Giuseppe Tiburtio Vergelli
italienischer Architekt und Vedutenzeichner
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Giuseppe Tiburtio Vergelli (auch Giuseppe, Giuseppe Tiburzio Vergelli und Giuseppe di Tiburzio Verzelli; * 12. Oktober 1629 in Recanati; † nach August 1695, wahrscheinlich ebenda) war ein italienischer Architekt und Zeichner von Bauwerken und Veduten. Nach der Leitung der Bauarbeiten an der Santa Casa in Loreto widmete er sich ab ca. 1680 in Rom neben der Architektur auch dem Studium der Perspektive. Der Nachwelt bekannt ist er durch einige Veröffentlichungen sowie überaus detailreiche Druckgrafiken, für die er die Entwürfe lieferte.





Leben und Werk
Der Sohn von Giovanni Battista Vergelli (* 1588) und dessen Ehefrau Lucrezia, geborene Botani, sowie Enkel des Metallgießers Tiburzio Vergelli wurde zum Architekten ausgebildet. Als solcher leitete er von 1658 bis 1677 die Bauarbeiten an der Santa Casa in Loreto. Nach seinem Entwurf wurde der Turm von Monte Santo errichtet, ebenso sechs weitere entlang der Küste der Romagna, möglicherweise jene, die Papst Clemens X. 1673 zur Verteidigung gegen die Einfälle der Türken in Auftrag gegeben hatte.[1][2]
Wann Vergelli in Rom ansässig war, ist in der Literatur nicht eindeutig wiedergegeben: Thieme/Becker nennen ca. 1680 bis 1695, der Lokalhistoriker Diego Calcagni geht von 22 Jahren aus. Davide Righini referiert die Angabe von Calcagni und belegt zugleich die Rückkehr in die Heimatstadt mit der Ernennung Vergellis zum Verwahrer öffentlicher Dokumente (pubblico depositario) im August 1695.
Unzweifelhaft ist, dass Vergelli in Rom die Ausführung mehrerer Adelssitze betreute, Bühnenbilder für drei Komödientheater entwarf und sich darüber hinaus der Perspektive widmete. 1682 erschien im Verlagshaus Mascardi sein Kompendium der ursprünglich 1583 publizierten „Zwei Regeln der praktischen Perspektive“ des Giacomo Barozzi da Vignola.[1][2]
Ab den späten 1680er-Jahren war Vergelli für das Verlagshaus De Rossi in Piazza Navona tätig. Die erste Zusammenarbeit zeigt sich im dritten Buch der seit 1686 veröffentlichten, auf Giovanni Battista Falda zurückgehende Vedutenserie des modernen Rom (Il terzo libro del nuovo splendore di Roma moderna) von 1688. Auf Vergellis eigener Intention beruht die von Pietro Paolo Girelli gestochene und radierte Druckgrafikfolge der „Öffentlichen Brunnen auf den Plätzen des modernen Rom“ von 1690. Deren deutlich bessere Qualität konnte der Künstler in der Folgezeit weiter steigern. Dies zeigt sich in zwei meisterhaften Großformat-Drucken: Beim Pantheon (1692) ist die dramatische Perspektive der Außen- und Innenansicht mit einer subtilen geometrischen Analyse kombiniert. Es war der erste Druck, der das Zusammenspiel von Kreis und Kugel in der Gestaltung der Kuppel darstellte. Bei der Innenansicht der Lateranbasilika (1693) demonstrierte Vergelli die von Francesco Borromini akribisch inszenierte Dramaturgie des Spiels von Licht und Schatten.[3]
Etwa 43 × 69 cm misst die Darstellung der Heiligsprechung durch Papst Alexander VIII. im Jahr 1690. Die Radierung zeigt das ephemere Dekorationen aufweisende, linke Querhaus mit dem Baldachin von Gian Lorenzo Bernini im Zentrum. Neben den fünf Kardinälen sind alle wichtigen Personen mit Zahlen gekennzeichnet und am rechten Bildrand namentlich benannt.[4]
Ungesichert ist die Angabe Calcagnis, Vergellis „perspektivischen Gemälde“ seien in San Salvatore in Lauro, San Lorenzo in Lucina, San Giacomo degli Incurabili sowie San Rocco all’Augusteo „zusammen mit Werken anderer bedeutender Maler ausgestellt und gelobt“ worden.
Werkauswahl
- Le due regole della prospettiva pratica del Vignola, (…) epilogate da Giuseppe Tiburtio Vergelli. 1682
- Prospetto della nobile e vaga Piazza Navona. 1688
- Le fontane publiche delle piazze di Roma moderna disegnate da Gioseppe Tiburtio Vergelli Recanatese, intagliate da Pietro Paolo Girelli Romano. 1690
- Disegno e Prospetto del Teatro e nuovo Apparato dentro la Chiesa di S. Pietro in Vaticano per la fontione della Canonizatione de Cinque Santi. 1690
- Prospetto interno ed esterno dell’ antico tempio romano detto Pantheon. 1692
- Facciata dell’ Arco antico di Costantino, che risguarda l’Anfiteatro di Flavio detto il Colosseo. 1692
- Veduta interiore dell’ antico tempio partriarcale di S. Giovanni in Laterano. 1693
Literatur
- Davide Righini: Vergelli, Tiburzio. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 98: Valeriani–Verra. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2020, italienisch.
- Vergelli, Giuseppe Tiburzio. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 34: Urliens–Vzal. E. A. Seemann, Leipzig 1940, S. 242 (biblos.pk.edu.pl).
- Diego Calcagni: Memorie istoriche della città di Recanati nella Marca d’Ancona. D. Vittorino Maffei, Messina 1711, S. 258 f. (Giuseppe di Tiburzio Verzelli) (italienisch, digitale-sammlungen.de).