Gianna Luzio
Schweizer Bundesamtsdirektorin und frühere Parteifunktionärin
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Herkunft, Ausbildung und Beruf
Gianna Luzio wuchs in Savognin im Kanton Graubünden auf und spricht alle vier Landessprachen fliessend. Rätoromanisch ist ihre Muttersprache. Sie studierte an der Universität Bern Geographie und Volkswirtschaft und schloss 2005 mit einem Master of Science (M.Sc.) ab.[1][2]
2005 hat Luzio das Kulturfestival Festival Cultural Origen mitbegründet und zusammen mit dem Intendanten Giovanni Netzer aufgebaut. Während zwei Jahren verantwortete Luzio das Produktionsbüro des Festivals.[3]
Ab 2008 war Luzio in verschiedenen Funktionen innerhalb der Bundesverwaltung tätig, unter anderem für die Finanzdelegation der eidgenössischen Räte und für die Regionalpolitik des Bundes im Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Von 2013 bis 2018 verantwortete sie als Fachreferentin für Bundesrat Alain Berset finanz-, wirtschafts- und gesundheitspolitische Dossiers.
Generalsekretärin der Partei Die Mitte (2018–2025)[4]
2018 wurde Luzio zur Generalsekretärin der damaligen CVP unter Parteipräsident Gerhard Pfister ernannt. In dieser Funktion war sie an der organisatorischen Weiterentwicklung der Partei beteiligt. 2020 koordinierte sie die Fusion der CVP mit der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) zur neuen Partei Die Mitte und wirkte an deren struktureller Neuausrichtung mit. Pfister erklärte später, Luzio habe in diesem Prozess eine wichtige Rolle gespielt.[5]
Während ihrer Amtszeit kam es im Generalsekretariat zu internen Spannungen. Im Februar 2023 wurde ihr Führungsstil in Medienberichten thematisiert. Ehemalige Mitarbeitende erhoben anonym Vorwürfe, unter anderem betreffend Mobbing und eine belastende Arbeitsatmosphäre. Die Anschuldigungen wurden von mehreren Medien aufgegriffen.[6]
Die Parteispitze leitete daraufhin Abklärungen ein und beauftragte zunächst einen externen Ombudsmann sowie später den ehemaligen Bundesrichter Heinz Aemisegger mit einer Untersuchung. Nachdem bereits die erste Untersuchung die Vorwürfe entkräftet hatte, kam auch der Abschlussbericht des Alt-Bundesrichters zum Schluss, dass kein arbeitsrechtlich relevantes Fehlverhalten vorliege. Die Vorwürfe seien nicht substantiiert worden und hätten sich nicht erhärten lassen. Der Bericht empfahl, gegebenenfalls Massnahmen zur Wiedergutmachung gegenüber Luzio zu prüfen.[7][8]
Per 1. Oktober 2025 übergab Luzio das Amt der Generalsekretärin an ihren Nachfolger Blaise Fasel.[9]
Direktorin des BAKOM (seit 2026)
Seit dem 1. April 2026 ist sie Direktorin des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM). Sie ist die erste Frau in dieser Funktion.[10]
Politik
2006 wurde Gianna Luzio als stellvertretende Grossrätin der Jungen CVP ins Bündner Parlament gewählt. 2019 kandidierte sie für die CVP Graubünden als Nationalrätin[11].
Engagement
Von 2005 bis 2016 war Luzio Vizepräsidentin des Naturparks Ela im Graubünden. Ab 2019 war sie Präsidentin des Stiftungsrats des Alpinen Museums der Schweiz in Bern.[3] Zudem war sie Co-Präsidentin der Lia Rumantscha, des Dachverbands der rätoromanischen Sprachvereine. Nach ihrer Ernennung zur Direktorin des BAKOM trat sie im Oktober 2025 von diesem Amt zurück.[12]
Weblinks
- Sendung Cuntrasts. Gianna Luzio im Gespräch. Video in: RTR vom 24. Februar 2019 (Online, 25 Minuten), romanisch mit deutschen Untertiteln
- Medienkonferenz des Bundesrates zur Ernennung der neuen Direktorin des BAKOM vom 19. September 2025 (YouTube, 22 Minuten), (engl.)