Gonzalo Rubalcaba

kubanischer Komponist und Jazz-Pianist From Wikipedia, the free encyclopedia

Gonzalo Julio González Fonseca (* 27. Mai 1963 in Havanna), bekannt als Gonzalo Rubalcaba, ist ein kubanischer Jazzmusiker (Piano, Komposition). Er gilt mit über 40 Alben, von denen viele ausgezeichnet wurden, als einer der herausragenden Pianisten des zeitgenössischen Jazz.

Gonzalo Rubalcaba

Leben

Rubalcaba stammt aus einer musikalischen Familie und ist der Sohn des Pianisten Guillermo Rubalcaba (1927–2015) und Enkel des Komponisten Jacobao Gonzales Rubalcaba. Er begann zunächst mit dem Schlagzeugspiel und trat bereits als Fünfjähriger auf. Zwischen 1971 und 1983 unterzog er sich einer klassischen Musikausbildung. Er studierte Perkussion, Klavier und Komposition am Konservatorium und anschließend am Havana Institute of Fine Arts (Abschluss in Komposition 1983).

Neben der europäischen Konzertmusik beeinflusste ihn auch die populäre kubanische Musik, in der es Möglichkeiten gab, zu improvisieren und damit seine eigenen musikalischen Ideen einfließen zu lassen. Das erste Mal verreiste Rubalcaba außerhalb Kubas 1980 – mit 17 Jahren – nach Panama und Kolumbien; dann tourte er 1983 mit der Salsakapelle Orquesta Aragon nach Afrika und Paris.

Dizzy Gillespie war der erste nordamerikanische Musiker, mit dem er 1985 in Havanna zusammenarbeitete. Seine Zusammenarbeit mit dem deutschen Musikproduzenten Götz Wörner führte zu den ersten internationalen Veröffentlichungen und Tourneen in Europa. Gonzalo heiratete im November 1986. Er und seine Frau Maria zogen 1990 nach Santo Domingo in der Dominikanischen Republik.

In den USA konnte er erstmals 1993 nach der Fürsprache von Wynton Marsalis und der Witwe Dizzy Gillespies auftreten. Seit 1996 lebt er mit seiner Frau in Florida; sie haben inzwischen drei Kinder.

Wirken

Bereits während seines Studiums spielte er mit Frank Emilio, Chucho Valdés, Paquito D’Rivera und Arturo Sandoval. 1985 stellte er seine eigene Grupo Projecto auf dem North Sea Jazz Festival und dem JazzFest Berlin vor, mit der er an einer Fusion aus Jazzrock, Bop und dem kubanischen Son arbeitete. Seine ersten Aufnahmen machte er in den Egrem-Studios in Havanna Anfang bis Mitte der 1980er Jahre (u. a. „Inicio“ – ein Solopiano-Album und „Concierto Negro“). Anfang 1986 veröffentlichte drei Alben auf dem Frankfurter Label „Messidor“ mit seinem Cuban Quartett: „Mi Gran Pasion“, „Live in Havana“, und „Giraldilla“. Diese Aufnahmen zeigen sein Temperament, seine Virtuosität und dass er zu diesem Zeitpunkt trotz seiner afrokubanischen Tradition bereits vom Jazz beeinflusst war.

1986 überzeugte Gonzalo Rubalcaba mit seinem Auftritt auf dem Havanna Jazz Festival. Er trat in einem Trio mit Charlie Haden und Paul Motian auf. 1989 holte ihn Charlie Haden zum Jazz Festival Montreal, um wieder in diesem Trio zu spielen.[1] Ein Mitschnitt des Trios vom Jazz Festival Montreux 1990 erschien 1991 als „Discovery“. Das zunächst veröffentlichte Studio-Album „The Blessing“ (mit Haden und Jack DeJohnette) zeigt Rubalcaba als Spieler eines Jazz-Piano.

1992 nahm er mit seiner neuformierten Band Proyecto Latino seine „Suite 4 y 20“ auf. Im Laufe der nächsten Jahre folgten gemeinsam mit Felipe Cabrera und Julio Barreto immer neue Platten wie eine Hommage an Dizzy Gillespie („Diz“) oder die gewaltige Latin-Jazz-Suite „Antiguo“, auf der er die Summe seines bisherigen Spiels und all seiner Einflüsse zog (2000 nominiert für einen Grammy). Auffallend immer wieder seine bestechende, dabei aber wie selbstverständlich wirkende, Virtuosität. Bei genauerem Hinhören fallen aber auch große Besonderheiten in der Melodik auf, dabei zwischen der Sprache des modernen Jazz und klassischen und kubanischen Formen hin und her springend.

Mit „Inner Voyage“ leistete sich Gonzalo Rubalcaba eine Reise nach innen, forschte nach den Nuancen. Für „Nocturne“ – ebenfalls ein sehr intimes Album – nahmen Charlie Haden und Rubalcaba (der auch als Produzent fungierte) 2002 kubanische und mexikanische Boleros auf; es erhielt 2002 ebenso einen Grammy als „Best Latin Jazz Album“ wie 2005 „Land of the Sun“ mit Adaptionen lateinamerikanischer Tanzmusik von Haden und Rubalcaba.

