Glockiger Bartfaden
Art der Gattung Bartfaden (Penstemon)
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Der Glockige Bartfaden (Penstemon campanulatus, Syn.: Penstemon pulchellus) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Bartfaden (Penstemon) innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Er kommt in den Gebirgsregionen Mexikos vor und wird als Zierpflanze genutzt.[1]
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Glockiger Bartfaden (Penstemon campanulatus) | ||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||
| Penstemon campanulatus | ||||||||||
| (Cav.) Willd. |
Beschreibung


Vegetative Merkmale
Der Glockige Bartfaden ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 60 Zentimetern erreicht.[1] Die zahlreichen, aufrechten und drahtigen Stängel sind kahl oder fein behaart.[2]
Die unteren Stängelblätter sind sitzend oder stängelumfassend,[3] schmal- bis breit-lanzettlich mit spitzem bis zugespitztem oberen Ende und mäßig bis sehr stark gezähnten Blattrand. Sie sind kahl oder höchstens am unteren Rand und an den Hauptadern spärlich behaart. Die achselständigen Blattbüschel sind meist gut entwickelt und bestehen aus zwei bis mehreren Paaren linealischer oder schmal-lanzettlicher Laubblätter und leicht verlängerten Internodien. Die oberen Stängelblätter werden nach oben hin zunehmend kürzer und breiter; sie sind eiförmig, fast ganzrandig und zur Basis hin verschmälert.[2]
Generative Merkmale
Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September.[1] Der traubige, einseitswendige, lockere, lange Blütenstand weist an jedem Knoten zwei gegenständige, schmal lanzettliche oder linealische Tragblätter und zwei, mäßig drüsig-behaarte Teilblütenstände mit jeweils meist zwei oder mehr gestielten Blüten auf.[2]
Die zwittrige Blüte ist zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die drüsigen Kelchblätter sind bei einer Länge von 5 bis 15 Millimetern lanzettlich, ganzrandig mit zugespitztem oberen Ende.[2] Die fünf hell-blauvioletten bis weinroten Kronblätter sind zu einer etwa drei Zentimeter langen, fingerhutförmigen, weit geöffneten, zweilippigen Blütenkrone verwachsen. Die Blütenkrone ist innen weiß, unterschiedlich gestreift oder gepunktet und am Schlund lang bewimpert.[1] Die Oberlippe ist aufrecht oder etwas ausgebreitet, die Unterlippe breit ausgebreitet und an der Innenseite meist spärlich behaart. Die vier kahlen Staubblätter sind in der Blütenkrone eingeschlossen. Das Staminodium reicht bis zur Unterlippe, ist am äußeren Ende geweitet und gelb behaart.[2]
Die kahlen, eiförmigen Kapselfrüchte springen in vier Klappen auf. Die zahlreichen Samen sind braun oder schwarz, kantig zusammengedrückt und etwa 2 Millimeter lang.[2]
Chromosomensatz
Die Chromosomengrundzahl ist x = 8; es liegt Diploidie vor mit der Chromosomenzahl 2n = 16.[4]
Vorkommen
Der Glockige Bartfaden ist in den mexikanischen Gebirgszügen Sierra Madre Occidental, Sierra Madre Oriental und Sierra Volcánica Transversal verbreitet.[2][5] Er besiedelt lichte Kiefern- und Eichenwälder (Madrean Pine-Oak Woodlands) an den Berghängen in trockenen bis sommerfeuchten, kalttropischen, submontanen Höhenlagen von 1800 bis 2500 Metern auf vulkanischem Verwitterungsgestein und auf Kalk.[2][6]
In einigen Florenwerken wird eine Verbreitung von Penstemon campanulatus bis in den US-Bundesstaat New Mexico beschrieben. Diese Annahme basiert nur auf zwei Herbarexemplaren, die während der Vermessung der Grenze zwischen den USA und Mexiko im Jahr 1893 angeblich in den USA gesammelt wurden. Spätere Untersuchungen haben jedoch nachgewiesen, dass die Herbarbelege mit ziemlicher Sicherheit aus Mexiko stammen. Bisher wurden keine natürlichen Vorkommen dieser Art in den USA entdeckt.[7]
Systematik
Die Erstveröffentlichung unter dem Namen (Basionym) Chelone campanulata erfolgte im Jahr 1791 durch Antonio José Cavanilles in Icones et descriptiones plantarum, Band 1, Seite 18.[8] Die Neukombination zu Penstemon campanulatus wurde im Jahr 1800 durch Carl Ludwig Willdenow in der vierten Auflage der Species Plantarum, Band 3, Teil 1, Seite 223 veröffentlicht.[9] Das Artepitheton campanulatus, -a, -um bedeutet „glockenförmig“ und bezieht sich hier auf die glockenförmigen Blütenkronen dieser Art.[10] Penstemon campanulatus wird zur der Sektion Fasciculus der Untergattung Penstemon innerhalb der Gattung Penstemon zugeordnet.[2]
