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Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer

Bildgießerei in Lauchhammer, Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer ist ein 1725 gegründetes sächsisches, seit 1815 preußisches und heute südbrandenburgisches Unternehmen, das sich in Lauchhammer im Landkreis Oberspreewald-Lausitz befindet.

Schnelle Fakten KGL Kunstguss Lauchhammer GmbH ...
KGL Kunstguss Lauchhammer GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung Juli 1725
Sitz Lauchhammer
Leitung Maxim Engelmann
Mitarbeiterzahl ca. 20
Branche Kunstguss
Website lauchhammer.com
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Bronzegießerei

Geschichte

Schloss Mückenberg um 1860
Detlev Carl von Einsiedel (Büste am Schloss Wolkenburg)
„Das Lutherdenkmal im Ciselirsaal zu Lauchhammer.“

18. Jahrhundert

Die Lauchhammeraner Kunst- und Glockengießerei hat ihren Ursprung in dem am 17. Juli 1725[1] von Freifrau Benedicta Margaretha von Löwendal gegründeten Lauchhammerwerk. Die Gemahlin des kursächsischen Oberhofmarschalls Woldemar von Löwendal ließ nach der Entdeckung umfangreicher Raseneisensteinvorkommen im Mückenberger Herrschaftsgebiet nördlich von Naundorf mit dem von August dem Starken erteilten Privileg ein Eisenwerk errichten, das bald um mehrere Zweigbetriebe erweitert wurde. Der prosperierende Markt im nahen barocken Dresden versprach einen profitablen Absatz von Gusserzeugnissen wie Hämmer, Ambossen, Herdplatten, Töpfen, Kesseln, Wagenbeschlägen, Achsen, Pflugscharen und vielem mehr. Kunstguss zählte noch nicht zum Angebot.

Nachdem sie 1776 verstorben war, übernahm ihr Universalerbe Detlev Carl von Einsiedel die Geschicke der Herrschaft Mückenberg und damit auch des Lauchhammers. Da der kunstsinnige Einsiedel, der bereits eine ansehnliche Modellsammlung antiker Bildwerke besaß, ab 1781 erste Versuche im Eisenkunstguss vornehmen ließ, gilt er als der Begründer des traditionsreichen Kunstgusses in Lauchhammer. 1784 gelang den beiden von Einsiedel engagierten Bildhauern Joseph Mattersberger und Thaddäus Ignatius Wiskotschill im Lauchhammerwerk erstmals der Nachguss einer antiken Bacchantin. Im selben Jahr wurde die in Eisenkunstguss gefertigte Große Vase geschaffen, 1786 die Venus von Florenz, 1787 zwei große Löwen, 1788 folgte das Denkmal der Frau von Herculaneum für das Schloss Mückenberg, von dem im Jahr 2000 ein Nachguss geschaffen wurde, der sich heute im einstigen Schlosspark befindet. Neben Kunstwerken, die Einsiedel unter anderem in den Parkanlagen seiner Besitzungen in Mückenberg und Wolkenburg aufstellen ließ, entstanden in der Eisengießerei auch weiterhin profane Gebrauchsgegenstände, Bauguss- und Maschinenteile.

19. Jahrhundert

1837 entstand ein Gusseiserner Baldachin nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel, der an den schwedischen König Gustav Adolf erinnert, der in der Schlacht bei Lützen 1632 fiel. Anfang des 19. Jahrhunderts begannen in der Gießerei Arbeiten zum Bronzeguss. Große Beachtung fanden 1838 die nach einem Modell von Christian Daniel Rauch gegossenen Bronzestatuen der ersten christlichen polnischen Fürsten Mieczyslaw und Boleslaw im Posener Dom. Es war der erste großformatige Bronzeguss in Lauchhammer. Die Kunstgießerei war bald weltweit auf zahlreichen Ausstellungen vertreten und errang Goldmedaillen, wie auf der Weltausstellung 1855 in Paris.

Von 1864 bis 1867 fertigten die Gießereiarbeiter unter Leitung des Ingenieurs Wilhelm Rose eine gusseiserne Säulenhalle für den Gezira-Palast auf der Nilinsel Gezira in Kairo. Das vom Architekten Carl von Diebitsch entworfene 400 Tonnen schwere Bauwerk hatte eine Länge von 300 Metern und war 15 Meter hoch. Von ihm sind im 21. Jahrhundert nur noch einige Teile erhalten, die in die Hotelanlage Marriott integriert sind.

Etwa zur selben Zeit entstand in der Kunstgießerei in siebenjähriger Arbeit Ernst Rietschels Lutherdenkmal für die Stadt Worms. Das aus zwölf Statuen, acht Reliefbüsten, sechs Reliefs und vierundzwanzig Städtewappen bestehende Monument wurde am 25. Juni 1868 enthüllt. Es gilt als eines der weltweit größten Reformationsdenkmäler und ist – vielfach nachgegossen – das wohl Berühmteste in Lauchhammer gegossene Kunstwerk.

Sporadisch erfolgten im 19. Jahrhundert erste Gussarbeiten für Kirchenglocken.

