Gilda Sahebi

deutsch-iranische Autorin, Ärztin und Journalistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Gilda Sahebi [sɒːheˈbiː] (* 1984 in Teheran, Iran) ist eine deutsch-iranische[1] Journalistin, Politikwissenschaftlerin, Ärztin, Autorin und Podcasterin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind autoritäre Systeme, Rassismus und gesellschaftliche Polarisierung sowie deutsche Innen- und Außenpolitik. Sie veröffentlicht Beiträge für verschiedene Medien, darunter die ARD, Der Spiegel und die Tageszeitung taz; gemeinsam mit Arne Semsrott moderiert sie den wöchentlichen Politik-Podcast Gilda con Arne.

Gilda Sahebi (2024)

Jugend und Privates

Nach eigenen Angaben wurde Gilda Sahebi 1984 in Teheran in eine politisch aktive Familie hineingeboren:[2] In einem Interview berichtete sie, dass ihr Vater schon 1979 gegen das theokratische Regime im Iran und für eine Demokratie dort kämpfte – er wurde verhaftet und floh vor einer drohenden Hinrichtung nach Deutschland, als Gilda ein Jahr alt war. Ihr damals 14 Jahre alter Onkel wurde von den Revolutionswächtern eingesperrt und gefoltert, weil er Flugblätter einer kommunistischen Jugendgruppe verteilt hatte; ihr Großvater war ebenfalls im Gefängnis. Erst im Alter von drei Jahren konnte auch Sahebi mit ihrer Mutter nach Deutschland ausreisen.[3]

Sahebi studierte in Heidelberg, München, Istanbul und Warschau Humanmedizin und Politikwissenschaft, schloss beide Studiengänge ab und begann danach, als Journalistin zu arbeiten. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie beim Bayerischen Rundfunk.[4]

Am Tag nach der Bundestagswahl 2009 wurde Sahebi Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD); nach etwa fünf Jahren trat sie wieder aus.[5] Sahebi lebt in Berlin.[6][7][8]

Arbeits- und Themenschwerpunkte

Sahebis Themenschwerpunkte sind Antisemitismus und Rassismus, Frauenrechte, Wissenschaft und Naher Osten.

Nach ihrem Volontariat arbeitete Sahebi als Autorin und Redakteurin für die ZDF-Sendung Neo Magazin Royale sowie als freie Mitarbeiterin für den WDR und andere Medien.[9] Bei den Neuen deutschen Medienmachern war Sahebi für die Jugendkampagne des Europarats No Hate Speech Movement als Projektleiterin tätig.[10][11] Zum Thema Hate Speech wird sie von Einrichtungen der Zivilgesellschaft immer wieder als Ratgeberin angefragt.[12][13][14]

Von 2020 bis 2022 berichtete sie über Medizin, Gesundheitspolitik und Wissenschaft unter anderem in der taz-Kolumne Krank und Schein.[15][16] 2022 veröffentlichte Sahebi gemeinsam mit vier journalistischen Kollegen den Podcast Schwarz Rot Blut bei WDR-Cosmo.[17] Darin werden rassistische Gewaltfälle in der BRD von den 1980er Jahren bis 2020 in journalistisch neuartiger Weise aufgearbeitet, um den Opfern nachträglich eine Stimme zu verleihen.[18]

Seit dem Aufstand im Iran wird Sahebi in der Öffentlichkeit häufig als Nahost-Expertin zum Thema Menschen- und Frauenrechte in Iran angefragt.[19] Durch ihre beständige Medienpräsenz wird sie in Deutschland als eine besonders gehörte Stimme zum Thema Iran wahrgenommen.[7][20][21][22] Auch in den Talkshows verschiedener Fernsehsender und -formate wie bei phoenix,[23] Markus Lanz,[24] oder beim WDR[25] berichtet Sahebi über Aktionen und Demonstrationen der iranischen Bevölkerung sowie über Reaktionen des Regimes wie Verhaftungen, Prügel, Folter, Vergewaltigungen in der Haft und die häufige Verhängung von Todesstrafen.[26][27][28] Da die Arbeit von Korrespondenten vor Ort durch die iranische Zensur und Strafdrohungen eingeschränkt bis unmöglich geworden ist, beziehen sich auch Tages- und Wochenzeitungen verstärkt auf Sahebis Analysen, die sie über ihre Social-Media-Kanäle wie Twitter bzw. X sowie über Interviews und Podcasts vermittelt.[29][30][31][32][33]

