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Goldafter

Art der Gattung Euproctis From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Goldafter (Euproctis chrysorrhoea) ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Unterfamilie der Trägspinner (Lymantriinae) innerhalb der Familie der Erebidae.[1]

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Goldafter

Goldafter (Euproctis chrysorrhoea)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Eulenfalter (Erebidae)
Unterfamilie: Trägspinner (Lymantriinae)
Gattung: Euproctis
Art: Goldafter
Wissenschaftlicher Name
Euproctis chrysorrhoea
(Linnaeus, 1758)
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Raupe
Raupen am Gespinst
Eier bedeckt mit Afterwolle

Merkmale

Der Goldafter erreicht eine Flügelspannweite von etwa 30 bis 35 Millimetern und ist damit deutlich größer als der ihm ähnliche Schwan (Euproctis similis). Am besten unterscheiden sich die beiden Trägspinner durch die Ausdehnung des gelben Bereichs am Hinterleib (Afterbusch). Die Männchen weisen am Hinterleib ein rostrotes Ende auf, während die Weibchen einen breiteren rostfarbenen Bereich zeigen. Manche Individuen haben zusätzlich noch gelbbraune Borsten am Hinterleib. Die Oberseite beider Flügelpaare ist weiß ohne den schwarzen Fleck, den der Schwan aufweist.

Ähnliche Arten

Verbreitung

Man findet diese Art in ganz Europa, im Norden bis Mittelschweden und Südfinnland. Weiterhin im südwestlichen Mittelmeerraum, auf der Iberischen Halbinsel und bis Russland im Osten. In Nordamerika wurde die Art vor etwa 100 Jahren eingeschleppt.

In den letzten Jahren ist der Goldafter in Teilen Deutschlands, insbesondere an der Nordseeküste, stark in Erscheinung getreten. Auf der Insel Sylt wurden Raupen und Gespinste inzwischen in allen fünf Inselgemeinden nachgewiesen. Allein im Jahr 2025 wuchs die befallene Fläche im Norden der Insel von 6 auf über 160 Hektar an.[2] Experten führen die zunehmenden Massenvermehrungen und die Ausbreitung in neue Gebiete maßgeblich auf den Klimawandel zurück, insbesondere wärmere Winter und Sommer sowie trockenere Perioden, die die Entwicklung der Raupen begünstigen.[3][4]

Lebensraum

Die wichtigsten Biotope sind heute Parkanlagen und Obstgärten. Früher waren lichte Laubmischwälder das Heim des Goldafters.

Lebensweise

Die Tiere fliegen von Ende Juni bis Anfang August.

Das Weibchen legt ca. 200 Eier auf einen Haufen und verteilt zum Schutz vor Fressfeinden dann die Haare ihres Hinterleibes darauf. Das Gelege sieht nun aus wie ein Baumschwamm und wird daher nicht sofort von Vögeln entdeckt.

Von September bis Juni findet man die Raupen, die direkt nach dem Schlüpfen noch einige Zeit beisammenbleiben. Im Sommer weben sie Blätter mit einem 8 bis 10 Zentimeter großen, weißen, filzartigen Gespinst zusammen. Selbst nach dem frühjährlichen Schlüpfen kommen die Tiere immer wieder nach dem Fressen zu diesem Gespinst. Beim Fressen sondert diese Art Spinnfäden ab.

Die Raupen sind etwa 35 bis 40 Millimeter lang, grauschwarz gefärbt, mit einer rot-weißen Zeichnung versehen und besitzen eine lange Behaarung. Sie ernähren sich meist von Laubhölzern wie Eichen, Kirsch-, Pflaumen-, Apfel- und Birnbäumen.

Die Raupen überwintern gesellig in einem Winternest.

Medizinische Bedeutung

Die Raupen des Goldafters stellen für den Menschen eine erhebliche gesundheitliche Gefahr dar. Ab dem dritten Larvenstadium bilden sie hunderttausende winzige Brennhaare aus, die das proteinhaltige Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Diese Haare brechen bei der kleinsten Berührung ab, werden vom Wind kilometerweit transportiert und bleiben auch in alten Gespinstnestern, auf Eigelegen und im Laub über Jahre hinweg toxisch wirksam.[4]

Ein Kontakt mit den Brennhaaren kann auch ohne direktes Berühren der Raupen zu ernsthaften gesundheitlichen Beschwerden führen. Typische Symptome sind starker Juckreiz, Hautrötungen, Quaddeln und Bläschen (Raupendermatitis), die mehrere Tage bis Wochen anhalten können. Gelangen die Haare in die Augen oder auf Schleimhäute, drohen Bindehautentzündungen und schmerzhafte Reizungen. Beim Einatmen der Brennhaare kann es zu Reizhusten, Atemwegsbeschwerden und in schweren Fällen zu Atemnot kommen, was insbesondere für Asthmatiker:innen gefährlich ist. In sehr seltenen Fällen sind sogar lebensbedrohliche anaphylaktische Schockreaktionen möglich. Die gesundheitlichen Folgen treten oft zeitversetzt auf, teilweise erst Stunden nach dem Kontakt.

Aufgrund der gesundheitlichen Risiken werden Vorkommen des Goldafters empfohlen zu meiden bzw. bei Arbeiten in betroffenen Bereichen Schutzkleidung getragen. In städtischen Gebieten und auf Inseln wie Sylt werden Überwinterungsgespinste im Herbst und Winter manuell entfernt und fachgerecht entsorgt, um die Belastung für Anwohner und Touristen zu reduzieren.[5][6]

Schadwirkung

Die Art bevorzugt Bäume und Sträucher in der offenen Landschaft, Alleebäume, Solitärbäume sowie Obstbäume in Gärten und Streuobstwiesen. Oftmals kommt es zum Kahlfraß, so dass der Goldafter als Schädling angesehen wird. Eine Bekämpfung ist möglich durch das Abtrennen der Überwinterungsgespinste nach dem Laubfall oder Besprühen der Blätter mit Bacillus thuringiensis-Präparaten oder Neem-Präparaten im Jungraupenstadium, bevor die Gespinste dicht gesponnen werden.

Literatur

  • Günter Ebert (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 4, Nachtfalter II (Bombycidae, Endromidae, Lemoniidae, Saturniidae, Sphingidae, Drepanidae, Notodontidae, Dilobidae, Lymantriidae, Ctenuchidae, Nolidae). Ulmer Verlag Stuttgart 1994. ISBN 3-8001-3474-8
  • Karl Cleve: "Der Goldafter (Euproctis chrysorrhoea L.) als Sanddornschädling", Jahresbericht der Forschungsstelle für Insel- und Küstenschutz, Bd. XIII, 1972.
Commons: Goldafter (Euproctis chrysorrhoea) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Goldafter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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