Gisela Opitz

deutsche evangelische Theologin und Politikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Gisela Opitz (* 7. April 1931 in Gralow, Landkreis Landsberg (Warthe); † 21. Januar 2005 in Potsdam) war eine deutsche evangelische Theologin und Politikerin.

Werdegang

Gisela Opitz wurde als Gisela Meuß im April 1931[1] in der Nähe von Landsberg an der Warthe (heute Gorzów Wielkopolski) in eine Pfarrersfamilie geboren, der Vater gehörte der Bekennenden Kirche an. Ihre Großmutter war Lehrerin und ihre Mutter und Tante hatten studiert. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Familie aus dem Pfarrhaus vertrieben und gelangte Ende 1945 nach Rathenow,[2] wo Gisela Opitz’ Vater von 1945 bis 1952 als Pfarrer tätig wurde.[3] Sie besuchte die dortige Schule bis zum Abitur. Anschließend studierte sie Theologie in Berlin, Rostock und Halle.[4][5]

Gisela Opitz engagierte sich nach ihrem Studienabschluss innerhalb der evangelischen Kirche, trotz staatlicher Repressionen und Überwachung der Kirchen in der DDR. Sie wurde Studieninspektorin im Vikarinnenseminar der Evangelischen Kirche der Union, danach arbeitete sie ab 1959 im Landesjugendpfarramt Mecklenburg in der Schüler- und Mädchenarbeit. 1961 heiratete Gisela Opitz den Theologen Helmut Opitz, den sie während ihrer Studienzeit kennengelernt hatte,[5] und zog mit ihrem Mann nach Potsdam. Ab 1961 arbeitete sie in der Ausbildung von Pfarrerinnen und leitete das Vikarinnenseminar in Potsdam.[6] Zwischen 1962 und 1967 kamen die drei Söhne zur Welt und gemeinsam mit ihrem Mann zog sie neben der Berufstätigkeit die Kinder und ihren Pflegesohn auf.[2]

Außerdem war Gisela Opitz als freiberufliche Dozentin in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen tätig. DDR-weit bekannt wurde sie als Gestalterin und Herausgeberin von Arbeits- und Ausbildungsmaterialien und des Gebetbuches „Guten Morgen schöne Welt: Gebete für Eltern und Kinder“, das 1980 in der Berliner Evangelischen Verlagsanstalt erschien.[7] 1982 wurde sie theologische Mitarbeiterin in der Evangelischen Frauenhilfe.[2][4][6] In den Jahren der DDR engagierte sie sich in der Bürgerbewegung und wurde Mitglied im Neuen Forum.[5]

Wirken nach der Wiedervereinigung

Nach dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung war Gisela Opitz 1989 Gründungsmitglied der Unabhängigen Initiative Potsdamer Frauen,[8] in der sie sich für die Belange älterer Menschen und die Gleichberechtigung von Frauen[9] einsetzte. Sie baute dann das aus der Initiative hervorgehende Autonome Frauenzentrum Potsdam mit auf. 1990 wurde sie zur Stadtverordneten in Potsdam gewählt und vertrat in dieser Funktion zunächst die Unabhängige Fraueninitiative, dann das Bürgerbündnis.[6] Ab November 1990 übernahm sie die Leitung der Dienststelle der Potsdamer Zentrale der Evangelischen Frauenhilfe, wirkte außerdem im Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein mit und koordinierte auch die Zusammenlegung der Evangelischen Frauenhilfe Ost und West.[2][4]

Alte Neuendorfer Kirche

Gisela Opitz ging 1995 in den Ruhestand, blieb aber Stadtverordnete und war weiterhin im Haupt-, Kultur- und Sozialausschuss der Stadt sowie im Kuratorium des Hans Otto Theaters, im Vorstand der Potsdamer Philharmonie und des Frauenzentrums, dessen Vorstand sie seit 1990 angehörte, tätig.[10] Zusätzlich war sie Gemeindekirchenratsvorsitzende in Babelsberg, baute die Diakoniestation mit auf und organisierte den jährlichen Weltgebetstag der Frauen.[2][5]

Im Jahr 1998 wurde Gisela Opitz’ Antrag zum Wiederaufbau und zur Sanierung der Alten Neuendorfer Kirche auf dem Neuendorfer Anger in der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt. Daraufhin gründete sie einen Förderverein zum Wiederaufbau, warb intensiv um Unterstützung[11] und erreichte, dass sich Bürger, Architekten, weitere Fachleute und Firmen mit Spenden und mit kostenlosen Arbeitseinsätzen am Projekt beteiligten. 2004 war die 2001 begonnene Außensanierung der Kirche fertiggestellt,[12] in der Gisela Opitz am Heiligen Abend 2004 den Gottesdienst hielt.[5][6][13][14] Auch setzte sie sich erfolgreich dafür ein, dass mehrere Straßen im Potsdamer Stadtteil Kirchsteigfeld nach Frauen benannt wurden.[4]

Gisela Opitz wohnte in der Schulstraße 3 und starb 2005 im St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam.[5] Sie wurde nach dem Trauergottesdienst in der fast fertig restaurierten Alten Neuendorfer Kirche[15] auf dem Evangelischen Friedhof der Kirchengemeinde Babelsberg an der Wichgrafstraße neben ihrem Anfang der 1990er Jahre verstorbenen Mann beigesetzt.[16]

Ehrungen und Gedenken

Im Jahr 1994 wurde Gisela Opitz für „das Schaffen erster frauenpolitischer Strukturen nach der gesellschaftlichen Wende“ und ihr vielfältiges Engagement durch Regine Hildebrandt mit dem Titel „Brandenburgerin des Jahres“ geehrt.[2][4]

1998 wurde sie mit dem jährlich an besonders engagierte Frauen verliehenen „Hexenbesen“ des Frauenzentrums Potsdam geehrt.[2]

Gisela Opitz wurde 2014 mit der Aufnahme in das Projekt FrauenOrte Brandenburg des Frauenpolitischen Rates Land Brandenburg ausgezeichnet, das Leben und Wirken bedeutender Frauen in der brandenburgischen Geschichte sichtbar macht. Wie auch in anderen nationalen Projekten der Frauenorte werden Frauen in Deutschland und ihr Lebenswerk als historische Vorbilder geehrt.[17] Die Gedenktafel befindet sich an der Alten Neuendorfer Kirche auf dem Neuendorfer Anger in Potsdam-Babelsberg, einem der Wirkungsorte von Gisela Opitz. (Welt-Icon)[4][6]

Im Jahr 2025 wurde der Gisela-Opitz-Weg im Bergviertel des Potsdamer Entwicklungsbereichs Krampnitz nach ihr benannt.[18]

Einzelnachweise

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