Gioseffo Biffi
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Gioseffo Biffi (auch Gioffo Biffi; * im 16. Jahrhundert) war ein Italienischer Komponist und Kapellmeister der späten Renaissance. Er wirkte an verschiedenen mitteleuropäischen Hofstaaten und ist vor allem durch Madrigale und Canzonetti überliefert, darunter etliche in der Tradition der venezianischen Mehrchörigkeit für vokal-instrumentale Aufführung. Biffis Werke stehen stilistisch in der Nachfolge italienischer Madrigaltradition des späten 16. Jahrhunderts und verkörpern die zunehmende Verbreitung italienischer Musik am deutschen Fürstenhof um 1600.
Leben und Wirken
Über Herkunft und Lebensdaten von Gioseffo Biffi ist nur wenig bekannt. In einem frühen Druck bezeichnet er sich selbst als „Gioseffo Biffi da Cesena“, was auf eine Herkunft aus Cesena in der Romagna hinweist.[1]
In den 1590er Jahren stand Biffi im Dienst des Kardinalbischofs Andreas Báthory. Ein 1596 erschienener Druck nennt ihn ausdrücklich „maestro di capella dell’Ill.mo et Re.mo Sig. Cardinal Bathori“. Báthory, der dem einflussreichen siebenbürgischen Adelsgeschlecht der Báthory entstammte und zeitweise auch politisch eine bedeutende Rolle in Mitteleuropa spielte, unterhielt eine Hofkapelle, in der italienische Musiker tätig waren. Die Widmung des Drucks ist an Moritz von Hessen-Kassel gerichtet, der als musikliebender Fürst und Förderer italienischer Musik bekannt war.
Spätestens gegen Ende der 1590er Jahre hielt sich Biffi im südwestdeutschen Raum auf. In den Quellen erscheint er im Umfeld des Hofes von Friedrich I. von Württemberg. Sein Arbeitsbeginn in Stuttgart lässt sich auf den 1. August 1597 datieren und endete abrupt, auf unehrenhafte Weise („in a dishonest manner“) am 6. November 1600, fünf Tage vor dem Eintreffen seines Nachfolgers, dem Sänger und Komponisten Konrad Hagius (um 1550–1616).[2][3]
Für diesen Hof entstand unter anderem das zehnstimmige Madrigal Questi freggi celesti, das „per cantare o sonare“ bestimmt ist, also sowohl vokal als auch instrumental aufgeführt werden konnte. Das Werk ist in Zusammenhang mit dem sogenannten Musiktisch Friedrich von Württembergs der württembergischen Herzöge überliefert, einem kunstvoll gestalteten Notensatzmöbel aus der Zeit um 1599, dessen eingelassene Notenblätter polyphone Kompositionen zeigen.[4]
Dieser Musiktisch Friedrich von Württembergs, ein außergewöhnliches Beispiel höfischer Musikkultur um 1600, enthält eben diese zehnstimmige Komposition Biffis. Der Tisch wurde in der musikwissenschaftlichen Forschung untersucht, unter anderem von dem Musikwissenschaftler Joseph Kolberg (1859–1917), der auf die Bedeutung des Möbels als Quelle für die höfische Aufführungspraxis hingewiesen hat. Auf den zehn Messingplatten sind die Stimmauszüge eingraviert, sodass die Sänger um den Tisch stehend das Werk aufführen können. Dieses Madrigal für zwei fünf-stimmige Chöre ist das einzige vollständig erhaltene Werk Biffis.
Werke (Auswahl)
Zu den überlieferten Kompositionen Biffis gehören vor allem weltliche Vokalwerke im Stil der späten italienischen Madrigalkultur. Die Angabe „per cantar et sonar“ in einigen Drucken weist auf eine flexible Aufführungspraxis hin, bei der Vokalstimmen gegebenenfalls durch Instrumente verstärkt oder ersetzt werden konnten.
- Madrigali zu vier Stimmen (1582)
- Il primo libro delle canzonette a sei voci per cantar et sonar insieme (1596)
- Madrigale zu fünf Stimmen (1598)
- Madrigale zu sechs Stimmen (1600)
- Questi freggi celesti, Madrigal für zehn Stimmen (per cantare o sonare)
Weblinks
- Werke Biffis im WorldCat.