Gisela Kornrumpf

deutsche Germanistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Gisela Kornrumpf (* 5. August 1938) ist eine deutsche mediävistische Germanistin. Sie forscht insbesondere zur Überlieferungsgeschichte der mittelalterlichen Lyrik im deutschen Sprachraum.

Leben und Werk

Nach Abschluss ihres Studiums und ihrer Promotion zum Dr. phil. wurde Gisela Kornrumpf am 1. November 1964 Nachfolgerin von Paul-Gerhard Völker und führte dessen Arbeit an der Beschreibung mittelalterlicher Handschriften der Universitätsbibliothek München fort. Das Projekt war 1960 im Rahmen eines Förderprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Handschriftenkatalogisierung angelaufen.[1] Als Resultat der Kooperation erschien 1968 der unter beider Namen veröffentlichte Katalog Die deutschen mittelalterlichen Handschriften der Universitätsbibliothek München.[2] 1974 folgte unter Kornrumpfs Mitwirkung nach dem Katalog der deutschen Handschriften auch der erste Teil des zweibändigen Katalogs der lateinischen mittelalterlichen Handschriften der Universitätsbibliothek München.

Am 1. September 1972 trat Gisela Kornrumpf auch Völkers Nachfolge bei der Kommission für Deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) in München an, die sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2003 leitete.[3]

Bei dieser Akademiekommission arbeitet sie auch im Ruhestand weiter ehrenamtlich mit[4] und betreut dort den Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (KdiH) sowie das Projekt Überlieferung der deutschsprachigen Lieddichtung des Mittelalters.[4] Mit der mittelalterlichen Lieddichtung beschäftigt sie sich seit mehr als vier Jahrzehnten. In dem ehrenamtlichen Vorhaben arbeitet sie damit eine zentrale Gattung der mittelalterlichen deutschen Literatur systematisch auf und bündelt die Ergebnisse ihrer Forschung. Auf der Website der BAdW heißt es, Gisela Kornrumpf kenne „wie keine zweite“ die Handschriften, in denen das mittelalterliche Lied in seinen vielen Spielarten überliefert ist. Ihr Wissen gab sie in zahlreichen nationalen und internationalen Vorträgen weiter.[5]

Gisela Kornrumpf veröffentlichte zahlreiche grundlegende Arbeiten auf den Gebieten der Kodikologie, der Minnelyrik, der Spruchdichtung, der Epik, der Historienbibeln, der Weltchroniken und der Bibelübersetzung.[6] Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt seit den 1980er Jahren das Werk des Österreichischen Bibelübersetzers, eines anonymen lateinkundigen Laien, der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Österreich als Bibelübersetzer und -kommentator tätig war und mehrere Traktate schrieb.[3] Zudem verfasste Kornrumpf eine Vielzahl von Lexikonartikeln – etwa für das Verfasserlexikon – und wirkte am Lexikon des Mittelalters und am Killy Literaturlexikon mit.[6]

Der Basler Mediävist Gert Hübner beschrieb im Jahr 2011 Gisela Kornrumpfs Fachkompetenz in einer Rezension so:

Wa vunde man sament so manig liet? Im Gedächtnis von Gisela Kornrumpf gibt es, stelle ich mir vor, unter etlichen weiteren, ähnlich organisierten Abteilungen ein gescanntes Faksimile der gesamten deutschsprachigen Liedüberlieferung des Mittelalters ('ein Corpus von derzeit etwa 280 Überlieferungsträgern aus dem 12. bis 16. Jahrhundert', Kornrumpf 2008, S. V) sowie großer Teile der lateinischen. Auf dieser im biologischen Reich einmaligen Sammlung photographisch genau erfasster Daten operiert ein kognitives Informationsverarbeitungssystem, das über Zoomfaktoren vom Totalpanorama bis zum Mikroskop verfügen und deshalb großräumige Bezüge zwischen allen Details herstellen kann. Ein sich im Analyseprozess permanent weiter schärfender Kombinationssinn ist darauf spezialisiert, 'diejenigen Fragen zu finden, auf die die Überlieferung Antworten bereithält' (Kornrumpf 2008, S. 100).“[7]

Ehrungen

Zu ihrem 65. Geburtstag widmeten ihr im Jahr 2003 Franz-Josef Holznagel und Hartmut Möller den Beitrag Ein Fall von Interregionalität: Oswalds von Wolkenstein "Wach auf, mein hort" (Kl 101) in Südtirol und in Norddeutschland.[8]

Als Festgabe zu ihrem 75. Geburtstag gaben Rudolf Bentzinger, Ulrich-Dieter Oppitz und Jürgen Wolf im Jahr 2013 die umfangreiche Aufsatzsammlung Grundlagen. Forschungen, Editionen und Materialien zur deutschen Literatur und Sprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit heraus. Sie sollte „ein Zeichen der Hochachtung und der Dankbarkeit sein, die die Kolleginnen und Kollegen einer Meisterin der germanistischen Mediävistik entgegenbringen“.[6]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die deutschen mittelalterlichen Handschriften der Universitätsbibliothek München. Beschrieben von Gisela Kornrumpf und Paul-Gerhard Völker. (= Band 1 von Gerhard Schott (Hrsg.): Die Handschriften der Universitätsbibliothek München). Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1968, ISBN 3-447-00393-6 (Digitalisat, Volltext).
  • Die lateinischen mittelalterlichen Handschriften der Universitätsbibliothek München. Beschrieben von Natalia Daniel, Gisela Kornrumpf und Gerhard Schott. (= Band 3. Erste Hälfte. Von Gerhard Schott (Hrsg.): Die Handschriften der Universitätsbibliothek München). Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1974, ISBN 3-447-01594-2 (Digitalisat, Volltext).
  • Vom Codex Manesse zur Kolmarer Liederhandschrift. Aspekte der Überlieferung, Formtraditionen, Texte. Niemeyer, Tübingen 2008, ISBN 978-3-484-89133-3.
  • Das Gesamtwerk des Österreichischen Bibelübersetzers. In: Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Akademie Aktuell. Nr. 62, Heft 03/2017, München, S. 36–43 (PDF-Datei, Digitalisat).

Literatur

  • Burghart Wachinger: Hugo Kuhn und die Münchener Akademiekommission für Deutsche Literatur des Mittelalters. In: Eckart Conrad Lutz (Hrsg.): Das Mittelalter und die Germanisten. Zur neueren Methodengeschichte der Germanischen Philologie (Scrinium Friburgense, 11) Universitätsverlag, Freiburg/Schweiz 1998, ISBN 978-3-7278-1184-5, S. 33‒34.
  • Rudolf Bentzinger, Ulrich-Dieter Oppitz und Jürgen Wolf (Hrsg.): Grundlagen. Forschungen, Editionen und Materialien zur deutschen Literatur und Sprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. [Festgabe für Gisela Kornrumpf] (= Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur. Beiheft 18). Hirzel, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-7776-2348-1 (Digitalisat [PDF] Foto von Gisela Kornrumpf auf S. 11 der PDF-Datei).

Einzelnachweise

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