Neben eigenen Gruppen tourte Rubalcaba im Duo mit Chick Corea. 2002 lotete er die Möglichkeiten der Triobesetzung aus im sehr kontrastreichen „Supernova“, das mit einem Latin Grammy ausgezeichnet wurde.[2] Das Album „Paseo“ knüpfte an seine elektrischeren Fusionausflüge von „Antiguo“ an – Latin-Fusion, improvisierter Modern Jazz, Rückkehr zu den kubanischen Wurzeln. 2005 erschienen sein Album „Solo“ und sein Standardalbum The Trio, gefolgt von einem Quintettalbum „Avatar.“[3]

2010 gründete Gonzalo gemeinsam mit dem Geschäftsmann Gary Galimidi das Label 5Passion Records. Dort veröffentlichte er weitere Aufnahmen wie etwa „Fe“ (2011), „XXI“ (2012), „Volcan“ (2014), „Live Faith“ (2015), die für einen Latin Grammy nominierte „Suite Caminos“ (2015) und „Charlie“ (2016). 2020 nahm er gemeinsam mit der Sängerin Aymée Nuviola das für einen Grammy nominierte Album „Viento y Tiempo“ live im Blue Note Tokyo für Top Stop Music aufzunehmen. Im selben Jahr strukturierte er Plattenlabel 5Passion in Partnerschaft mit dem Geschäftsmann Ariel López neu. Dort erschien sein mit Ron Carter und Jack DeJohnette eingespieltes Album „Skyline“ (2021), das mit dem Grammy Award in der Kategorie „Best Jazz Instrumental Album“ ausgezeichnet wurde.[4] Kulturübergreifend war auch sein Alben „China Afro Cuba“ (2024) mit dem chinesischen Pianisten Dongfeng Liu sowie das von Nat King Cole inspirierte Album „Fascination“ (2025) mit Jon Secada und „Gonzalo Plays Pino“ mit Melodien des Neapolitaners Pino Daniele in Latin-Jazz-Arrangements.[3] Zu hören war er auch auf Pat Martinos Album „Think Tank“, das eine Grammy-Nominierung erhielt.

Seit 2015 lehrt Rubalcaba als Hochschullehrer an der Frost School of Music an der University of Miami. 2020 gründete er seine eigene Akademie (Rubalcademy), über die er Musikern weltweit Online-Masterclasses anbietet.[4]

Stil

Trotz seiner großen Bandbreite gilt Gonzalo Rubalcaba weithin als Jazzpianist. Aufgrund seines afrokubanischen Backgrounds und seiner früheren Percussion-Ausbildung spielt die Rhythmik in seinem Spiel eine wichtige Rolle. Er selbst sieht das Piano auch „als Teil der Percussion-Familie“.

Preise und Auszeichnungen

1999 wurde Rubalcaba vom Piano & Keyboard Magazine als einer der bedeutendsten Pianisten des 20. Jahrhunderts ausgezeichnet. Bisher gewann er vier Grammys sowie vier Latin Grammys und erhielt insgesamt 12 Grammy-Nominierungen; zudem wurde er mit „Palmarès“ verliehen von der Académie du Jazz sowie einem „Les Victoires du Jazz“ geehrt. 2008 verlieh ihm die ASCAP Foundation ihren „Vanguard Award“ in Würdigung seiner Arbeit als Komponist und Pianist, „dessen innovative und unverwechselbare Musik neue Wege im Jazz beschreitet“.[4]

Diskografie (Auswahl)

  • Live in Havana (1987)
  • Mi Gran Pasion (1989)
  • Giraldilla (1990)
  • Discovery – Live at Montreux (1991)
  • The Blessing (1991)
  • Diz (1994)
  • The Trio (1997)
  • Flying Colors (1998)
  • Antiguo (1998)
  • Inner Voyage (1999)
  • Supernova (2001)
  • Nocturne (2002, Grammy)
  • Land of the Sun (2004, Grammy)
  • Paseo (2004)
  • Solo (2006)
  • Avatar (2008)
  • Fé (2010)
  • XXI Century (2011)
  • Volcan (2013)
  • Suite Caminos (2015)
  • Tokyo Adagio (mit Charlie Haden, 2015)
  • Minione (mit Anna Maria Jopek, 2017)
  • Gonzalo Rubalcaba & Aymée Nuviola: Live at Blue Note Tokyo (Top Stop Music, 2020)
  • Gonzalo Rubalcaba & Aymée Nuviola: Live in Marciac (5 Passion Records, 2022)
  • Skyline (mit Ron Carter & Jack DeJohnette, 2022, Grammy)
  • Borrowed Roses (Top Stop Music, 2023)[5]
  • A Tribute to Benny Moré and Nat King Cole (mit Yainer Horta & Joey Calveiro, 2025, Grammy)
Commons: Gonzalo Rubalcaba – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI