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Goethedenkmal (Frankfurt am Main)

Denkmal in Frankfurt am Main From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Goethedenkmal auf dem Goetheplatz in Frankfurt am Main erinnert an den deutschen Nationaldichter Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832). Es wurde im Jahr 1844 im Auftrag der Stadt Frankfurt am Main nach Entwurf des Bildhauers Ludwig Schwanthaler im Stil des Klassizismus errichtet. Es ist das älteste Goethedenkmal Deutschlands.

Goethedenkmal Frankfurt am Main

Geschichte

Goethedenkmal auf dem Goetheplatz (1844–1944)
Goethedenkmal in der Gallusanlage (1952–2007)

Die Initiative zur Errichtung eines Goethedenkmals ging von der Frankfurter Bürgerschaft aus. Es sollte von einem deutschen Künstler auf einem öffentlichen Platz errichtet werden. Anfangs flossen die erforderlichen Spenden nur spärlich. Als jedoch 1839 mit dem Schillerdenkmal in Stuttgart das erste monumentale Dichterdenkmal in einer deutschen Stadt entstand, wollten die Frankfurter Goethe-Verehrer nicht zurückstehen. 1841 waren mehr als die Hälfte der veranschlagten 53.000 Gulden eingesammelt. Mit Bertel Thorwaldsen, dem Schöpfer des Stuttgarter Denkmals, wurde man jedoch nicht einig. Der Auftrag ging daher an den Münchner Bildhauer Ludwig von Schwanthaler.

Das von ihm entworfene bronzene Standbild wurde in der Königlichen Erzgießerei in München gegossen, die unter der Leitung Johann Baptist Stiglmaiers ein Zentrum des monumentalen Bronzegusses geworden war. Die Herstellung des Goethe-Denkmals konnte der an Magenkrebs erkrankte Stiglmaier jedoch nur noch vom Krankenbett aus leiten. Die Arbeit in der Gießerei stand unter der Aufsicht seines Neffen Ferdinand von Miller. Wenige Stunden nach dem Guss der 6,90 Meter hohen und fast 7 Tonnen schweren Statue starb Stiglmaier, nachdem er die Nachricht vom Gelingen des Werkes noch erfahren hatte.

Für die Aufstellung des Denkmals kamen mehrere Plätze in Frage. Der Paradeplatz vor der Katharinenkirche galt schon damals als Zentrum der Neustadt, doch konnte sich der Vorschlag, für das Goethedenkmal die Hauptwache abzureißen, nicht durchsetzen. Schließlich entschied man sich für die südlich des Theaterplatzes gelegene Stadtallee, den nördlichen Teil des Roßmarktes vor der französisch-reformierten Kirche. Dort brauchte man nur ein paar Bäume für das Denkmal zu fällen.

Es gelang nicht, das Denkmal wie geplant an Goethes Geburtstag am 28. August 1844 aufzustellen. Erst am 19. Oktober erreichte das Pferdefuhrwerk bei strömendem Regen das Affentor in Sachsenhausen, wo es von Tausenden begeisterter Bürger empfangen wurde. Der Transport über die Alte Brücke, die Fahrgasse und die Zeil glich einem Triumphzug. Am 22. Oktober 1844 wurde das Monument feierlich eingeweiht. Frankfurt war die erste Stadt, in der ein öffentliches Goethe-Denkmal aufgestellt wurde. Seitdem trägt der Platz den Namen Goetheplatz. Schwanthaler stiftete die Hälfte seines Honorars von 5000 Gulden für die Armen Frankfurts[1] und die Stadt verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde, ihre höchste Auszeichnung.

Den schweren Luftangriff am 22. März 1944, bei dem mit dem größten Teil der Frankfurter Altstadt auch das nahegelegene Goethe-Haus zerstört wurde, überstand das Denkmal nahezu unbeschädigt. Bei einem weiteren Angriff am 25. September detonierte eine Luftmine in unmittelbarer Nähe. Sie warf das fast genau 100 Jahre alte Denkmal vom Sockel, wobei Kopf und Arme abbrachen. Frankfurter Bürger vergruben die Reste des Kunstwerks, um sie vor Metalldieben zu schützen. 1952 wurde das Denkmal im Liebieghaus restauriert und anschließend nicht am alten Standort, sondern in der Gallusanlage aufgestellt. 2007 wurde das Denkmal restauriert und zu Goethes Geburtstag am 28. August wieder auf den Goetheplatz versetzt. Es wurde dabei allerdings gedreht. Während der Dichter früher den Blick nach Süden gerichtet hatte, blickt er heute nach Norden.

Beschreibung

Die Figur des Dichters steht auf dem linken Bein, das rechte ist als Spielbein leicht vorgestellt. Zur Rechten lehnt er sich an einen lorbeerumrankten Baumstumpf. Er trägt eine Jacke und darüber einen togaartigen Mantel, der von der rechten Schulter über die linke Hüfte verläuft. Die Jacke ist anders als üblich auf der linken Seite geknöpft, was schon bald nach der Einweihung des Denkmals für Spott sorgte. Es handele sich um einen Fehler des Gießers, vielleicht aber auch eine Anspielung Schwanthalers auf Goethes Geiz, der abgetragene Kleidungsstücke gewendet und von der falschen Seite weitergetragen habe. In der linken Hand hält Goethe einen Lorbeerkranz, in der rechten eine Schriftrolle, die Herrschaftsinsignien eines Dichterfürsten.

Das Denkmal steht auf einem kubischen Sockel, der rundum mit Bronzereliefs verziert ist. Das Relief unter dem Namenszug Goethe zeigt Allegorien der dramatischen Dichtkunst, der Minerva und der lyrischen Dichtkunst. Minerva, die Göttin der Kunst und der Wissenschaft, lehnt sich an eine Säule mit den Symbolen der goetheschen Naturlehre: Neptunismus, Botanik, Physiognomik und Farbenlehre. Die anderen drei Seiten zeigen Szenen aus Goethes Werken: Rechts Iphigenie und Orest vor König Thoas sowie Faust mit Mephisto in der Studierstube, aus den Dramen Iphigenie auf Tauris und Faust I. Links sieht man zwei Romanszenen: Hermann und Dorothea sowie Mignon und Wilhelm mit dem Harfner aus Wilhelm Meisters Lehrjahre. Auf der Rückseite krönt ein geflügelter Genius mit dem Lorbeerkranz Figuren aus Goethes Dichtungen, rechts Götz, Egmont und Tasso, links die Braut von Korinth, Prometheus, Erlkönig und das Liebespaar aus dem West-östlichen Divan.[2]

Literatur

Commons: Goethe-Denkmal (Frankfurt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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