Es sind die folgenden drei Varietäten bekannt:[11]
- Penstemon campanulatus var. campanulatus (Syn.: Penstemon pulchellus Lindl.): Sie kommt im gesamten Verbreitungsgebiet der Art vor, insbesondere in der Sierra Madre Oriental und der Sierra Volcánica Transversal in submontanen Höhenlagen von 1800 bis 2500 Metern.[12][5] Charakteristisch sind die drüsig-behaarten Zweige des Blütenstands.[2]
- Penstemon campanulatus var. chihuahuensis (Straw) B.L.Turner: Sie kommt in der Sierra Madre Occidental in den nordzentralmexikanischen Bundesstaaten Chihuahua und Durango in submontanen Höhenlagen von 2200 bis 2300 Metern vor.[13][5] Charakteristisch sind die drüsenlosen mittleren Stängelabschnitte. Diese sind spärlich bis dicht behaart mit hellbraunen bis weißen, meist etwa einen Millimeter langen Haaren.[2]
- Penstemon campanulatus var. subglandulosus S.S.White: Sie kommt endemisch im nordwestmexikanischen Bundesstaat Sonora im nördlichen Teil der Sierra Madre Occidental vor.[5] Charakteristisch sind die kahlen Zweige des Blütenstands und die drüsig-behaarten Blütenstiele und Kelchblätter.[2]
Verwendung
Der Glockige Bartfaden wird gelegentlich als Zierpflanze verwendet. Er ist seit spätestens 1794 in Kultur[1] und eignet sich besonders für sonnig-warme Staudenrabatten, Gehölzränder, Bauerngärten, Steingärten und steppenartige Pflanzungen.[10] Zusammen mit Penstemon hartwegii und Penstemon cobaea ist er eine der Elternarten vieler großblumiger, reichblütiger Bartfaden-Hybriden. Diese Hybriden haben meist große, über 5 Zentimeter lange, glockenförmige Blüten mit verschiedenfarbigen Blütenkronen (rosa, rot, karmin, weiß, purpurn, blau, violett) und hellem, oft gepunktet-gestreiftem Schlund. Da die Winterhärte der oft angebotenen Hybridmischungen unsicher ist, werden diese meist wie einjährige Sommerblumen kultiviert.[14][15] Daneben werden einige Sorten des Glockigen Bartfadens kultiviert, wie:
- ‘Richardsonii’: Diese niedrige, reichblühende und unempfindliche Sorte hat rötlich-violette bis weinrot-purpurfarbene Blüten.[1][3]
- ‘Pulchellus’: Diese Sorte wird nur 8 bis 10 Zentimeter hoch und hat azurblaue bis violette Blüten. Sie wird manchmal unter dem Namen Penstemon campanulatus var. pulchellus oder unter dem Synonym Penstemon pulchellus angeboten.[3]
Der Glockige Bartfaden wird an vollsonnige Standorte auf trockenen, basenreichen, gut durchlässigen Böden kultiviert. Er ist sehr trockenheitstolerant. Eine schlechte Drainage und zu viel Wasser können hingegen zu Stängelfäule führen.[10] Der Glockige Bartfaden ist nur mäßig winterhart bis −12 °C (Zone 8)[15] oder bis −18 °C (Zone 7).[10]
Extrakte des Glockigen Bartfadens haben eine entzündungshemmende Wirkung. Die indigene Bevölkerung Mexikos setzt sie zur Linderung von Husten und rheumatischen Schmerzen sowie zur Wundheilung ein.[16][17] In Labortests lindern Wirkstoffe aus den Wurzeln von Penstemon campanulatus Ödeme bei Mäusen.[17] Chemische Analysen der oberirdischen Pflanzenteile wiesen zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe nach, darunter Flavonoide, Phenolsäuren und Iridoidglucoside. Diese zeigen eine starke antimikrobielle Wirkung gegen grampositive Bakterien.[18] Die Extrakte in vitro zeigen eine selektive zytotoxische Aktivität gegen einige Krebszelllinien.[16]
Literatur
- Richard M. Straw: The Penstemons of Mexico. III. Two subsections in the section Fasciculus. In: Brittonia. Band 15, Nr. 1, 1963, S. 49–64, doi:10.2307/2805040 (Online [PDF]).
- Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 2: I bis Z. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 697–701, Kapitel Penstemon.
Weblinks
- Datenblatt bellflower beardtongue mit Verbreitungskarte bei WildflowerSearch.
- Fotos von Penstemon campanulatus bei CalPhotos, University of California, Berkeley.
- Fotos von Penstemon campanulatus bei iNaturalist.