Giuseppe Campori
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Giuseppe Campori (geboren am 17. Januar 1821 in Modena; gestorben am 19. Juli 1887 ebenda) war ein italienischer Kunsthistoriker, Politiker und Sammler.
Leben
Campori entstammte einer alteingesessenen Grafenfamilie in Modena. Seine Eltern waren Carlo Campori und dessen Frau Marianna (geborene Bulgarini). 1829 trat er in das Collegio dei Nobili di San Carlo ein, das bereits sein älterer Bruder Cesare Campori (1814–1880) besucht hatte.[1] Er wurde dort von dem Gelehrten Giuseppe Riva (1791–1872) und den Physiker Stefano Giovanni Marianini (1790–1866) unterrichtet. Nach seinem Abschluss unternahm er 1839 eine Reise nach Rom und besuchte in Neapel den Philosophen Pasquale Galluppi. 1841 verfasste er für die Zeitschrift Il Silfo eine Rezension der von Gustavo Torregiani veröffentlichten Briefsammlung berühmter Italiener. Im Jahr 1842 entsandte ihn sein Vater zu Erzherzog Maximilian Joseph von Österreich-Este, dem Bruder von Herzog Franz IV., und Campori verbrachte acht Monate auf Schloss Ebenzweier und in Wien, wo er einen Artikel über die Werke modenesischer Maler verfasste, die sich zu jener Zeit in der kaiserlichen Galerie Belvedere befanden, der 1844 in der Zeitschrift Strenna modenese abgedruckt wurde. Campori beschäftigte sich intensiv mit der Kunstgeschichte und veröffentlichte weitere Schriften mit Informationen über das Leben, das Umfeld und die Werke von Künstlern seiner Heimat. 1845 reiste er nach Venedig und 1846 nach Florenz, wo er Giovan Pietro Vieusseux kennenlernte. Im selben Jahr begann er, mit der Zeitschrift Archivio storico italiano zusammenzuarbeiten und veröffentlichte Relazioni di L. A. Muratori a Rinaldo d’Este e il Testamento del Muratori (Die Beziehungen Lodovico Antonio Muratoris zu Rinaldo d’Este und Muratoris Testament). Campori trug im Laufe der Zeit zahlreiche Autogramme zusammen, die er bei Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten und von Bekannten erhalten hatte.
1851 scheiterte sein Versuch in Modena unter dem Titel Annuario storico modenese eine ähnliche Zeitschrift herauszugeben, von der nur die erste Ausgabe erschien. Campori ließ daher einen Großteil seiner wissenschaftlichen Arbeiten im Indicatore modenese veröffentlichen. 1859 wurde das geheime Archiv der Familie Este für Wissenschaftler geöffnet, das seit dem Tod Girolamo Tiraboschis nicht zugänglich war. Campori nutzte die Gelegenheit, um dort weitere historische Informationen zu sammeln.[2]
Er wählte sich Ferrara, die Wiege der Renaissancekunst, zum neuen Schwerpunkt für seine Studien und beschäftigte sich mit den Künstlern, die am Hof der Grafen von Leonello bis Ercole II. d’Este tätig waren. Zu diesen zählten insbesondere Benvenuto Cellini, Michelangelo, Pordenone, Raffael oder Tizian und andere namhafte Künstler. Er befasste sich zudem mit der Bildhauerei, der Tapisserie und der Miniaturmalerei und lieferte durch seine Veröffentlichungen antiker Kataloge und Inventare wertvolle Grundlagen für die Zuschreibungen in Galerien und Kunstsammlungen.
Campori unternahm 1855 eine Reise nach England und Frankreich und hielt er sich, gesundheitlich angeschlagen, 1857 in Pisa, im Apennin und wieder in Florenz auf, ehe er nach Modena zurückkehrte. Als er starb, hinterließ er der Stadt Modena Teile seiner Gemäldesammlung und zahlreiche Autographen, Briefe, Kunstbücher und Manuskripte.[3] Sein Neffe Matteo Campori (1856–1933), der einen Teil der Gemäldesammlung geerbt hatte, schenkte diese 1929 ebenfalls der Stadt.[4]
Politische Tätigkeit
Nach dem Anschluss Modenas an das Haus Savoyen am 14. März 1860 wurde Campori, der als einer der wenigen modenesischen Patrizier mit liberalen Ansichten galt, Abgeordneter des ersten Wahlkreises der Stadt. Er ließ sich bei den Wahlen im Frühjahr 1861 nicht aufstellen und wurde im Oktober 1864 Bürgermeister von Modena. Da sich sein Gesundheitszustand nicht besserte und er sich häufig von einem delegierten Stadtrat vertreten lassen musste, trat er im Mai 1866 von diesem Amt zurück, blieb jedoch Mitglied des Stadtrats. Er wurde zu den Parlamentswahlen 1867 erneut als Kandidat aufgestellt, um die Wiederwahl Nicola Fabrizis zu verhindern. Es kam zur Stichwahl, die Fabrizi mit nur 18 Stimmen gewinnen konnte. Damit beendete er seine politische Karriere.
Schriften (Auswahl)
Campori gab noch kurz vor seinem Tod ein Verzeichnis der 209 von ihm verfassten Werke heraus.
- Gli artisti italiani e stranieri negli Stati estensi: catalogo storico corredato di documenti inediti. Tipografia della R. D. Camera, Modena 1855 (archive.org).
- Nuovi Documenti per la Vita di Leonardo da Vinci. Modena 1865 (babel.hathitrust.org).
- Giuseppe Porta, detto il Salviati: notizie biografiche e artistiche. Carlo Vincenzi, Modena 1871 (babel.hathitrust.org).
- Memorie storiche di Marco Pio di Savoja, signore di Sassuolo. Carlo Vincenzi, Modena 1871 (babel.hathitrust.org).
- Notizie per la vita di Lodovico Ariosto: tratte da documenti inediti. Carlo Vincenzi, Modena 1871 (babel.hathitrust.org).
- Michelangelo Buonarroti e Alfonso I d’Este. In: Atti e Memorie delle RR. Deputazioni di storia patria per le provincie dell’Emilia. Neue Serie Band 6, Teil 1, Tipi di G.T. Vincenzi e Nipoti, Modena 1881 (babel.hathitrust.org).
Literatur
- Adolfo Venturi: Necrologia. In: Domenico Gnoli (Hrsg.): Archivio storico dell’arte. Anno I – 1888. Rom 1889, S. 91 (Textarchiv – Internet Archive).
- Tiziano Ascari: Campori Giuseppe. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani. Band 17: Calvart–Canefri. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1974. (italienisch, treccani.it).