Golden Mountain Pullman Express

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Der Golden Mountain Pullman Express war ein Pullmanzug, der im Sommer 1931 in der Schweiz gemeinsam von der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) und der Montreux-Berner Oberland-Bahn (MOB) betrieben wurde. Er verkehrte auf dem Netz der MOB zwischen Montreux und Zweisimmen. Es war der einzige von der CIWL betriebene Luxuszug auf Meterspur. Ergänzt wurde er durch einen Anschlusszug der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) mit Salonwagen zwischen Zweisimmen und Interlaken Ost. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise blieb jedoch die erhoffte Nachfrage aus, und der Zuglauf wurde nach dem Ende der Sommersaison 1931 im Folgejahr nicht wieder betrieben und blieb eingestellt. Für den Zuglauf hatte die CIWL ihre einzigen meterspurigen Salonwagen beschafft (bei der MOB als AB4ü 103–106 bezeichnet), die sie letztlich 1939 an die Rhätische Bahn (RhB) verkaufte, wo sie seitdem eingesetzt werden. Die von der MOB beschafften Triebwagen wurden erst 1932 ausgeliefert und fanden für andere Züge im Netz der MOB Verwendung.

Golden Mountain Pullman Express mit zwei Triebwagen aus der Serie BFZe 4/4 23–26 bei Gstaad, 1931
Plakat von Roger Broders (1883–1953) für den Golden Mountain Pullman Express
Ursprünglich für den Einsatz vor dem Golden Mountain Pullman Express von der MOB beschaffter Triebwagen FZe 6/6 2002 im Jahr 2018 im Einsatz bei der Museumsbahn Blonay–Chamby (BC)
Der ehemalige CIWL AB4 103 als As 1141 im Einsatz bei der Rhätischen Bahn (RhB)

Geschichte

Die CIWL hatte seit Mitte der 1920er Jahre in Mitteleuropa ein umfangreiches Netz an Pullmanzügen aufgebaut. Diese luxuriös ausgestatteten Tageszüge bestanden aus Pullmanwagen, offenen Grossraumwagen mit bequemen Polstergarnituren. Statt separater Speisewagen besass ein Teil der Pullmanwagen Küchen, aus denen die Fahrgäste am Platz mit Speisen und Getränken bedient wurden. Die CIWL stellte die Wagen, die beteiligten Bahngesellschaften sorgten jeweils für die Lokomotiven.[1]

Nachdem die ersten Pullmanzüge recht erfolgreich waren und eine gute Fahrgastnachfrage erzielten, plante die CIWL gemeinsam mit der MOB und der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) die Einführung eines Pullmanzugs zwischen den bekannten Kur- und Erholungsorten Montreux und Interlaken, der jeweils in der Sommersaison verkehren sollte. Aufgrund der unterschiedlichen Spurweiten war dabei eine Zweiteilung des Zuglaufs in einen meterspurigen Teil zwischen Montreux und Zweisimmen und einen normalspurigen Teil zwischen Zweisimmen und Interlaken erforderlich. Die MOB führte bereits seit 1906 Züge mit Speisewagen und erzielte auch sonst gute Einnahmen durch wohlhabende Touristen und Schweiz-Urlauber, so dass sich alle beteiligten Gesellschaften einen wirtschaftlichen Erfolg versprachen.[2] Zusammen mit BLS und SBB vermarktete die MOB die Verbindung zwischen Montreux und Luzern über Interlaken bereits seit Beginn der 1920er Jahre als The Golden Pass Route.

Da die CIWL bislang keine Meterspurfahrzeuge besass, gab sie für den neuen Luxuszug eigens vier Salonwagen in Auftrag, die von der Schweizerische Industrie Gesellschaf (SIG) in Neuhausen am Rheinfall gefertigt und im Frühjahr 1931 abgeliefert wurden. Die Inneneinrichtung dieser mit den Nummern 103 bis 106 versehenen Wagen wurde durch den französischen Designer René Prou entworfen. Zudem wurden auf Kosten der CIWL zwei ältere Personenwagen der MOB des Baujahrs 1914 in Pullmanwagen umgebaut und erhielten die neuen Nummern 101 und 102. Äusserlich unterschieden sich die in den CIWL-Farben Blau und Creme lackierten Wagen durch die eingebauten Erkerfenster von normalspurigen Pullmanwagen. Anders als bei ihren normalspurigen Wagen war der Einbau einer Küche aufgrund des kleineren Lichtraumprofils und der kürzeren Wagenlänge nicht möglich. Die Züge erhielten daher einen der bei der MOB vorhandenen und von der CIWL-Tochter Schweizerische Speisewagen-Gesellschaft (SSG) bewirtschafteten Speisewagen der Baujahre 1906 und 1911 beigestellt.[3] Die von der MOB bestellten zwei neuen Lokomotiven FZe 6/6 2001 und 2002 waren 1931 noch nicht fertiggestellt. Um den Zuglauf dennoch in der Sommersaison 1931 einsetzen zu können, liess die MOB für die Bespannung vorgesehene Triebwagen in den Farben der CIWL-Pullmanwagen umlackieren. Nach Angaben von Albert Mühl in seinem Standardwerk zu CIWL-Luxuszügen waren es die zwei 1924 erbauten Gepäck- und Posttriebwagen CFZe 4/4 27–28.[2] Laut einem Standardwerk zur Geschichte der MOB und auch durch zeitgenössische Fotos belegt, handelte es sich um den BFZe 4/4 24 aus der Serie BFZe 4/4 23–26, der entsprechend lackiert wurde.[4]