Sahebi ist zudem als Educator für die Denkfabrik Institute for Strategic Dialogue (ISD) in Berlin tätig und seit Februar 2022 im Vorstand von ProQuote Medien.[34]

„Bei gleich zwei brisanten Themen konnte Sahebi in diesem Jahr mit ihrer besonderen Expertise glänzen. Die Debatten um Gesundheitspolitik arbeitete die ausgebildete Ärztin immer wieder in ihrer taz-Kolumne Krank und Schein auf, zu den Protesten im Iran klärte sie vor allem in den sozialen Netzwerken mit großem Hintergrundwissen und differenziertem Blick auf. So geht Politikjournalismus für das 21. Jahrhundert.“ (aus der Begründung von Medium Magazin für die Verleihung des ersten Platzes als beste Politik-Journalistin des Landes 2022 an Gilda Sahebi)[35] „Gilda Sahebi ist Deutschlands beste Politikjournalistin 2022.“[36]

Werke

In ihrem Buch Wie wir uns Rassismus beibringen (2024) analysiert Sahebi den deutschen Diskurs über Rassismus. Darin wendet sie sich gegen die verbreitete Vorstellung, Rassismus sei lediglich ein Problem extrem rechter Gruppierungen. Rassistisches Denken sei durch politische und gesellschaftliche Strukturen geformt und allgegenwärtig, auch wenn die Beteiligten sich dessen nicht bewusst sind. Zur Beweisführung zeigt sie historische Verbindungslinien rassistischen Denkens von der Zeit des Deutschen Kaiserreichs bis in die moderne deutsche Gesellschaft auf und plädiert zum Schutz der Demokratie für eine bewusste Auseinandersetzung mit solchen Denkmustern. Ihr 2025 erschienenes Buch Verbinden statt spalten befasst sich mit Mechanismen, die zu Polarisierung in der Gesellschaft beitragen und sie begründen, sowie den Profiteuren dessen. Sie analysiert hierzu Spaltungsnarrative, wie zum Beispiel die von Friedrich Merz ausgelöste Stadtbilddebatte. Ziel ist, diese künftig anders wahrnehmen und auch dechiffrieren zu können.[37]

Auszeichnungen

  • RIAS-Medienpreis 2017 (im Team mit Jan Böhmermann und anderen) für Grab US by the pussy - Amerika ungewaschen, Neo Magazin Royale, ZDF,[38]
  • Auszeichnung als eine der 100 Frauen des Jahres 2022 durch Focus[39]
  • Journalistin des Jahres 2022 in der Kategorie Politik durch Medium Magazin[40]

Schriften (Auswahl)

  • Ich verspreche dir einen schönen Sommer. Trabantenverlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-9822649-5-0.
  • „Muslime sind die neuen Juden“ – Darf man das sagen?, in: Meron Mendel, Saba Nur-Chema u. a. (Hrsg.): Frenemies: Antisemitismus, Rassismus und ihre Kritiker*innen. Verbrecher-Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-95732-538-9, S. 155–158.
  • „Unser Schwert ist Liebe“. Die feministische Revolte im Iran. S. Fischer, Frankfurt am Main 2023, ISBN 978-3-10-397551-2.
  • Wie wir uns Rassismus beibringen. Eine Analyse deutscher Debatten. S. Fischer, Frankfurt am Main 2024, ISBN 978-3-10-397624-3.
  • Verbinden statt spalten: Eine Antwort auf die Politik der Polarisierung. S. Fischer, Frankfurt am Main 2025, ISBN 978-3-10-397715-8.

Einzelnachweise

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