei archäologischen Grabungen kamen diverse Fundgegenstände zum Vorschein. Beim bedeutendsten Fund handelt es sich um einen Topfhelm aus dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts, heute im Besitz des Schweizerischen Nationalmuseums.

Literatur

  • Ivo Zemp, Kaspar Michel, Markus Bamert, Valentin Kessler: Gesslerburg und Hohle Gasse mit Tellskapelle. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 790, Serie 79). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2006, ISBN 978-3-85782-790-7.
  • Eugen Schneiter: Die „Geßlerburg“ ob Küßnacht. In: Nachrichten der Schweizerischen Vereinigung zur Erhaltung der Burgen und Ruinen (Burgenverein), Heft 3, 22 (1949), S. 122 f. (PDF)
  • Jakob Obrecht: Die Ausgrabungen auf der Unteren Burg in Küssnacht. In: Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz, Band 109. 2017. S. 11–29 (Digitalisat).

Einzelnachweise

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