Gewerkschaften in Südafrika
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Die Gewerkschaften in Südafrika organisieren mit über 3 Millionen Mitgliedern fast ein Drittel der Beschäftigten im formellen Sektor. Ihre Rechte sind heute durch den Labour Relations Act gesetzlich gut abgesichert, die Vereinigungsfreiheit ist in der Verfassung verankert.
Geschichte
Die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung in Südafrika geht bis in die 1880er Jahre zurück. Damals organisierten sich zuerst Weiße Arbeiter. 1917 entstand die erste Gewerkschaft für Schwarze Arbeiter, die Industrial Workers of Africa (IWA). 1920 fusionierte sie mit der Industrial and Commercial Workers' Union of Africa (ICU), die zunächst die Interessen der Schwarzen Hafenarbeiter und der Coloured in Kapstadt vertrat, rasch aber auch Landarbeiter erreichte. Sie entwickelte eine Massenbasis auf Grundlage eines christlichen Syndikalismus mit kommunistischem Einschlag, verlor ihren Einfluss aber in der Weltwirtschaftskrise.[1] 1924 entstand der South African Trades Union Council (SATUC) als Dachverband der Gewerkschaften mit Schwarzen Mitgliedern, der gesetzlich abgesichert war, sich aber in der Folge politisch radikalisierte. Während der Jahre der Apartheid 1948–1991 entwickelten sich die Gewerkschaften zu einem wichtigen Faktor im Kampf für die Demokratie. 1930 fusionierte SATUC mit anderen Gewerkschaften zum South African Trades and Labour Council (SAT&LC). Dieser verband sich 1955 mit anderen Gewerkschaften der Nicht-Weißen Arbeiter zum South African Congress of Trade Unions (SACTU), während sich schon 1951 die South African Federation of Trade Unions (SAFTU), die die Apartheidpolitik akzeptierte, und 1954 der Trade Union Council of South Africa (TUCSA), der keine Schwarzen Mitglieder aufnahm, vom SAT&LC abgespalten hatte.[2] 1979 wurde aufgrund des Arbeitskräftemangels der Status der Gewerkschaften der Schwarzen rechtlich verbessert; Regeln, nach denen bestimmte Berufe für Weiße reserviert waren, wurden aufgehoben.[3] Im gleichen Jahr gründete sich als Nachwirkung der Streiks in Durban 1973, durch den die Gewerkschaften erstmals an die Spitze des Kampfes gegen den Rassismus traten,[4] die Federation of South African Trade Unions (FOSATU), die sich vor allem diesem Kampf verschrieb. Sie war 1985 maßgeblich beteiligt an der Gründung des heute wichtigsten Dachverbandes, des Congress of South African Trade Unions (COSATU).
1990 wurde der Labour Relations Act von 1988 neu ausgehandelt und führte zu einem Sozialkontrakt zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Staat. Die Arbeitsgesetzgebung Südafrikas gehört heute zu den fortschrittlichsten auf dem afrikanischen Kontinent und ist stark arbeitnehmerfreundlich ausgelegt. Sie hat das Ziel, die historische Diskriminierung aus der Zeit der Apartheid auszugleichen und faire Arbeitsbedingungen zu schaffen. Mit dem Occupational Health and Safety Act hat das Land bereits im Jahr 1993 ein Arbeitsschutzgesetz erlassen.[5]
Aktuelle Situation
Gewerkschaftsbünde
Die Gewerkschaften in Südafrika gehören zum größten Teil einem der folgenden Gewerkschaftsbünde an:[6]
| Name des Gewerkschaftsbunds | Mitglieder | Zugehörigkeit zu einem Internationalen Gewerkschaftsverband |
|---|---|---|
| Congress of South African Trade Unions, COSATU (Kongress Südafrikanischer Gewerkschaften) |
1.507.131 (2022, laut eigenen Angaben) |
IGB, IGB Afrika, OATUU[7], SATUUC[8], WGB |
| Federation of Unions of South Africa, FEDUSA (Föderation der Gewerkschaften Südafrikas) |
800.000 (2023, Labour Research Service, LRS) |
IGB, IGB Afrika, SATUUC |
| National Council of Trade Unions, NACTU (Nationaler Rat der Gewerkschaften) |
400.000 (2023, LRS) |
IGB, IGB Afrika, OATUU, SATUUC |
| South African Federation of Trade Unions, SAFTU (Südafrikanische Gewerkschaftsföderation) |
646.000 (2022, laut eigenen Angaben) |
IGB, IGB Afrika |
Einzelgewerkschaften, Branchenverbände
Einzelgewerkschaften / Branchenverbände sind u. a.:[9]
| Name der Gewerkschaft | Mitgliedschaft in Dachverband |
Mitglieder | Zugehörigkeit zu Globalen Gewerkschaftsföderationen |
|---|---|---|---|
| National Union of Metalworkers of South Africa, NUMSA (Nationale Gewerkschaft der Metaller_innen) |
SAFTU (seit 2017, bis 2014 COSATU) |
364.000 (2023, LRS) |
IndustriAll; Mitglied in den TUI[10] des WGB |
| National Union of Mineworkers, NUM (Nationale Gewerkschaft der Bergarbeiter_innen) |
COSATU | 157.868 (2023, LRS) |
IndustriAll, BWI, TUIMM[11], WGB |
| Association of Mineworkers and Construction Union, AMCU (Vereinigung der Berg- und Bauarbeiter_innen) |
NACTU | 200.000 (2023, LRS) |
- |
| National Education, Health and Allied Workers Union, NEHAWU (Nationale Gewerkschaft für Bildung, Gesundheit und verwandte Berufe) |
COSATU | 275.125 (2023, LRS) |
TUE-PAE[12], WGB |
Literatur
- Daniel Blackburn (Hrsg.): Trade unions of the world, London (The International Centre for Trade Union Rights), 8th edition, 2021, ISBN 978-0-9933556-2-2, S. 558–573 , Inhaltsverzeichnis, PDF
- Uta Dirksen, Maria Dellasega: Südafrika Gewerkschaftsmonitor 2025 (Juni), Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.), PDF, 7 S., abgerufen am 23. Juli 2026
- Ken Luckhardt, Brenda Wall: Arbeiter gegen Apartheid: Die neue Gewerkschaftsbewegung in Südafrika. (= edition südliches afrika, 13), Bonn 1984, ISBN 3-921614-07-4
- Bernhard Pfitzner: Basisinformationen/Informationsquellen zu Gewerkschaften in Südafrika, Hannover 2024, 7 S., PDF
Weblinks
- Homepage Congress of South African Trade Unions, abgerufen am 23. Juli 2026
- Homepage Federation of Unions of South Africa, abgerufen am 23. Juli 2026
- Homepage National Council of Trade Unions, abgerufen am 23. Juli 2026
- Homepage South African Federation of Trade Unions, abgerufen am 23. Juli 2026
- Übersicht zu Seiten zu Südafrika auf der Seite des IGB, abgerufen am 23. Juli 2026
- Südafrika: Gewerkschaftsmonitor; FES Briefing, Seite der Friedrich-Ebert-Stiftung mit Ausgaben des Monitors für 2023 und 2025 (s. o.), abgerufen am 23. Juli 2026
- "Gewerkschaften in Südafrika" auf der Seite "Internationales" von labournet, abgerufen am 23. Juli 2026