Gibberellinsäure

organische Verbindung, Naturstoff, Pflanzenhormon From Wikipedia, the free encyclopedia

Gibberellinsäure (GA oder GA3) ist ein pflanzliches Phytohormon und der bekannteste Vertreter aus der Gruppe der Gibberelline. Es handelt sich um eine Diterpenoid-Carbonsäure.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Struktur von Gibberellinsäure
Allgemeines
Name Gibberellinsäure
Andere Namen
  • Gibberellin A3
  • GIBBERELLIC ACID (INCI)[1]
Summenformel C19H22O6
Kurzbeschreibung

farblose Kristalle[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 77-06-5
EG-Nummer 201-001-0
ECHA-InfoCard 100.000.911
PubChem 6466
ChemSpider 6223
DrugBank DB07814
Wikidata Q411138
Eigenschaften
Molare Masse 346,38 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,34 g·cm−3 (20 °C)[3]

Schmelzpunkt

223–225 °C (Zersetzung)[2]

pKS-Wert

4,0[4]

Löslichkeit
  • schlecht in Wasser (5 g·l−1 bei 25 °C)[3]
  • gut in Ethanol (125 g·l−1 bei 25 °C)[3]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[5]
keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze[5]
Toxikologische Daten

6300 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[6]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Entdeckung

Die Gibberellinsäure wurde 1954 durch B.E. Cross entdeckt. Von den schon seit den 1930er Jahren bekannten Gibberellinen (GA1 und GA2) unterschied sie sich durch eine höhere Wirksamkeit.[7]

Funktionen

Gibberellinsäure fördert die Keimfähigkeit und Keimschnelligkeit, hat Einfluss auf das Längenwachstum und die Befruchtung der Gefäßpflanzen und hebt die Winterruhe auf. In höheren Konzentrationen beeinflusst GA im Protonema von Laubmoosen den Gravitropismus und das Längenwachstum. Wie an Physcomitrella patens gezeigt, sind in diesen Pflanzen einzelne Mitglieder der GA-Signalleitung zu finden.[8] Produziert wird die Gibberellinsäure in den Plastiden junger Blätter, ebenso – um die Reifung zu fördern – in unreifen Samen und Früchten.

Verwendung

Im Weinbau wird GA zur vorbeugenden Bekämpfung von Essigfäule und Botrytis cinerea auf die Weinreben aufgebracht. Im Gartenbau wird sie als Keimhilfe angewandt, um die sofortige Keimung schwer- oder kaltkeimender Pflanzen auszulösen.

Im Obstbau dient GA der Verbesserung des Fruchtansatzes bei Birnen, Heidel- und Preiselbeeren (10–50 ppm) und der Förderung der Glattschaligkeit bei Äpfeln (50–100 ppm).[9]

Beim Mälzen kann durch Zugabe von GA die Keimruhe der Braugerste gebrochen werden. In Deutschland ist dieser Prozess nicht zulässig.[10]

In der Biochemie wird Gibberellinsäure bei der chemisch induzierten Dimerisierung von bestimmten Fusionsproteinen verwendet.

Durch Behandlung des Saatgutes mit Gibberellinsäure kann die Keimruhe von Pflanzensamen verkürzt werden.[11]

Zulassungsstatus

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Pflanzenschutzmittel mit Gibberellinsäure als Wirkstoff zugelassen.[12]

Einzelnachweise

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