Für den normalspurigen Anschlusszug auf dem Netz der BLS stellte die CIWL drei ältere Salonwagen bereit, die 1913 für den Einsatz im Süd-Express beschafft worden waren. Diese wurden äusserlich an die neueren Pullmanwagen angepasst, indem ihr Wagenkasten aus Teakholz eine Blechverkleidung erhielt, die blau-creme lackiert wurde.[2]

Am 15. Juni 1931 nahm der neue Golden Mountain Pullman Express erstmals den Betrieb auf. Alle beteiligten Gesellschaften, vor allem die CIWL, hatten aufwändige Werbemassnahmen ergriffen, der neue Zug zielte auf wohlhabende Touristen, vor allem aus den USA und Grossbritannien. Die Weltwirtschaftskrise, die sich 1931 auf ihrem Höhepunkt befand, liess jedoch die touristische Nachfrage aus Übersee und Großbritannien mehr einbrechen, als MOB und CIWL erwartet hatten und der Zug wurde kaum nachgefragt. In der Werbung unterlies die CIWL, dass alle Fahrgäste zwischen Montreux und Interlaken in Zweisimmen den Zug wechseln mussten, die veröffentlichten Fahrpläne wiesen darauf nicht hin. Dem Erfolg abträglich war ausserdem, dass die Fahrgäste – anders als bei den bislang von der CIWL eingeführten Pullmanzügen mit ihrem bequemen Am-Platz-Service – für Verpflegungszwecke den Speisewagen aufsuchen mussten. Dieser wurde zudem nur zwischen Les Avants, und Zweisimmen mitgeführt. Auf den anderen Abschnitten gab es lediglich Getränke und kleine Speisen. Vorzeitig vor Ablauf der Sommersaison fand die letzte Fahrt des Zuges bereits am 10. September 1931 statt,[2] nach anderen Quellen erst am 15. September.[5][6] Die CIWL sah zwar eine Wiederaufnahme des Golden Mountain Pullman Express für die Sommersaison 1932 vor und hatte den Zug bereits in ihren Fahrplan für 1932 aufgenommen, auf Wunsch der MOB blieb der Zuglauf jedoch eingestellt.[5]

Verbleib der Fahrzeuge

Die vier neugebauten Salonwagen blieben zunächst im Netz der MOB und wurden gelegentlich eingesetzt, bis sie 1939 durch die RhB erworben wurden. Bei der RhB dienten die unter der Bezeichnung As 1141–1144 in den Bestand aufgenommenen Fahrzeuge während des im gleichen Jahr ausgebrochenen Zweiten Weltkriegs für Zwecke der Schweizer Armee, anschliessend fanden sie Verwendung für Sonderfahrten, die Beförderung hochrangiger Persönlichkeiten oder als zuschlagspflichtige Wagen 1. Klasse in normalen Zugläufen zwischen Chur und St. Moritz. In den 1990er Jahren wurden die Wagen restauriert und im Innenraum wieder der ursprüngliche Zustand hergestellt sowie aussen wieder blau-crème lackiert. Seit 1999 verkehren sie zusammen mit weiteren dafür umgebauten älteren Wagen als historischer Luxuszug Alpine Classic Pullmann Express (ACPE) auf dem RhB-Netz.[7] Die zwei älteren, umgebauten Salonwagen blieben bei der MOB und stehen weiterhin bei der MOB im Dienst, vor allem für Sonderfahrten und historische Züge.[8]

Die eigentlich für den Zuglauf beschafften Triebwagen FZe 6/6 2001–2002 kamen lediglich für Fotozwecke vor den Salonwagen zum Einsatz. Die MOB verwendete sie für ihre normalen Personen- und Güterzüge, dank ihrer Leistungsfähigkeit vor allem für letztere. Mitte der 1970er Jahre wurden sie zur Verwendung vor Rollbockzügen umgebaut und bespannten solche Züge zwischen Zweisimmen und Lenk. Der Triebwagen 2001 wurde 2007 verschrottet, der Triebwagen 2002 ist seit 2008 bei der Museumsbahn Blonay–Chamby (BC) im Einsatz.

Nachfolgezüge

Ab Mitte der 1970er Jahre begann die MOB wieder mit dem Betrieb spezieller, auf die Anforderungen von Touristen ausgerichteter und komfortabler als ihre Regelzüge eingerichteter Zuggarnituren, wofür sie zunächst neue Panoramawagen beschaffte, gefolgt von speziellen Zuggarnituren. Seitdem betreibt sie diese Züge unter wechselnden Namen. Zunächst wurden die Züge als Panoramic Express und Super Panoramic Express bezeichnet. Seit 2001 vermarktet die MOB zusammen mit der BLS und der Zentralbahn die Verbindung zwischen Montreux und Luzern als Golden-Pass-Line. Seit der Inbetriebnahme der Umspuranlage Zweisimmen verkehrt der Golden-Pass-Express durchgehend zwischen Montreux und Interlaken Ost mit Spurwechsel in Zweisimmen.

Literatur

  • Albert Mühl: Internationale Luxuszüge. EK-Verlag, Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 3-88255-673-0.
  • Renzo Perret: Die Geschichte der CIWL. Die Pullman-Wagen. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1986, ISBN 3-440-05612-0
Commons: Golden Mountain Pullman Express – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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