Goethe-Schiller-Denkmal

Denkmal in Weimar From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Goethe-Schiller-Denkmal auf dem Theaterplatz in Weimar ist den deutschen Nationaldichtern Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) und Friedrich von Schiller (1759–1805) gewidmet. Es wurde im Auftrag des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach nach Entwurf des Bildhauers Ernst Rietschel im Jahr 1857 errichtet.

Goethe-Schiller-Denkmal Weimar (2020)

Beschreibung

Das Denkmal stellt das Dichterpaar nebeneinander stehend dar: Goethe, der ältere der beiden, von kräftiger Gestalt und im Hoffrack, ruhig vor sich hinblickend, lehnt an einem Eichenstumpf; seine linke Hand erfasst die Schulter Schillers, während er ihm mit der rechten den Lorbeerkranz reicht. Schiller, jugendlich, von schlanker Gestalt und im langen Gehrock mit dem Schillerkragen und offener Weste, hält in der linken Hand eine Schriftrolle, während die rechte, halb ablehnend, nach dem Kranz greift. Um die literarische Ebenbürtigkeit zu betonen, sind die Dichter in gleicher Körpergröße dargestellt – obwohl Schiller mit 1,80 m[1] deutlich größer als Goethe mit 1,69 m war.[2]

Die Vorderseite des von Großherzog Friedrich I. von Baden gestifteten Sockels aus poliertem badischen Granit trägt folgende Widmungsinschrift:

DEM DICHTERPAAR
GOETHE UND SCHILLER
DAS VATERLAND.

Auf der Rückseite des Eichenstumpfs steht folgende Signatur der Künstler: „Ernst Rietschel inv. et fec. Dresden 1856, Ferd. v. Miller fudit München 1857“

Geschichte

Goethe-Schiller-Denkmal (vor 1906)

Das Denkmal wurde am 4. September 1857 anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach feierlich auf dem Theaterplatz vor dem damaligen Großherzoglichen Theater, dem heutigen Deutschen Nationaltheater, enthüllt. Anlässlich dieses Festaktes gelangte in Weimar tags darauf, am 5. September 1857, Franz Liszts Faust-Sinfonie zur Uraufführung.

Auftraggeber war Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach. Den Entwurf des Standbildes schuf der Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel. Bei der Erstellung des Modells der Figurengruppe wurde er von seinem Gehilfen Gustav Kietz unterstützt. 1857 vollendete der Gießer Ferdinand von Miller in der Königlichen Erzgießerei in München den Bronzeguss. Als Material dienten ihm eingeschmolzene osmanische Kanonenrohre aus der Schlacht von Navarino.

Zunächst war Rietschels Lehrer Christian Daniel Rauch als Bildhauer angefragt worden. Da Rauch die klassischen griechischen Werke als den Höhepunkt der plastischen Kunst empfand, kleidete er die von ihm geschaffenen Statuen in klassische Gewänder. Bei diesem Standpunkt blieb er sein Leben lang und lehnte es ab, die Geistesheroen Schiller und Goethe als Gruppe für Weimar anders als im „idealen“ Kostüm zu entwerfen. Weil der berühmteste unter den Stiftern des Doppeldenkmals, König Ludwig I. von Bayern, auf seiner heroisierenden Auffassung bestand, verzichtete Rauch auf den Auftrag, der daraufhin seinem Schüler Rietschel erteilt wurde.

Von Mai 1942 bis 1945 war das Denkmal – als einziges in der Stadt – zum Schutz vor Luftangriffen eingemauert.[3] Im Sommer 1945 beseitigten sowjetische Soldaten diese Einhausung, wodurch das Denkmal quasi ein zweites Mal „enthüllt“ wurde. Ein bekanntes Propaganda-Foto,[4] abgebildet bei Günther Beyer (2015), zeigt die Freilegung des Denkmals durch Soldaten der Roten Armee.

Rezeption

Neben dem Kyffhäuserdenkmal ist das Goethe-und-Schiller-Denkmal das bekannteste Denkmal Thüringens; es dient unter anderem einer Werbekampagne der regionalen Tageszeitung Thüringer Allgemeine.

Kopien des Standbildes stehen in Anting, San Francisco, Milwaukee, Cleveland, und Syracuse.[5]

Literatur

  • Dirk Appelbaum (Hrsg.): Das Denkmal: Goethe und Schiller als Doppelstandbild in Weimar. Wasmuth: Edition Haniel, Tübingen 1993, ISBN 3-8030-0402-0 (uni-muenchen.de [PDF]).
  • Rolf Selbmann: Dichterdenkmäler in Deutschland: Literaturgeschichte in Erz und Stein. Metzler, Stuttgart 1988.
Commons: Goethe- und Schiller-Denkmal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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