Mit Datum vom 8. Februar 1872 konstituierte sich die Actien-Gesellschaft Lauchhammer, vereinigte vormals Gräflich Einsiedel'sche Werke zu der neben Lauchhammer auch die Eisenwerke Burghammer, Gröditz und Riesa, sowie die Rittergüter Mückenberg, Frauendorf und Sallgast gehörten.[2]

20. Jahrhundert

Im Ersten Weltkrieg entwickelte sich der Bereich Glockengießerei, zunächst in Eisenhartguss, dann auch Bronze, der allein zwischen 1920 und 1939 etwa 500 Glocken hervorbrachte, die in die ganze Welt verschickt wurden. Im Jahr 1922 entstanden für den Ufa-Kulturfilm Ein modernes Hüttenwerk in der Regie von Ulrich Kayser Aufnahmen in der Bronzegießerei Lauchhammer.[3]

Im Nationalsozialismus wurde in der Gießerei vor allem „nationalsozialistische Kunst von der Großplastik bis zur Plakette“ hergestellt.[4]

Bereits am 12. September 1945 konnte mit Genehmigung der sowjetischen Behörden der Kunstguss wieder aufgenommen werden. Die etwa drei Meter große Gruppe von vier Sowjetsoldaten für einen Ehrenhain in Neubrandenburg war im September 1946 die erste Großplastik nach Ende des Krieges.[5]

Zu DDR-Zeiten war die Gießerei ein Teilbetrieb des VEB Schwermaschinenbau Lauchhammerwerk.[6]

1954 wurde das Stalin-Denkmal für Riesa von Johannes Friedrich Rogge gegossen. Es entstanden große Monumente wie die von Fritz Cremer geschaffene Figurengruppe des Mahnmals im KZ Buchenwald oder auch Tierplastiken im Berliner Tierpark. Das Werk goss für viele weitere Bildhauer in der DDR, u. a. Theo Balden, Johann Belz, Reinhard Dietrich, Hanns Diettrich, Herbert Burschik, Wolfgang Eckardt, Jo Jastram, Hans Klakow, Siegfried Krepp, Wilhelm Landgraf, Johannes Peschel, Robert Propf, Eberhard Reppold, Gisela Richter-Thiele, Eberhard Roßdeutscher, Ernst Sauer, Ursula Schneider-Schulz, Axel Schulz, Joachim Sendler, Vincenz Wanitschke, Martin Wetzel und Jürgen von Woyski.

Arbeiten wie der Berliner Neptunbrunnen oder der Leipziger Mendebrunnen wurden in Lauchhammer restauriert.

Die Gießerei stellte die Herstellung von Glocken in den 1970er Jahren ein. Stattdessen konzentrierte sich die Firmenleitung auf Kunstguss. 1990 wurde die Gießerei privatisiert.[6] 1993 übernahm die Glockengießerei Rincker den Betrieb.[7] Rincker brachte die für den Glockenguss notwendigen Rippenkonstruktionen in den Betrieb ein.[8] So konnte der traditionelle Glockenguss 1994 wieder aufgenommen werden.[9]

21. Jahrhundert

2012 veräußerte Rincker die Gießerei wieder.[7] Sie musste sich fortan selbst um die Erstellung der Glockenrippen bemühen.[8] Im April 2015 wurde die 800. Glocke seit der Wiederaufnahme gegossen.[10] Die Glocken wurden weltweit vertrieben, so gingen sie bis nach Chile, Indonesien, Japan und Tansania. Im Juni 2017 wurde der Glockenguss eingestellt.[8] Im Oktober 2024 wurde aufgrund mangelnder Nachfrage ein Insolvenzverfahren eingeleitet, von dem 26 Mitarbeiter betroffen waren.[11]

Seit 2025 wird die Kunstgießerei Lauchhammer durch die KGL Kunstguss Lauchhammer GmbH fortgeführt. Anfang 2026 konnte der Geschäftsführer der KGL die Gießerei nach einer Auftragserteilung mit einer Anzahlung von 190.000 Euro von den Gläubigern zurückkaufen.[12]

Werke (Auswahl)

Ausstellungen

Das 1993 in Lauchhammer-Ost eröffnete Kunstgussmuseum Lauchhammer stellt in einer ständigen Exposition die über 200 Jahre alte Geschichte des Kunstgusses in Lauchhammer dar. Das Museum beherbergt neben Eisen- und Bronzegüssen als wichtigsten Teil einen etwa 2800 Stücke umfassenden historischen Modellfundus der Gießerei. Neben der ständigen Ausstellung wechseln sich in der Einrichtung verschiedene Sonderausstellungen zum Thema ab.

Persönlichkeiten

Detlev von Einsiedel um 1860

Literatur

  • Susanne Kähler, Karl Bertuch, Alexander von Gleichen-Rußwurm: Kunstguss in Lauchhammer: 1784 bis heute. Hrsg.: Martin H. Schmidt (= Regardeur. Nr. 6). Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8423-2727-6.
  • Reinhard Köpping: Erz und Adel – Zum Leben und Wirken der Freifrau von Löwendal. Verlag der Kunst, Dresden 2010, ISBN 978-3-86530-140-6.
  • Mückenberg und das Eisenwerk Lauchhammer. In: Die Schwarze Elster. Nr. 305, 1925.
  • Stadtverwaltung Lauchhammer (Hrsg.): Lauchhammer – Geschichten einer Stadt. Geiger Verlag, Horb am Neckar 2003, ISBN 3-89570-857-7, S. 158–188.
  • Barbara Müller: Kunstgußmuseum in Lauchhammer. In: Arbeitskreis für Heimatkunde e. V. Bad Liebenwerda (Hrsg.): Heimatkalender für den Altkreis Bad Liebenwerda, das Mückenberger Ländchen, Ortrand am Schraden und Uebigau-Falkenberg 1995. Bad Liebenwerda 1995, S. 182–186.
  • Friedrich Hofmann: Die Reformatoren in der Gießhütte. In: Die Gartenlaube. Nr. 27, 1867, S. 427–431 (wikisource.org).

Einzelnachweise

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