Ghaleb Natour
palästinensisch-deutscher Physiker, Hochschullehrer und Forschungsmanager
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Ghaleb Natour (* 7. März 1960 in Qalansawe) ist ein palästinensisch-deutscher Physiker, Hochschullehrer und Forschungsmanager. Er ist Direktor des Institute of Technology and Engineering (ITE) am Forschungszentrum Jülich sowie Universitätsprofessor an der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen.

Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Mess- und Prüftechnik, in beschleunigerbasierten Technologien, in der Entwicklung und im Bau wissenschaftlicher Geräte, in der Schweiß- und Fügetechnik sowie im Wissenschafts- und Technologietransfer. Natour engagiert sich seit Jahren für einen gerechten Frieden in Israel und Palästina.
Leben
Ghaleb Natour kam 1960 in Qalansawe zur Welt, einer arabischen Stadt im Zentralbezirk von Israel. Im Jahr 1979 emigrierte er nach Deutschland. Natour studierte Physik an der Universität Heidelberg und schloss sein Studium 1987 mit dem Diplom ab. Im Jahr 1989 promovierte er am Institut für Physikalische Chemie der Universität Heidelberg zum Dr. rer. nat.
Nach seiner Promotionszeit arbeitete er als Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg, wo er unter anderem an der Entwicklung des Weltrauminstruments CoMA (Cometary Matter Analyser) für ESA- und NASA-Missionen beteiligt war. Natour lebt in Aachen.
Wissenschaftliche und berufliche Laufbahn
Nach seiner Zeit am Max-Planck-Institut wechselte Natour 1992 zu den Philips Forschungslaboratorien in Aachen. Dort war er bis 2010 in verschiedenen wissenschaftlichen, technologischen und managementorientierten Funktionen tätig, unter anderem als Direktor des Engineering- und Technologiezentrums, IT-Manager der Philips Forschung Deutschland sowie Vorsitzender des globalen Philips-Forschungs-IT-Managementrats. Zwischen 2007 und 2010 arbeitete er zudem im Bereich Venture Relations für Philips Corporate Technologies im Mittleren Osten.
Seit 2010 ist Natour Direktor des Instituts of Technology and Engineering (ehemals Zentralinstitut für Engineering, Elektronik und Analytik (ZEA)) am Forschungszentrum Jülich.[1]
Im Jahr 2015 wurde er zum Universitätsprofessor für „Mess- und Prüfverfahren in der Fügetechnik“ an der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen berufen.
Natour ist seit 2012 Mitglied der Deutsch-Palästinensischen Steuerungsgruppe für Kooperation in Wissenschaft und Bildung des Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Zudem war er in verschiedenen weiteren Institutionen und Projekten tätig, unter anderem in internationalen Entwicklungs- und Bildungsprogrammen, in Zusammenarbeit mit der Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry sowie in der beruflichen Bildung und Hochschulakkreditierung im Nahen und Mittleren Osten.[2]
Forschungsschwerpunkte
Natours wissenschaftliche Arbeiten umfassen Mess- und Prüfverfahren in der Schweiß- und Fügetechnik, additive Fertigung, Materialforschung sowie Anwendungen von Neutronen- und Beschleunigertechnologie. Er war an zahlreichen Forschungsprojekten beteiligt, die sich mit neuartigen Werkstoffen, Strahlungsquellen, Mikrostrahltherapie und Hochenergie-Experimenten befassen.
Zu seinen wichtigsten Themenfeldern gehören:
- Mess- und Prüfverfahren in der Fügetechnik
- Neutronenwissenschaft und beschleunigergetriebene Quellen
- Additive Fertigung und Werkstoffdiagnostik
- Technologieentwicklung für hochbrillante Strahlungsquellen
- Prozessanalyse und Qualitätsmanagement
Natour ist Mitautor mehrerer peer-reviewter Publikationen, darunter Beiträge in internationalen Fachzeitschriften.[3]
Beitrag zu Forschungsinfrastrukturen
Natour ist Initiator, Mitgründer und wissenschaftlicher Direktor der Palestinian-German Science Bridge (PGSB), einer wissenschaftlichen Kooperationsplattform des Forschungszentrums Jülich und palästinensischer Universitäten. Er war Mitinitiator und an der Entwicklung der HESEB-Beamline am Synchrotron SESAME in Jordanien beteiligt und ist deutscher Industry Liaison Officer (ILO) an der European Spallation Source (ESS) in Schweden.
Gesellschaftliches Engagement
Ghaleb Natour engagiert sich seit vielen Jahren für einen gerechten Frieden in Israel und Palästina. Er ist Mitbegründer sowie Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Friedens in Israel und Palästina e. V., der durch Bildung, Vorträge und Kulturveranstaltungen über die Situation vor Ort aufklärt.[4]
Natour organisierte Veranstaltungen unter anderem mit Ilan Pappe, Rupert Neudeck, Felicia Langer, Rolf Verleger, Michael Lüders, Nahed Samour, Omri Boehm, Lizzie Doron und Aeham Ahmad.
Auszeichnungen
- 2006: Philips Deutschland/Österreich/Schweiz – Preis für gesellschaftliches Engagement
- 1987–1989: Minerva-Stipendium der Max-Planck-Gesellschaft für die Promotion
Ausgewählte Publikationen
(Auswahl, basierend auf häufig zitierten Arbeiten ab 2020)
- F. Schulze-Küppers et al.: Interaction between proton conducting BaCe0.2Zr0.7Y0.1O3 electrolyte and structural ceramics during sintering. In: Journal of the European Ceramic Society. 2024.
- J. Tweer et al.: Initial experiments to regenerate the surface of plasma-facing components by wire-based laser metal deposition, Nuclear Materials and Energy. 2024.
- K. Bittner et al.: A mathematical model for initial design iterations and feasibility studies of oxygen membrane reactors. In: Journal of Membrane Science. 2023.
- X. Li et al.: Crystallization behavior of BaO–CaO–SiO2–B2O3 glass sealant. In: Journal of the European Ceramic Society. 2023.
- Mit C. Morgan: The Palestinian–German Science Bridge: building bridges through research and innovation. In: Nature Reviews Materials. 2023.
- The Nakba – Flight and Expulsion of the Palestinians in 1948. In: A. Hoppe (Hrsg.): Catastrophes. Springer, Cham., 2016.