Gjurakoc

Dorf in der Gemeinde Istog, Kosovo From Wikipedia, the free encyclopedia

Gjurakoc (albanisch auch Gurakovc/-i oder auch Gurrakoc/-i; serbisch Ђураковац Đurakovac) ist mit circa 2200 Einwohnern das zweitgrößte kosovarische Dorf in der Gemeinde Istog.[1] Im Zuge des Kosovokriegs flüchteten viele albanische Bewohner aus dem Dorf, viele serbische Bewohner wurden vertrieben, sodass sich die Bevölkerungszahl um die Jahrtausendwende fast halbierte.

Schnelle Fakten Gjurakoc/Gjurakoci 1(Gurrakoc/Gurrakoci) Đurakovac/Ђураковац 2, Basisdaten ...
Gjurakoc/Gjurakoci 1
(Gurrakoc/Gurrakoci)
Đurakovac/Ђураковац 2
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Gjurakoc (Kosovo)
Gjurakoc (Kosovo)
Basisdaten
Staat: Kosovo Kosovo 3
Bezirk: Peja
Gemeinde: Istog
Koordinaten: 42° 44′ N, 20° 28′ O
Höhe: 454 m ü. A.
Fläche: 10,74 km²
Einwohner: 2.209 (2011)
Bevölkerungsdichte: 206 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +383 (0) 44
Kfz-Kennzeichen: 03
3 
Die Unabhängigkeit des Kosovo ist umstritten. Serbien betrachtet das Land weiterhin als serbische Provinz.
Schließen

Geographie

Das Dorf liegt im Nordwesten der Tiefebene von Metochien.[2]

Geschichte

Gjurakoc wurde im Mittelalter als feudale Domäne gegründet.[2] Die erste Kirche wurde auf dem Fundament eines anderen Gebäudes aus dem 14. Jahrhundert erbaut.[3] 1761 wird das Dorf als «Đurakovci» in den Schriften des Klosters Visoki Dečani erwähnt.[2]

Nach der Vertreibung der meisten Serben aus dem Dorf wird eine Rückkehr von einigen albanischstämmigen Dorfbewohnern kritisch gesehen, weil ihre ehemaligen serbischen Nachbarn Kriegsverbrechen begangen hätten.[4] Von serbischer Seite wird auf die schwierige ökonomische Lage hingewiesen und das Rückkehrprogramm als PR-Aktion (“stunt”) der UNMIK angesehen.[5]

Demographie

Während die Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst beständig anstieg, flohen im Zuge des Kosovokrieges viele Dorfbewohner oder wurden vertrieben. Im Dorf bestehen zum großen Teil noch Sippenstrukturen,[6] wobei die Familie Osmanji dominiert.

Weitere Informationen Volkszählung, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung[7]
Volkszählung1948195319611971198119912011
Einwohner 1235161521432631310038012209
Schließen

Ethnien

Über 90 % der Einwohner von Gjurakoc betrachten sich als Albaner. Etwa 110 Einwohner des Dorfes sind Balkan-Ägypter. Bei der Volkszählung 1991 lebten noch etwa 600 Serben im Dorf; im Juli 1999 wurden die meisten von ihnen im Zuge des Kosovokrieges vertrieben.[8] Bei der Volkszählung 2011 deklarierten sich nur noch 22 Personen als Serben und 39 als Bosniaken; 12 identifizierten sich als Aschkali, weitere 15 Personen bekannten sich zu anderen Ethnien.[1]


 Selbstidentifikation der Dorfbewohner bei der Volkszählung 2011 
Albaner/Kosovo-AlbanerBalkan-Äg...BosniakenSerbenAschkaliSonstigeAlbaner/Kosovo-AlbanerBalkan-ÄgypterBosniakenSerbenAschkaliSonstige

Religion

Die meisten Einwohner bekennen sich zum Islam, eine große katholische Minderheit existiert und einige wenige Serbisch-Orthodoxe sind im Dorf verblieben.[9]


 Religion 
muslimischkatholischserbisch-orthodoxmuslimischkatholischserbisch-orthodox

Sakralbauten

Ruine der 1592 eingeweihten St.-Nikolaus-Kirche, Đurakovac

Am Ortseingang Richtung Peja steht eine Moschee.

Eine nach Nikolaus von Myra benannte serbisch-orthodoxe Kirche existierte im Dorf. Sie wurde im Juli 1999 im Zuge des Kosovokrieges von Kosovo-Albanern gesprengt.[8] ihre Ruine steht unter Bestandsschutz.[10] Die katholische Kapelle Marias Geburt existiert weiterhin.[11]

Wirtschaft

In den 1970er Jahren war die Wirtschaft agrarisch geprägt, vor allem wurden Früchte angebaut; von den damals etwa 666 Erwerbstätigen waren rund 450 in der Landwirtschaft tätig.[2]

Gjurakoc übernimmt einige primäre infrastrukturelle Funktionen, so gibt es eine medizinische Ambulanz und eine Grundschule. Diese bestehen mindestens seit den 1970er Jahren.[2] Außerdem gibt es Gemischtwarenläden, Restaurants und einen Beherbergungsbetrieb.

Bildung

Neben der Grundschule hatte das Dorf vor dem Kosovokrieg eine Zweigbibliothek der Gemeinde Istok, diese erlitt jedoch Kriegsverluste.[12]

Verkehr

Die Regionalstraßen R-101, die Nord-Mitrovica mit Peja verbindet, und R-104, die Istog mit der M-9 bei Përlinë verbindet, kreuzen sich im Ortszentrum und verlaufen dort kurz parallel zueinander.

Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich etwa 16 km südsüdöstlich in Klina; von dort verkehrten bis 2017 zweimal täglich Regionalzüge in Richtung Prishtina und Peja.

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI