Gona (Äthiopien)
Fluss in Äthiopien
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Gona (amharisch ጎና) ist eine archäologische und paläoanthropologische Fundstätte nördlich des Flusses Awash am Rande des Afar-Dreiecks in Äthiopien. Namensgebend für das in Fachkreisen als Gona Paleoanthropological Study Area bezeichnete, rund 500 Quadratkilometer große Gebiet war die lokale Bezeichnung für den zum Awash entwässernden Trockenfluss Kada Gona. Gona grenzt im Osten an das Forschungsgebiet Hadar, im Norden an die Straße von Mille nach Bati, im Süden an den Fluss Asbole und die Middle Awash study area sowie im Westen an die Steilhänge des Äthiopischen Hochlands.[1]
Erforschung
Die ersten Feldstudien in Gona unternahm in den 1970er-Jahren die Französin Helene Roche, gefolgt von John W. K. Harris (Rutgers University); ab 1987 kooperierte Harris mit Sileshi Semaw. 1997 begann unter Leitung von Sileshi Semaw das Gona Palaeoanthropological Research Project, eine Fachgrenzen überschreitende Kooperation von Feld- und Laborstudien.[2]
Funde
Das nach Regenfällen durch den Fluss Kada Gona und durch die benachbarten Trockenflüsse Ounda Gona, Busidima, Asbole und Dana Aoule fließende Wasser hat entlang ihrer tief eingeschnittenen Steilhänge mehr als 40 Meter hohe Sedimentschichten freigelegt, aus denen eine Fülle an Steinwerkzeugen und Fossilien zutage tritt.
Für Paläoanthropologen besonders bedeutsam sind drei Schichten, deren älteste rund 4,4 Millionen Jahre alt ist; aus ihr stammen die neben Funden aus der nahen Grabungsstätte Aramis einzigen Fossilien von Ardipithecus ramidus.[3][4]
Aus einer anhand der Kalium-Argon-Methode auf ein Alter von 2,6 bis 2,5 Millionen Jahre datierten Schicht wurden zwischen 1992 und 1994 die weltweit ältesten bislang sicher datierten Oldowan-Steinwerkzeuge geborgen.[5][6] Fossile hominine Knochen wurden im Zusammenhang mit diesen Artefakten zwar nicht entdeckt; jedoch wurde im Gebiet der angrenzenden Middle Awash study area – auf der Halbinsel Bouri – das Typusexemplar von Australopithecus garhi geborgen, dessen Alter 2,5 Millionen Jahren beträgt. Australopithecus garhi kommt folglich als Hersteller der Oldowan-Artefakte infrage.[1]
Im Jahr 2001 wurden ferner erstmals Knochen eines – zudem nahezu vollständigen – weiblichen Beckens und von drei Lendenwirbeln von Homo erectus entdeckt, denen im Jahr 2008 ein Alter von 1,4 bis 0,9 Millionen Jahren zugeschrieben wurde.[7] Bis dahin war von Homo erectus nur das Becken des als männlich interpretierten Fossils KNM-WT 15000 vollständig erhalten gewesen. Das Becken aus Goma (Sammlungsnummer: BSN49/P27) untermauerte erstmals die Hypothese, dass im Verlauf der Evolution von Homo erectus nicht nur Gehirnvolumen und Schädel der Erwachsenen sich vergrößerten, sondern dass auch der Beckenkanal allmählich größer wurde und folglich die Gehirngröße der Neugeborenen zum Zeitpunkt der Geburt. Ähnlich alt wie das Becken sind Steinwerkzeuge vom Typus Acheuléen.[8]
Aus der Fundstelle Dana Aoule North wurde der rund 1,5 Millionen Jahre alte Schädel DAN5 mit weitgehend erhaltenen Knochen aus dem Bereich des Gesichts geborgen und virtuell rekonstruiert, mit dem Ergebnis, dass sein Besitzer graziler war als viele andere Funde von Homo erectus. Dies deute möglicherweise auf einen Sexualdimorphismus bei Homo erectus hin.[9]
Weblinks
- Gona Paleoanthropological Research Project. Auf: stoneageinstitute.org, zuletzt abgerufen am 17. März 2022.